RS12-die Eule aus der Tüte

29.03.2009

Schritt 1.

Weiße Baumwollwand 100×80x4,8xcm.

Herausforderung? Idee? … es denkt. Weggehen. Hingehen.Es ist. Der Prozess hat begonnen. Ziel? Eine gute Arbeit. Thema? Jetzt noch nicht. Prozess als Prozess.

Erste Versuche. Materialien auf die Leinwand gelegt. Langeweile. Schon tausendmal gehabt. Überlegen um zu verwerfen. Blödsinn! Blödsinn! Blödsinn!Geh weg Michele. Kein Sinn - nicht heute.

Aber es hat angefangen.

30.03.2009

Huch! Eine Eule erscheint zwischen den fortschreitenden Verknüpfungen. Pause. Weggehen - hingehen - wieder weg…Eule ? Konkrete Bilder? Kommt da die aktuelle Beschäftigung mit CoBrA um die Ecke? Aufpassen! Na Danke, liebe Kollegen Cornelius, Michael & Robert!

Spachtel & Sand.

31.03.2009

Ab 5 Uhr wachgelegen. Denkendes Erwachen. Ergebnis? Die  ” Eule” bleibt solange sie will und kann.

Anstreicher im Haus. Ablenkung, aber leider notwendig. Robert (Reschkowski) hat eine seiner Performance in Straight Art eingestellt. Noch mehr Ablenkung. Ehrlicherweise, das Nachdenken hört ab Tag 3 sowieso meist auf. Störungen (jetzt streikt auch noch der Türdrücker/ Elektriker anrufen) werden lästiger und wichtiger.

Sonnenschein ist schön, aber wer will da schon arbeiten? Alles geht seinen Gang. Papiereinkaufstüte von Boesner als Idee ( na ja! Das muss ich mal ausprobieren.) Vorläufiger Arbeitstitel: Die Eule aus der Tüte :)

01.04.2009

Jetzt gibt es nicht mehr soviel zu erzählen. Es läuft, respektive, es läuft nicht, wegen der Handwerker. Wenn ich nicht aufpasse verliere ich die Bindung an die Arbeit. Ein großes Problem! Telefongespräch mit CORNELIUS. Darin Hinweis auf Friedrich Theodor Vischer. Darum muss ich mich später einmal kümmern. Die Idee eines Manifestes für die Spursuche. Scheiß Kunst!

Arbeit mit Wattepads (Ulrique hat kaum noch welche ist nicht amused :)). Ich trenne erste Bänder und meine, ein Ende sehen zu können, doch da habe ich mich schon öfter getäuscht.

02.04.2009

Eigentlich ist alles gelaufen. Ruhe in der Arbeit und jetzt geht es schnell! …und dann: ” Ich komm´grad nicht weiter” :( Kein Spannungsbogen - keine Arbeit! Keine Arbeit am Bild. Schämen Sie sich, Herr Weber! - oder auch nicht. Abends dann doch noch ein wenig gearbeitet.

03.04.2009

Morgens wieder Handwerker und Einkauf für Schwiegermutti. Arbeite ich mit der Schablone?

Die Idee ist da.

Neuer Titel: RS1+2

04.04.2009

Stehen lassen! Erst einmal einfach so stehen lassen! Lieber neue Leinwand kaufen bei Boesner.

Termin für Winterreifenwechsel nächsten Donnerstag, 9.30 Uhr / Becherau.

18.00 Uhr der ” Rohling” ist fertig- oder auch nicht.

Anruf aus Jerusalem? Nö!

05.04.2009

Formel 1 aus Singapur. Keine Zeit zu arbeiten. Es wird schon.

Einladung HausArt am 26.04. konzipiert.

Titel jetzt: RS 12 die Eule aus der Tüte.

06.04.2009

Konzentration auf die Farbe. Anruf CORNELIUS.

Anruf Galerist P. hat dann doch kein Interess daran die “Bahnhofstrasse” auszustellen. Sagt, er könne sich das nicht leisten! ???? Schwamm drüber.

Farben: Gelb/ Rot/ Schwarz

Manifest CoBrA an CORNELIUS geschickt.

Weiß! Weiß muss auch noch sein.

07.04.2009

Großartige Voraussetzungen! Bin müde. Michael Strogies hat Neues in der Spursuche eingestellt. Die Farben liegen bereit. Musik anmachen. Heute: The Verve “The singles”. Fenster sperrangelweit auf. Umziehen. Jetzt!

1. Gelb/ Mitte      2. Rot/ Oben + Rechts    3. Schwarz/ Mitte unten + Weiß / Links oben (jetzt sieht das Ganze aus wie eine zerfetzte Bundesflagge:)   

4. Schwarz / Oben mit breiterem Pinsel

Ab jetzt geht es kreuz und quer weiter, und von oben nach unten, von links nach rechts, parallel rauf, parallel runter, u.s.w.. Falsche Lesebrille -  wo ist die alte Brille… da ist sie. Weiter!… und ewig diese Unsicherheit…und irgendwann wird es ruhiger. Bloß jetzt keinen Selbstbeschiß. Wichtig ist das Unkontrollierte zu kontrollieren.

Anruf Mutti! ( Es geht ihr schlecht, der Arzt muss kommen…das passiert mindestens dreimal pro Jahr, ist jetzt aber völlig deplaziert) ich arbeite weiter. Schwarz oben aufgetragen mit dem Pinsel. Finish mit Sand. Weniger als sonst. Eher behutsam. Nachbearbeitung am hängenden  Bild. Eine Stelle “tränt”, d.h. Farbe läuft nach. Bearbeitet und gestoppt. So, jetzt ist das Atelier gründlich versaut und stinkt. Rückruf Mutti. Tatsächlich hat sie´s im Rücken, woran man in der Regel nicht stirbt:).

Arbeit beendet. “RS12 die Eule aus der Tüte” 100×80cm/ 07.04.09 Preis tut hier nix zur Sache:).

14 Antworten zu “RS12-die Eule aus der Tüte”

  1. Hi Michele

    es ist eine echte Unverschämtheit von Dir.

    Was BILDest Du die eigentlich ein.

    solche Artikel uns so selten zu präsentieren ;-)
    Hat echt Zeitungsniveau. Man sollte Dir eine fest Rubrik in einer Kunstzeitschrift einräumen.

    Aber versprich Dich um Deine Mutti zu kümmern. Sie muß fester Bestandteil bleiben :-))

    Michael

    Michael Strogies - 1. Mai 2009 um 12:29 Uhr

  2. Ach,ja,Mutti!*seufz*.Sie IST ein fester Bestandteil und was für einer.Zur Not habe ich direkt hier im Hause noch eine gleichaltrige(82)Schwiegermutti;).
    Ich muss dir beipflichten,der Artikel ist gut gelungen,aber ich weiss momentan nicht was anstrengender war?Die Arbeit oder der zugehörige Artikel.Ohne Ulriques Hilfe hätte ich das garnicht geschafft,so als Computerlegastheniker.Jetzt hoffe ich natürlich auf reichlich Resonanz.
    MICHELE

    michele - 1. Mai 2009 um 12:48 Uhr

  3. Hi,
    also sehr detailiert aufgeführter Tagesablauf….weiss nicht ob das gut ist… ;-) In jeder Weise….:-))))
    Ähhh….Computerlegastheniker? Das liegt wohl eher an eurer Kiste…;-)

    Gruss Frank

    Frank - 1. Mai 2009 um 13:36 Uhr

  4. Zumindest in einem Punkt sehe ich kein Problem!Diejenigen,die es könnten würden es nie tun(nachmachen;),die aber die es tun würden, werden es nicht können!Oder,ohne falsche Bescheidenheit,wie mein geliebter Picasso sagte:”…und keiner konnte einen Matisse machen,nur Matisse selber.”
    Und zu meiner Kiste…eh,zu meinem Computer…*psssst*,der is`sensibel;)!

    michele - 1. Mai 2009 um 18:39 Uhr

  5. Du Michele, wie schön zu lesen was so passiert im Laufe der Geburt eines Bildes und wie bekannt mir vieles vorkommt, wie triviales zum wichtigesten wird und wie die Bänder funktionieren die Dich immer wieder an Dein Werk zurückführen…

    Rainer - 1. Mai 2009 um 22:18 Uhr

  6. Genau das möchte ich begreiflich machen.Das Schaffen von Kunst hat viele triviale Aspekte,es beinhaltet viel Alltag und viel Normalität ,wie sie menschlichem Leben in unserer Geselschaft zu eigen ist.Ich will Mauern abbauen und Zugang schaffen.Eine Kunst die hierüber ihre mysthische Kraft, ihren Mythos verliert - ist eben nicht stark genug und gehört hinweggefegt!

    michele - 2. Mai 2009 um 09:48 Uhr

  7. beeindruckend dokumentiert und die eule ist einfach eine sagenhafte michele-eule - und das triviale im enstehungsprozess kommt mir sehr bekannt vor! hut!

    Karin - 26. Oktober 2009 um 20:45 Uhr

  8. Micheles Schicksal ist und bleibt es, daß seine Arbeiten, zumindest die Reliefs, im Netz keine echte Chance haben. Um wirklich deren Qualität beurteilen zu können, muß man sie in echt sehen.

    Nunja, aber das kommt ja Gott sei dank dann bald.

    Michael Strogies - 26. Oktober 2009 um 22:50 Uhr

  9. Meine Arbeiten sind ja auch dazu da “live” gesehen zu werden.Ich fordere bisweilen sogar dazu auf sie anzu fassen(ganz vorsichtig natürlich),um sie ,im wahrsten sinne des Wortes,zu begreifen.Fluch und Segen zugleich ist die Unmöglichkeit einer vernünftigen Abbildung in der Zweidimensionalität.Vor Internetdiebstahl sind meine Arbeiten jedenfalls weitestgehend sicher;).
    Ganz im Ernst!Die Ölarbeiten sind als Originale,und nur als solche,gedacht und konzipiert.Sie sollten und sollen nicht reproduzierbar sein,nicht wiederholbar - auch nicht für mich.
    Dazu eignen sich meine anderen,die kleinen(!),werke besser,siehe z.B. die sizilianischen Impressionen.
    Wie ich von Cornelius weiss,besteht ja sogar eine Möglichkeit meine grossen Arbeiten zu kopieren.das wäre dann aber mit einem Aufwand und Kosten verbunden,die mir,zumindest heute noch,für übertrieben erscheinen.

    @Karin
    Ja,sagenhaft diese Eule…
    …und wie sich dann doch ganz real anmutende Gebilde beim Informell einzuschleichen wissen,`ne?Erschreckend!

    michele - 27. Oktober 2009 um 12:23 Uhr

  10. Oh Michael

    Ich lobe Dich, ich preise kunnt.
    In der Wesermarsch ich leb zur Stund
    Ein armer Narr mit Kunstverstand
    als in Berne am Deich ich stand
    danach als Gast bei Dir in Witten ich mich wieder fand.
    Die Verse lang,
    und gut der Trank.
    Als freier Künstler meiner Schelmenseel
    - oh Unterdrückt.
    Oft schielen was des Michaels Künstlers Seele glückt.
    Und sah die Weisheit
    an der Wand gelegt.
    dabei sich meine Seele regt
    Und schlich in dein Atelier hinein
    mit einem Glasel Wein
    das Auge auf die Uhl geworfen
    man war das doll
    und mein Gemüd ward munter
    Die Künstlertaschen leer die Seele voll
    Drum bin ich heute hier um mit meiner Seel zu grüßen
    drum lieg ich Dir und deiner Uhl zu Füßen.

    Heiko David Schaldach - 13. November 2009 um 23:26 Uhr

  11. Des Narren Mund tut Weisheit kund ;)!
    ein tiefgerührter MICHELE dankt für soviel Ehre .

    michele - 14. November 2009 um 11:12 Uhr

  12. Hey Michele, super dargestellt der Prozess, einfach große Klasse! Das inspiriert mich, es mal so mit Text und Musik zu dokumentieren.
    Alles Liebe,
    Kurt

    Kurt Buschmann - 14. November 2009 um 12:26 Uhr

  13. Vielen Dank für das Lob ,Kurt.Freut mich sehr hier von Dir zu lesen.Mehr davon ;)!Ein Musiker hinterlässt ja nicht weniger Spuren als ein Maler und in unseren Ohren bleibt vieles hängen ,aws die Augen übersehen (was auch sonst ;).Lass uns hier bitte an Deiner Text/Musik Dokumentation teilhaben.Die “Spursucher” würden sich sehr freuen.
    Glück auf!

    michele - 14. November 2009 um 16:55 Uhr

  14. Ja gerne, Michele, ich meld mich, wenn ich’s habe. Schau mal, ob ich es zwischen den Jahren schaffe.
    Ich will Dich auch so bald es geht besuchen kommen, am besten mit meiner Liebsten Barbara, sie ist Autorin, das könnte sehr interessant werden, was wir da auszutauschen haben.
    Mich faszinieren nicht nur Deine Exponate, sondern auch Deine Haltung, Einstellung und Herangehensweisen. Da ist was Weltverbindendes und eine geistige Freiheit lebt da und macht sich sichtbar.
    Auch Dir ein herzliches Glück auf! Mal sehen, was wir so hochfördern :o)

    Kurt Buschmann - 14. November 2009 um 18:49 Uhr

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