Kniendes Mädchen (Stella)

Das Shooting mit Stella liegt schon einige Zeit zurück (Siehe auch hier )
Seitdem lagen hier noch einige Ausdrucke herum. In einem meiner seltenen Aufräumanfälle wollte ich diese wegschmeissen. Zerrissen, weggeworfen. Und fasziniert wieder aus dem Papierkorb herausgeholt.
Die ästhetische Studiofotgrafie, ein unschuldig blickendes Mädchen und das brutal zerrissen, hatte etwas faszinierendes.
Was dann geschah hatte etwas von einem Küchenmeister, im wahrsten Sinne. Ausdrucke wurden bearbeitet, gekocht, auf brennende Herdplatten gelegt und hinterher neu montiert.
Mit Zeichnungen kombiniert.
Ist das mediale Hexenverbrennung? Die Hochglanzbilder, dessen Reizen man erliegt, zerstören, vernichten?
Abstraktion als Selbstkasteiung ???


Kniendes Mädchen (Stella), Mischtechnik auf Transparentpapier
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Oh, oh, das ist aber was für Männer zur späten Stunde!
Am besten gefällt mir die unterste Arbeit, die wirkt durch die Abstraktion zwar erotischt, aber nicht ganz so direkt.
Bei den anderen ist mir der herausfordernden Blick des Mädchen zu direkt, geht zu sehr in Richtung Animation….
Karin - 18. September 2009 um 09:16 Uhr
Animation ist ein gutes Wort, auch wenn es für mich als Trickfilmer natürlich eine ganz andere Bedeutung hat.
Aber genau das ist es. Bilder animieren uns. In den Medien, in der Werbung. Sie versuchen einen direkten emotionalen Einfluß auf uns zu nehmen. Uns Reize zu vermitteln, uns damit zu überreden, zu animieren.
Aber ist Kunst dann indirekt?
Michael Strogies - 18. September 2009 um 10:13 Uhr
ach,karin da überschätzt du uns männer.bilder wie diese sind viel zu kompliziert für späte stunden;).
ich finde alle drei arbeiten ausgesprochen gelungen und auch mir steht die dritte am nächsten (aber das hat was mit meinem ureigenen kunstgeschmack zu tun).
bei der ersten arbeit habe ich so den gedanken,dass man sie auf eine “übernormale” grösse bringen sollte,quasi plakatwandformat.
ich kann jetzt nichtmal erklären wieso - dann lass ich es halt.
ich finde übrigens,dass kunst (werk) immer direkt ist.die beim rezipienten ausgelösten prozesse hingegen können,und sind vielfach,indirekter natur.so erlebe ich das zumindest als kunstkonsument.
michele - 18. September 2009 um 12:00 Uhr
“indirekt” meine ich im sinne von: mehr zulassen als nur eine interpretation. deshalb ist die unterste eben auch was für frauenaugen …
Karin - 18. September 2009 um 12:32 Uhr
Hallo Karin
bin gerade erst von der Ostsee zurück.
Ich gebe Dir absolut recht. Ich finde auch die Zeichnungen unten am stärksten, wobei mir immer auch der Weg wichtig ist. Deswegen arbeite ich immer in diesen Reihungen.
Fotografie hat in unserer Medienwelt immer so den Anspruch auf Abbildung von Realität. as natürlich Schwachsinn ist. Jeder weiß daß, und dennoch funktioniert das Prinzip.
Beim Trickfilm verliert durch die Menge der Zeichnungen, die Du für eine Sekunde zeichnen mußt, das Bild an sich an Bedeutung. Nicht mehr die einzelne Zeichnung ist wichtig, sondern die Abfolge, am Ende die Bewegung.
Das auf Kunst übertragen bedeutet, daß Du die sogenannte Abbildung von “Wirklichkeit”, das Foto, ständig neu interpretieren kannst. Du kannst die gleiche Haltung beim Model aus verschiedenen Perspektiven sehen, und jedesmal zu ganz anderen Arbeiten kommen.
Es gibt für mich nicht “das” Bild, sondern nur eine Haltung zum Thema.
Übrigens zum Thema Interpretationsfreiraum. Ich weiß nicht, was Du vermutet hast. Aber das Foto ist eine ganz biedere Modeaufnahme. Da ist jeder Otto-Katalog geradezu pornographisch dagegen

Ich weiß nicht, was Du da gesehen hast
Michael Strogies - 21. September 2009 um 23:03 Uhr
hi michael, was du über die bewegungsabfolge gesagt hast, kann ich gut nachvollziehen, zum einen, weil ich auch mal zeichentrick konzipiert und gezeichnet habe (phasentrick mit folien auf rasterschiene, die alte art halt) und zum anderen, weil ich heute in gewisser weise ähnlich arbeite wie du, ich glaube, ich erwähnte das ja schon.
und ich denke, du weißt ganz genau, was cih meine -
aber nicht an mehreren bildern nacheinander, sondern auf ein ein- und demselben bild, bei öl geht das ja gut.
ich setze spuren, die ich auch wieder verwische, so lange, bis ich annehme, dass die richtung stimmt - und wenn ich dann abschließend draufkomme, dass es doch falsch war, verwische ich diese letzte spur erneut, so lange, bis ich entweder die nase voll habe (selten) oder spüre, dass es der (für den augenblick) richtige weg war …
ja, und was ich mir bei deiner knieenden gedacht habe, ist vermutlich tatsächlich nur in meinem kopf entstanden …
Karin - 23. September 2009 um 14:12 Uhr