Spuren von Diskussionen!
In zahlreichen Diskussionen an denen Michael und ich beteiligt waren ging es immer wieder um Kunst. Die erste Spur, die sich aus diesen Diskussionen herausschälte ist dieser Blog. Eine weitere Spur die blieb ist, als Statusmeldung zu sehen, eine Liste mit 10 Punkte, die es gilt zu erfüllen um Kunst zu schaffen oder zu beurteilen.
Hier sind sie:
1. Der Schaffende sucht nach einer eigenen Ausdrucksweise die nur für Ihn typisch ist. Der Rezipient muss sich in der Auseinandersetzung mit dem Werk diese „Sprache“ erst erarbeiten, um sie dann auf sich wirken zu lassen. Ein schwieriges Unterfangen in einer immer schnelllebigeren Zeit.
2. Kunst ist nicht käuflich, da Kunst ein Prozess ist an desssen Ende Spuren hinterlassen werden. Nur diese Spuren des Prozesses Kunst sind käuflich erwerbbar. Kunst ist der gesamte Schaffensprozess, angefangen von der Initialzündung, über den denkenden Teil, hin zur Ausführung der Dokumentation. Dies gilt für alle Kunstsparten von bildender Kunst, über Musik, bis hin zu rein rezitierenden Künsten, wie der Schauspielerei. Dennoch stellen die Spuren hinterher das Werk in der Öffentlichkeit dar.
3. Dem Prozess Kunst muss immer die Suche nach Neuem innewohnen. Dies kann sich sowohl formal wie auch inhaltlich darstellen. Der Schaffende muss eine neue Erfahrung sammeln und diese im Werk manifestieren.
4. Das Werk soll beim Rezipienten einen eigenen Prozess auslösen, sodass er durch die Werkschau für sich neue Erkenntnisse erlangt.
5. Kunst ist keine Agitation, sie sucht nach Möglichkeiten dem Rezipienten den Weg zu eigenen Erkenntnissen zu öffnen und gibt ihm so Hilfestellung beim Bilden der eigenen Persönlichkeit durch bildnerische Gedankenmarken. Sie ist somit ein Faktor der Bildung.
6. Kunst verlangt vom Schaffenden Mut, da er seine Gedankenwelt, seine Gefühlswelt und seine Vorprägungen in einen Prozess der Suche nach neuem ehrlich einbringen muss und diese öffentlich zur Diskussion stellen.
7. Auch vom Rezipienten wird ein bereitwilliges Durchschreiten des eigenen Ichs verlangt. Hierfür braucht er Initialzündungen und Einstiege, die ihm heute leider zu wenig gegeben werden, sodass viele gute Werke für eine breitere Öffentlichkeit verloren gehen.
8. Der Schaffende muss sich in der Kulturhistorie auskennen um sein tun und sein Werk einordnen zu können. Er muss sich also neben dem Erarbeiten handwerklicher Fähigkeiten auch mit Kulturgeschichte beschäftigt haben.
9. Der Schaffende sollte den Prozess demütig durchschreiten und nicht überheblich werden. Beispiel hierfür könnte der Film „Rivers and Tides“ über das Schaffen von Andy Goldsworthy sein. Ausschnitte hier:
10. Kunst nimmt einen gefangen und lässt einen sein Leben lang nicht mehr los, egal ob man Schaffender oder Rezipient ist.
Bitte warten ...
Na, auf den Punkt 7 könnte man ja direkt wieder einsteigen:
“Hierfür braucht er Initialzündungen und Einstiege, die ihm heute leider zu wenig gegeben werden, sodass viele gute Werke für eine breitere Öffentlichkeit verloren gehen.”
Es liegt aber auch einfach daran, daß der Kunstbetrieb einfach die “Breite Masse” ausschliesst. Weil er an ihr gar kein Interesse hat.
Hier tut sich in Deinen Punkte ein Widerspruch auf. Das in Punkt 5 gesagte…sucht die Kunst wirklich den Rezipienten? Oder stellt sie nur relativ selbstverliebt sich selbst zu Schau. Sucht sie wirklich die Kommunikation oder verhindert sie sie nicht gerade?
Wenn sie den Rezipienten sucht, warum geht sie dann nicht auf ihn zu und holt ihn da ab, wo er steht? Warum versteckt sie sich in einem Betrieb, der ganz bewußt bestimmte Gruppen ausschließt bzw sich nicht um diese kümmert?
Michael Strogies - 15. Februar 2009 um 19:17 Uhr
Wolltest Du mir jetzt eine Steilvorlage liefern? Ich denke, da kommt etwas in Bewegung. Die Punkte sind ja sicher auch ein Stück Idealisierung. Wenn aber damit angefangen wird, wie wir es hier tun, Umgehensweisen zu erklären oder wenn man, durch kleine situative Beschreibungen zur Entstehung oder zur Gefühlslage der Entstehung, Hinweise zu geben, wird auch Initial etwas ausgelöst, das den einen oder anderen mitnimmt.
Ich experimentiere da derzeit gerade mit Skizzen aus meinen Moleskine’s, die ich in einem Blog einstelle. http://corneliusmoleskine.wordpress.com/
Cornelius - 15. Februar 2009 um 23:04 Uhr
Punkt 4 ist voll und ganz auch meine Absicht - ob ich es mit meinen Arbeiten schaffe … Feedback dazu gibts kaum, es traut sich selten wer. Nur auf direkte Frage hin kommen Antworten wie “Ich erkenne mich als Frau wieder” “Und was sind deine Vorschläge für Änderungen” “Ich weiß ja auch nicht, wie man als Einzelner da etwas bewegen kann….”
Naja, besser als nichts …
“7. Auch vom Rezipienten wird ein bereitwilliges Durchschreiten des eigenen Ichs verlangt. Hierfür braucht er Initialzündungen und Einstiege, die ihm heute leider zu wenig gegeben werden, sodass viele gute Werke für eine breitere Öffentlichkeit verloren gehen.”
Ja, das passt doch auch gut zu Michael’s Einwurf - hier sollte man ansetzen, denke ich.
“8. Der Schaffende muss sich in der Kulturhistorie auskennen um sein tun und sein Werk einordnen zu können. Er muss sich also neben dem Erarbeiten handwerklicher Fähigkeiten auch mit Kulturgeschichte beschäftigt haben.”
In der Tat, auch wichtig. Als Autodidakt merke ich immer wieder, wie ich diesbezüglich an Grenzen stoße und mir dann mühsam die gerade aktuellen offenen Punkte “nacherarbeiten” muss.
“10. Kunst nimmt einen gefangen und lässt einen sein Leben lang nicht mehr los, egal ob man Schaffender oder Rezipient ist.”
Ebenso schließe ich mich an und lasse dies gerne so im Raum stehen.
barbara-rapp - 5. März 2009 um 11:12 Uhr
Hallo Barbara,
mein Einwand zu Punkt 4 sollte tatsächlich natürlich ein wenig provozierend sein. Natürlich suche ich mit meinen Arbeiten auch Rückmeldungen.
Ich glaube daß die Betrachter im Bereich Kunst schlicht und ergreifend verunsichert sind. Dies hat aus meiner, vielleicht zu vereinfachten Sicht, den Grund in der Art und Weise, wie der etablierte Kunstbetrieb arbeitet. Es geht bei ihmnicht um wissenstransfer, sondern eher im Gegenteil. Der Rezipient soll merken, wie dumm er eigentlich ist. Es werden hochgradige Experten eingeladen, die sich über ausgesuchte Künstler und Werke ergiessen. Der Sammler kann sich dann ja in dieses Wissen “einkaufen” um dazu zu gehören.
Ich bin davon überzeugt, daß wir hier mit diesem kleinen, noch unbedeutenden Blog zumindest mal einen richtigen Weg eingeschlagen haben. Die Leute sollen sehen, daß auch in der Kunst nur mit Wasser gekocht wird. Und daß es dann manchmal als Champagner angeboten wird.
Michael Strogies - 5. März 2009 um 14:32 Uhr