Spur einer Wahrnehmung

Ein Blatt 29,7 / 40 cm mit Spuren im Bereich 20 / 30 cm. Aquarellfarben auf Zeichenkarton.

Wieso aber so und nicht anders? Zunächst ist da die Bewegung oder auch Position einer Figur. Spannung erzeugend, etwas zum singen bringen, etwas hinterlassend. Eine Farbmelodie zeichnet sich ab. Schwingungen treiben zur Bewegung des Pinsels. Rhythmisch schnellt der Pinsel über das Blatt. Ein Staccato an Strichen. Ausdruck und Bedeutung drängen sich auf. — Einsamkeit, Langeweile, Sehnsucht, Tiefe — Ein Prozess neigt sich dem Ende und  die Geschichte ist festgehalten in einer Komposition, die Figur wurde Teil einer Gesamtaussage die nicht von der impulsgebenden Form überlagert wird. Eine neue Form im Verhältnis zum Impuls informell.

Informelle Malerei?

3 Antworten zu “Spur einer Wahrnehmung”

  1. Wir haben das Thema ja heute nachmittag diskutiert.

    Man muß sich ja einfach auch mal vor Augen führen, wie es zur informellen Malerei gekommen ist.
    Im Grunde eine Entwicklung die ausgelöst worden ist, durch die Erfindung der Fotografie. Die den Künstlern damals ihre Hoheit im Abbilden von Realität streitig gemacht hat und diesen Part ja auch vollends übernommen hat.

    Die in die Sinnkrise gekommene Kunst mußte sich mit anderen Theman beschäftigen. Die Realität wurde zersplittert, zerschlagen (Kubismus) und die Splitter neu zusammengefügt

    Heute sind wir einen Schritt weiter. Selbst Realität ist ein Kunstprodukt. Gab es damals noch ein Verhältnis Künstler-Realität, steht der Künstler heute selber noch Kunstprodukten gegenüber. Landschaften sind manipuliert. Gentechnisch manipulierte Pflanzen blühen im Herbst. Was Michelangelo noch in Marmor gemacht hat, machen heute Chirurgen am lebenden Gewebe.

    Es ist wie eine Art Pendelbewegung. von der Realität in die Abstraktion, seelische Zusammenhänge werden visualisiert, analysierbar gemacht. Erkannte Bedürfnisse gekoppelt mit erweitertem technischen Fortschritt führen zu einer Verkünstlichung der Realität, und das Pendel der Kunst schlägt zurück um sich mit dieser , ihr fremd gewordenen Realität wieder zu beschäftigen.

    Wird informell an dieser Stelle zu einer völlig neuartigen Form des Realismus?

    Michael Strogies - 20. Oktober 2009 um 21:49 Uhr

  2. > Wird informell an dieser Stelle zu einer völlig neuartigen Form des Realismus?

    Ganz ehrlich gesagt kann und konnte ich mit den Begrifflichkeiten “abstrakt”oder “informell” nie wirklich was anfangen.Für mich ist nix konkreter als meine Arbeiten.Konkrete Leinwand,konkrete Versatzstücke,konkrete Farben und !…ein konkret agierender Künstler,der ein Initial in ein ganz,ganz konkretes Werk einbringt.Was macht den “realistisch” dargestellten Baum konkreter,als es der abstrahierte Baum ist?Beide sind ein “Bild”,gebunden an eine zweidimensionale Darstellungsweise.Ende der Durchsage!Das Bild,jedes Bild,ist ausschliesslich seine eigene Realität.Das eine so existent wie das andere.Für mich hat es Magritte auf den Punkt gebracht als er unter seine hochrealistische Pfeife expliziet titelte:”Dies ist keine Pfeife”.Und Picasso nicht weniger als er meinte:”Was kann so ein abstrakter Jäger?Nun,töten kann er jedenfalls nicht!”

    michele - 21. Oktober 2009 um 09:38 Uhr

  3. Was ist das denn eigentlich?Die Realität?Was ist das Konkrete?Das was wir sehen oder das was wir zu sehen glauben?Oder gar das was wir sehen wollen?Vieles in unserer sog. Realität ist manipuliert,geschönt,dramatisiert oder gar ,wie es so schön neudeutsch heisst,”gefaked”.Wir wissen ja nicht einmal mehr wie wahr unsere (gesehenen) Wahrheiten sind.Internet,TV?Echte,wahre Bilder?Und selbst wenn.Ist nicht jede Wahrnehmung notwendigerweise stets subjektiv?Ist sie nicht immer Interpretation?Was nutzt mir da eine Kathegorie wie “informell”?Was fange ich damit an?Wenn wir ehrlich sind,so können wir doch garnichts informelles schaffen,weil alles was aus uns herauskommt immer formell an der Welt abgeglichen werden kann,bzw.von uns (als ausführenden Künstlern) immer dieser Welt entlehnt ist.Wenn wir allerdings mit “informell” nur eine bestimmte Formensprache meinen,ja dann…gibt es wohl kaum einen Künstler der informeller arbeitete als die Natur selbst.

    michele - 22. Oktober 2009 um 11:43 Uhr

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