Kopf oder Bauch ? Darf`s ein bißchen mehr sein?

Gerade im Internet:

Das morgentliche Ritual, Postings lesen, PN`s beantworten. Und schon ist es passiert. Man hängt mittendrin zwischen zwei völlig unterschiedlichen Anschauungen, wie Kunst entsteht bzw wie ein Künstler arbeitet. Oder vielleicht doch nicht so unterschiedlich?

Auf der einen Seite die Haltung des Künstlers, der mit Demut seinen Prozess durchschreitet, wie es beispielsweise Armin Rohr in seinem Blog sehr eindrucksvoll und für mich erkennbar beschreibt. Die Arbeit mit Material, die Auseinandersetzung mit Idee und der Moment, wo Idee und Material zusammenkommen und auf einer Bildfläche Spuren hinterlassen, die bei dem Betrachter den richtigen Eindruck zu hinterlassen geeignet erscheinen. Und die Dankbarkeit des Malers, daß es zu diesem Moment gekommen ist.

Jeder, der malt weiß von diesem Moment. Und weiß, daß bei allem handwerklichen Können dieser Moment nicht erzwingbar ist. Bei aller noch so professionellen Vorbereitung in Idee und Handwerk, es ist wenn es gut läuft immer nur bestenfalls eine 50/50-Chance, daß es klappt.

Gleichzeitig schrieb ich PN`s mit Martina Jäger, die wir hier gerne demnächst als Gast mit einer ihrer Arbeiten präsentieren wollen. Und wir uns gemeinsam darüber ausgetauscht habe, wie wichtig auch das analytische Durchdringen der eigenen Arbeit ist. Das es nicht reicht, schöne Momente zu Papier zu bringen, sondern das dahinter auch ein analytischer Verstand zu spüren sein muß, der eine Idee durchdringt, ihr immer wieder neue Facetten abringt und herausarbeitet.

Für mich sind beide Aspekte der Arbeit wichtig. Aber tatsächlich sind meine Arbeiten in 2 Klassen unterteilt. Die, die für mich einfach nur nett sind, die ich manchmal auch gut finde, und dann die, die für mich in die 1. Klasse gehören, weil in Ihnen auch ein inhaltliches Konzept abzulesen ist. Ein Thema, das Stellung bezieht.

Bei aller Demut, die wir ja auch in unserem Manifest verankert haben. Sie kommt mir oftmals auch zu leise daher. Kunst muß auch laut fordern können. Frech sein. Auch unverschämt !!! Darf auch mal schreiben und auch pöbeln……

14 Antworten zu “Kopf oder Bauch ? Darf`s ein bißchen mehr sein?”

  1. Bauch = lebendiges Chaos
    Kopf = ordnende Analyse
    ______________________
    ich = kreative Arbeit

    Karin - 7. Mai 2009 um 13:10 Uhr

  2. Kopf und Bauch sind gefordert,der ganze Künstlermensch halt.

    Da stellt der Michael hier eine Frage und ausgerechnet während er dies tut,stehe ich im Atelier und versuche mit dem Kopf an eine Arbeit ranzugehen,zu der der Bauch den Kontakt zu verlieren drohte
    .Den “Rohling” haben einige von euch schon gesehen.Auf der HausArt.
    Seitdem sind schon wieder einige Tage vergangen.
    Tage in denen die Arbeit nicht im Fokus meines Lebens stand.Zumindest nicht die Arbeit am Objekt Kunst.
    In nur kurzen Phasen,ca.1/2 Std.täglich,konnte ich,nach und nach auf den zu “dünnen” Rohling das nötige “Fleisch” aufbringen.Das alles war von Zweifeln begleitet,den Kontakt zur Arbeit zu verlieren und das Ganze zu versauen.
    Heute Morgen hat dann der Kopf sein O.K. gegeben mit der Farbarbeit zu beginnen.
    Ich habe das an anderer Stelle ja schon beschrieben.
    Fenster auf,Musik an,umziehen usw..Ab dann regiert der Bauch,oder besser das bewährte Duo Auge/Bauch.Was soll ich sagen,wie immer (Angeber!:) hat es geklappt.
    Anders als früher warte ich heute allerdings auch den Moment wirklich ab in dem ich arbeite.Diese Geduld habe ich früher nicht gehabt.Der Bauch hat meist entschieden und vieles konnte dann vor dem Kopf nicht bestehen und flog in den Müll.
    Die Arbeit heute bleibt davon verschont:).Bauch und Kopf sind zufrieden.
    Sie trägt den schönen Titel:
    “…before you`ll come to any conclusion - try walking in my shoes!”
    …und wer jetzt errät wessen Musik ich bei der Arbeit gehört habe,der darf sich darüber freuen;).

    MICHELE

    michele - 7. Mai 2009 um 13:28 Uhr

  3. ha michele, die kopfzensur, die bestimmt, wann der bauch zum zuge kommen darf, jaja, ist bei mir auch so, unzählige ideen wandern in den gehirn-müllkorb!
    ich höre meist keine musik beim arbeiten, am liebsten ist mir, wenn es ganz still ist. aber manchmal, wenn ich gegen meinen kopf rebellieren muss, höre ich total laut jim morrisson/ the doors, oder bach in orchsterfassung von stokowski oder bruckner … das weckt dann wieder das anarchische in mir durch … ;-) (nur zur info: bin ansonsten kein “drogen-typ” )

    Karin - 7. Mai 2009 um 15:06 Uhr

  4. Oh – vielen Dank!

    Instinkt – ich nenne es Instinkt. Der Malerinstinkt.

    Weniger der Malerbauch – meine Meinung …

    Armin - 7. Mai 2009 um 15:10 Uhr

  5. Mein Instinktsitzt definitiv im Bauch;).Mein Arzt nennt es aber nervösen Magen.Ist anscheinend körperlich schwer zu verorten - der Instinkt.Darf ich” Malerinstinkt” verwenden,Armin,oder hälst du das Copyright.Ein schönes Wort.Viel poetischer als “Bauchgefühl”.(Da sag ich besser nicht wonach das klingt.)
    @Karin
    Musikalisch sind wir ja auf einer ganz identischen Schiene!
    Ich habe den Tag mit Boccherini begonnen,bin dann über Maximo Park zu Van der Graaf Generator ans arbeiten gekommen und ,habe die dann mit Depeche Mode beendet.
    Manchmal halte ich mein künstlerisches Schaffen für nachvollziehbarer als meinen Musikgeschmack.;)

    michele - 7. Mai 2009 um 18:56 Uhr

  6. michele, ich kann deinen unterschiedlichen musikgeschmack sehr gut nachvollziehen, warum auch eingleisig fahren?
    ich kann mich sowohl in der musik wie in allen anderen künsten an ganz verschiedenen stilen begeistern,aber nur als rezipient.
    das, was ich selbst fabriziere, unterliegt offenbar einer inneren “psychischen motorik”, die oft genug in zwang ausartet.
    ich fange beim malen oft sehr abstrahiert oder besser reduziert an, mit groben grundstrukturen und arbeite daran so, als ob ich das bild aus einem batzen ton forme und werde immer konkreter. ich habe manchmal eine richtige gier, meine figuren “lebendig” zu machen.
    umgekehrt, vom konkreten ins abstrakte zu kommen, fordert mich gar nicht heraus … komisch - ob ich mich mal dazu zwingen soll? vielleicht komme ich auf den geschmack?

    Karin - 7. Mai 2009 um 23:10 Uhr

  7. Das ist ja lustig.Ich habe in letzter Zeit oft darüber nachgedacht,ob es nicht interessant wäre einmal vom informellen weg- und zur konkreten Darstellung hin zugehen.Vorerst aber habe ich die Idee verworfen,ich müsste schon allein handwerklich zuviel lernen und einüben.Doch aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben und ich kenn mich ja,wenn eine Idee erst einmal da ist….
    Die aktuelle Idee ist,von der Leinwand auf das Blatt Papier zu wechseln und informelle Zeichnungen zu machen.Aber dazu an anderer Stelle mehr.

    michele - 8. Mai 2009 um 09:44 Uhr

  8. Also wenn Ihr jetzt Instinkt durch Initial ersetzt, sind wir wieder auf der Manifestebene.

    Aber mal ganz ehrlich, die Entstehung von Werken hat immer die unterschiedlichsten Ebenen. Nach dem Initial, dem Instinkt für eine Thematik kommt doch, neben diesem intuitiv, emotionalen Schritt auch immer der Moment des Denkens, des Vergeistigens, der ersten Bezugsabfrage. Wenn dann in den, meist handwerklich geprägten Dokumentationsmodus gegangen wird, gibt es auch beide Ebenen. Die Abfrage der handwerklichen Handlungsanweisung, eventuell das in Frage stellen dieser und dann das unvergleichliche Gefühl wenn die ersten Spuren auf der Leinwand (sinnbildlich gemeint) entstehen, wenn Stifte oder Pinsel über die Fläche gleiten, kratzen, hetzen, dieses unbeschreibliche Gefühl. Wenn etwas nicht so wird wie man es gern hätte. Das Hinterfragen.

    Der Prozess des Schaffens beinhaltet so viel unterschiedliche Ebenen, die alle in einander greifen müssen.

    Selbst wenn ich Werke nur betrachte durchlaufe ich all diese Ebenen.

    Die Frage ist also nicht Kopf oder Bauch, sondern wie harmonieren diese miteinander.

    Cornelius - 8. Mai 2009 um 09:53 Uhr

  9. Hi Karin

    ich arbeite so, daß ich meist mit sehr groben Pinselstrichen den Gesamtbidaufbau auf der Leinwand skizziere. Dann die Proportionen der Figuren umreisse, mich nach und nach herantaste, bis Proportionen und Verkürzungen stimmig sind, und immer detaillierter werde.

    Vor einigen Jahren bekam ich dann Besuch von einer Freundin, die einen gerade angefangenen Akt in der Ecke stehen sah. Da waren gerade mal so die Proportion angerissen, mit Wandfarbe, die ich irgendwo vom Umzug übrig hatte, und die weg mußte. Sie war total begeistert von dem Bild. Ich habe sie nur verstört angeguckt.

    Aber aus Spaß habe ich es einfach für fertig erklärt. Wirklich nur aus einer Laune heraus.
    Heute ist es eines meiner Lieblingsbilder. Völlig anders, als ich damals eigentlich gemalt habe, hat es mich mehr beeinflußt und weitergebracht, als wenn ich in meinem eingeübten, routinierten Stil damals weitergearbeitet hätte.

    Michael Strogies - 8. Mai 2009 um 14:18 Uhr

  10. ja, michael, das kenne ich auch, das positive urteil der anderen zu halbfertigen arbeiten.
    und trotzdem: wenn ich mir die verschiedenen stadien meiner arbeiten ansehe ( ich dokumentiere täglich digital ), kann ich zwar feststellen: das eine ist lockerer, originell, manchmal gelungen, manchmal plakativ, erfrischend unfertig, aber eben überhaupt nicht das, worauf ich rauswollte.
    die verscheidenen stadien sind teils besser, teils schlechter als die vorhergegangene, aber wenn sie meiner inneren vision nicht stand halten ( was sie zugegeben selten tun), wird weitergearbeitet.

    wenn ich dann endlich aufhöre, bin ich für den jeweiligen zeitpunkt am ende “meiner weisheit” angelangt.
    das kann bereits am nächsten tag - oder erst in einem jahr, bestenfallls nie ;-) - revidiert werden.
    da setzt sich vehement mein eigenes “bauchgefühl” durch.
    vielleicht ist es auch wichtig, irrwege zu gehen.
    einmal gemachte Fehler, die man zukünftig vermeiden kann, sind auch nicht die schlechteste erfahrung.
    es gibt einige arbeiten, bei denen ich sehr froh bin, nicht auf andere gehört zu haben, weil die 27. variante tatsächlich die “beste” wurde.
    dass die 9. version z.B viel “schlechter” als die dritte ist, nehme ich dafür gerne in kauf.
    das klingt echt verrückt, irgendwie zwangshaft.
    aber das ist es nicht für mich.
    denn trotz alledem spiele ich, mit den varianten, mit den farben, mit den formen, mit der expression, manchmal ( oft genug) quäle ich mich auch, aber dieses satte gefühl nach einem steinigen weg eine lichtung zu erklimmen, möchte ich NIE missen.
    deshalb nehme ich das urteil der anderen zur kenntnis, aber in gewisser weise bin ich - sagen wir mal, “beratungsresistent”.
    meine malerei ist mein ding, ich komme damit nicht den leuten entgegen, sondern lade sie ein, sich auf meine sicht einzulassen.

    Karin - 8. Mai 2009 um 15:12 Uhr

  11. Das denke ich soll, und muß auch sein. wenn Du nicht Deinen eigenen Visionen hast, die für dich Mßstab Deines Handelns sind, wärst du ja irgendwann das Fähnchen im Wind.

    Bei mir ist es aber so, daß ab eine gewissen Punkt, an dem meine Intention spürbar ist, die Arbeit auch Züge bekommt, die für mich austauschbar sind/wären. Das ist auch der Grund, warum ich jetzt anfange in Serien zu denken. Weil auch in der Variation des gleichen Motives der Kern der Arbeit manchmal sogar besser herausgearbeitet werden kann. Ich weiß nicht, ob das gerade rüberkommt, was ich meine.

    Aber ich fände es natürlich sehr spannend, wenn man mal so einen dokumentierten Weg sehen könnte :-) Bin ja von Natur aus ein neugieriger Mensch. Dokumentierst du das nur für dich, oder präsentierst du die Dokumentation hinterher auch bei der Ausstellung?

    Michael Strogies - 8. Mai 2009 um 16:01 Uhr

  12. michael, was du von serien schreibst, ist absolut nachvollziehbar.

    die digital-dokumentation ist in erster linie für mich, denn zuhause auf dem pc habe ich zu meiner arbeit einen ganz anderen abstand und ich sehe dinge auf dem schirm, die ich direkt vor dem bild nicht so wahrnehme.
    ich habe mir schon mal bei einer ausstellung die mühe gemacht, einige der bilder in einer side-show den besuchern vorzuführen und das war der absolute hit für die meisten.
    werde mal nach einem guten beispiel gucken und schick es dir dann …

    Karin - 8. Mai 2009 um 17:49 Uhr

  13. hier ein älteres beispiel “EINLADUNG” ( 100×80, Öl aif leinwand, 2007) - die neuen habe ich noch nicht geordnet:
    http://www.art.karin-rindler.de/einladung.exe

    Karin - 9. Mai 2009 um 00:17 Uhr

  14. oder INSTANDSETZUNG (2008) :
    http://www.art.karin-rindler.de/instandsetzung.exe

    Karin - 9. Mai 2009 um 08:36 Uhr

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