Wie geht das?
Wie fertigt ein informel arbeitender Künstler ein Selbstportrait?Nun,zunächst einmal hat er nicht die Absicht ein solches zu erstellen.Er hat seine Brille zerbrochen und fragt sich:”Was tun?” - mit der zerstörten Brille (ansonsten verfährt er wie jeder halbwegsvernünftige Mensch und geht zu Fielmann).Das kaputte Stück landet also auf der Leinwand und wird festgespachtelt(Acrylspachtelmasse+33%Quarzsand).Unter Zuhilfenahme von 60 Meter Packband,div.Kartoffel-,Zitronen- und Zwiebelnetzen,sowie einer Schriftschablone und weiteren Unmengen Spachtelmasse(s.O.),plus einem Ohrring aus dem Besitz des Kunstschaffenden entsteht - das Selbstportrait!Das Ich erkennt sich und alles ist gut;).
Selbstportrait 1991 120 x 85 cm Ölfarbe auf Holz
Wie versprochen hier ein älteres Selbstportrait.


Bitte warten ...
Ich bitte den Rand um das Bild zu entschuldigen.Wir üben noch.Dafür habe ich gerade entdeckt,daß das Bild per Mausklick vergrössert werden kann und so sehr viel besser zu betrachten ist.
michele - 28. März 2009 um 12:53 Uhr
Hallo Michele
mich stört dieser Rand nicht.
Das Bild zeichnet Dich düster…es verunsichert mich weil ich die Person nicht gewohnt erfassen kann, ich sehe das mehr von der Person hinter den Farben schlummert..
Rainer
candeias - 28. März 2009 um 16:00 Uhr
Auf Micheles Bitte habe ich eine etwas bearbeitete Version des Bildes hochgeladen, ich hoffe das die Kraft und Ausdrucksstärke noch deutlicher wird.
Michele queste peintura per me e fantastico!
Cornelius - 29. März 2009 um 11:44 Uhr
Hinter jeder künstlerischen Arbeit “schlummert” mehr;).
“hinter den Farben”gefällt mir gut,weil ich ja so vorgehe,dass erst die Strukturen aufgebracht werden und die farbliche Überarbeitung quasi alles wieder verdeckt,bzw.verändert.
Natürlich ist die Person nicht wie gewohnt erfassbar - es ist ja eine “informelle” Person.
Weniger als eine Abbildung,aber mehr als ein Bild.
Die Düsterkeit ist sicherlich auch der Fototechnik geschuldet.Aber nach dem langen Winter sieht sich kaum jemand leicht und locker;).Es geht mir ausgesprochen gut und ich habe mich über deinen Kommentar sehr gefreut!
michele - 29. März 2009 um 11:45 Uhr
@cornelius
Mille grazie! per tutto.
MICHELE
michele - 29. März 2009 um 11:48 Uhr
für mich als “gegenständliche” ist die “informelle” darstellung einer person mindestens genauso interessant - der zugang über farben und strukturen zum betreffenden menschen erfolgt hier halt in erster linie intuitiv und nicht kognitiv…
ich habe aber ein durchaus lebendiges bild vor mir, wie michel sein könnte, obwohl ich dich nicht persönlich kenne.
das wesen einer person kann man u.u. sogar besser auf die informelle art darstellen, ich werde so etwas auch mal probieren.
Karin Rindler - 29. März 2009 um 12:31 Uhr
@Karin
Seit ich künstlerisch arbeite entstehen auch,in loser Folge,immer wieder Selbstportraits.Die sind dann stets geprägt von den jeweiligen Stilmitteln.So gibt es z.B.ein kubistisch inspiriertes Portrait aus den 90er Jahren.
Umso erstaunlicher ist es für mich,dass bestimmte Grundzüge in der Selbstansicht,über all die Jahre gleich geblieben sind.Wo der Kopf grosse Veränderungen zu sehen meint,zeigt die Kunst Kontinuität und Konstanz.
michele - 29. März 2009 um 12:58 Uhr
Hi Michele
ich finde das Bild sehr spannend und freue mich darauf, das mal im Original zu sehen. Insbesondere die details interssieren mich.
Was natürlich hier bei einem Selbstprotrait passt, ist das Duktus (also Handschrift) und portreitierte Person identisch sind. Etwas was bei einem “klassichen” Portrait so oft über sehen wird, ist hier durch deine informelle Umsetzung sehr präsent. Maler und Gemalte sind identisch, die Farben sind nicht von Dir für dich gewählt, beschreibender DuKtus ist gleichzeitig der Duktus des Schreibenden
Es wäre schön, hier auch mal die von Dir gennannten früheren Portraits zu sehen.
Michael Strogies - 29. März 2009 um 14:15 Uhr
im Anschluss an Michaels ” beschreibender DuKtus ist gleichzeitig der Duktus des Schreibenden” …
so GANZ SPONTAN würd ich am liebsetn gleich kommen und dran kratzen, um zu sehen wer DAHINTER steckt ! Um den Michele dadurch sichtbar zu machen …
Ja, andere Portaits würden mich auch interessieren
LG, Mona
Mona Schwenker - 30. März 2009 um 08:57 Uhr
Hi Mona!
Was man sieht ist was man sieht.(Frank Stella)
Ich denke ich werde das,oben angesprochene, Selbstportrait mal rauskramen und es bei der Hausart Extra am 26.April neben die neue Arbeit hängen.
michele - 30. März 2009 um 09:34 Uhr
Hm, kannste auch hier posten….dann brauchen wir nicht solange warten :-)))
Michael Strogies - 30. März 2009 um 09:36 Uhr
Dann will ich mich später mal auf den Weg in den Keller machen.
michele - 30. März 2009 um 11:21 Uhr
Hey Michele,
Mensch, du wärst ein richtig guter Kubist geworden.
Sagt mal……
Ich hatte vor Jahren mal eine Idee. Und zwar eine Ausstellung zu einem Menschen zu machen. Thema war damals, wie sollte es anders sein… “Spuren”.
Damals aber Dinge zu dokumentieren und zu verarbeiten, die der Dargestellte in seinem Leben hinterlassen hat.
Wäre es nichtmal eine Idee, solch ein Projekt zu realisieren. Wo jeder von uns eine Person mit seinen Mittel portraitiert. Fände ich extrem spannend.
Michael Strogies - 1. April 2009 um 16:43 Uhr
Ist spannend die Idee.Unbedingt im Kopf behalten!
michele - 1. April 2009 um 18:10 Uhr
Steht doch jetzt hier
Michael Strogies - 1. April 2009 um 18:53 Uhr
“Wäre es nichtmal eine Idee, solch ein Projekt zu realisieren. Wo jeder von uns eine Person mit seinen Mittel portraitiert. Fände ich extrem spannend.”
In der Tat, so etwas hätte einen gewissen Reiz.
Zu den beiden abgebildeten Portraits: Ich bin vom oberen und offensichtlich stärker intuitiv angegangenen auch wesentlich stärker berührt und vermag eine Art von Persönlichkeit dahinter vermuten. Ein lebendes Impulsiv, das unter toten (oder abgestorbenen?) Schichten sich hervorwagt.
barbara-rapp - 2. April 2009 um 08:38 Uhr
Ein Hinweis den ich bewusst erst jetzt gebe ist der folgende:
Das 2.Portrait entstand 1991 nach einer langen schweren Krankheit(Magersucht),dementsprechend ausgemergelt war die zu erfassende Person.Ohne Brille um besser “in” den Menschen sehen zu können.Schwarz gekleidet (bis ca.1994 nur schwarz) und zerbrochen,um neu zusammengesetzt zu werden.Ich gestehe,dass ich bis heute noch Schwiegigkeiten habe mir das Bild anzusehen.Es tut weh!Aber es ist die Zeit für mich zur Rückbesinnung.Ein Prozess ausglöst von Euch und Spursuche.
Das aktuelle Portrait zu betrachten macht mir umsomehr Freude.Für mich spiegelt sich in ihm Stabilität und eine Sicherheit des Seins - ohne ein ,wie auch immer geartetes,Ziel oder Ende erreicht zu haben.Ich bleibe suchend und neugierig;).
michele - 2. April 2009 um 08:59 Uhr
Hallo Michele
das spannenste an dem Thema *sich selber darzustellen* ist immer der Prozess der sich in Dir abspielt und den ich dann in Deinem Werk erfühlen kann.
mit meiner aller ersten Teilnahme an einer Gemeinschaftsausstellung in Berlin *download 100 NetzWerkSchau* gehe ich auch an dieses Thema.
Wenn es gestattet wäre würde ich gerne im Anschluß von dieser Arbeit hier Bilder veröffentlichen und durch Euch Kritik erfahren.
Mir sagt das letzte Deiner Selbstportaits viel mehr.
Rainer
candeias - 11. April 2009 um 13:58 Uhr
Lieber Rainer!
Wir sind gerade dabei eine Möglichkeit für Gäste (und ihre Arbeiten) auszuloten.Das braucht aber ein wenig Zeit.
Natürlich ist das zweite Portrait(also gewissermassen das Erste;)
scheinbar klarer,doch das täuscht.Es ist eher “der Wunsch” nach Klarheit der eingefangen wurde und das,mit den Mitteln eines Lernenden.
Mein heutiges Portrait zeigt mich in meiner Vielschichtigkeit und der damit einhergehenden Selbstakzeptanz.Es bedient sich “sicherer Mittel” in Hand und Geist.
Beide Arbeiten haben ihre Berechtigung(wer wollte sie ihnen auch absprechen?).Sie sind Zeitzeugen und Teile eines Prozesses den wir Leben nennen .
michele - 14. April 2009 um 17:15 Uhr