Off-Spaces
Bei der Vorbereitung unserer Ausstellungen im nächsten Jahr bin ich beim Szene-Blog des Art Magazines gestoßen. Hier geht es um Off-Spaces , ausgediente Räume, die zeitweise leer stehen, und die durch Künstler für Ausstellungen genutzt werden.
Hier hat sich längst eine eigenstädnige Szene entwickelt, die dem etablierten Kunstbetrieb eine Alternative entgegenstellen will.
“Ob in Privatwohnungen, Industriebrachen, Kneipen, Kirchen, direkt auf Hauswänden oder eben in einem leer stehenden Siebziger-Jahre-Vielzweck-Betonbunker – “Off-Spaces” können überall sein. Es sind Orte, wo Kunst “off”, also außerhalb etablierter Galerien und Museen gezeigt wird. Das Museum wurde in der progressiven Kunstszene immer wieder als starrer, unkreativer Ort empfunden; ihr Bedürfnis, ohne Anbiederung an den Geschmack der Galerien und Sammler ausstellen zu können, war immer da. …”
Erinnert ein wenig an Micheles “Haus-Art”.
“Kunst findet hier also ohne Markt statt. Unabhängig von den Mächtigen der Kunstszene geht es um Freiheit, Kommunikation und Vernetzung. Wie für Off-Spaces typisch, spielt auch bei Sparwasser der Austausch zwischen Gastgebern, Künstlern und Besuchern eine zentrale Rolle. …”
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Da möchte ich mal etwas “Wasser in den Wein” schütten;).
Das “Off-Spaces”-Modell ist ja nicht so neu.
Im Grunde ist es bereits in den 70er Jahren von der sog. Alternativen-Szene,im Rahmen der ersten Hausbesetzungen entstanden und in der Partykultur der Raver- und Technoszene weitergeführt worden.
Heute sind all diese Konzepte fester Teil eines,sich irreführenderweise immer noch alternativ bezeichnenden, eigenständigen Kunst- und Kulturmarktes.
Die handelnden “Geschäftsleute” haben den “alternativen” Bereich nicht weniger straff strukturiert und untereinander aufgeteilt, als dies im “normalen” Kunsthandel üblich ist, und auch hier wird “gutes” geld gemacht - allerdings nicht von den Künstlern. Erinnert mich immer stark an den berühmten “strukturellen Funktionalismus” (ich weiss Sachen ,was ?) dessen Kern es ist, alles was subkulturell entsteht, aber brauchbar erscheint, der bestehenden Kultur einzuverlaiben.Beispielhaft steht daür u.a. die Überführung des Punk in den Edelpunk einer Vivian Westwood.
Dennoch beführworte ich das Konzept der “Off-Spaces”, da es immer noch grössere Freiräume für Kunst und Künstler bieten kann, als der durchkapitalisierte und festzemmentierte Kunstmarkt. Das heisst aber nicht die Augen vor der Realität zu verschliessen.
> “Kunst findet hier also ohne Markt statt. Unabhängig von den Mächtigen der Kunstszene geht es um Freiheit, Kommunikation und Vernetzung. Wie für Off-Spaces typisch, spielt auch bei Sparwasser der Austausch zwischen Gastgebern, Künstlern und Besuchern eine zentrale Rolle. …” <
Sätze wie dieser entsprechen halt nur ausgesprochen bedingt der Realität.Und ich möchte (ernsthaft!) nicht wissen wieviel etablierter Kunstmarkt bereits seine Hände in den “Off -Spaces” hat ;).
michele - 7. November 2009 um 18:51 Uhr
Ich kann Michele da nur zustimmen.
Ich finde diese Off-Spaces, ob bereits vom Kunstmarkt auch vereinnahmt oder noch freier, zudem immer eine interessante Alternative als Location, da sie
eine spannende Symbiose mit den Kunstwerken vor Ort eingehen können, die ganz neue Aspekte auf diese Weise herausarbeiten.
Ich hab schon ein paar Ausstellungen von grafischer Seite her begleitet, die in Bunkern etc stattgefunden haben. Es fordert den Künstler zudem auf, sich auf den Raum neu und anders einzulassen mit dem Werk … ein spannendes Kräfteverhältnis auf vielen Ebenen in meinen Augen …
Yehudis - 8. November 2009 um 19:20 Uhr
Hallo Yehudis, genau das finde ich auch einen sehr interessanten Ansatz. Wir haben untereinander viel diskutiert über Locations die uns für Ausstellungen geeignet erscheinen. Weil wir eindeutig nicht in diese Rechtsanwalt-Arztpraxen-Sparkassenschiene gehen werden. Und tatsächlich macht es nur dort Sinn Alternativen zum klassischen Gallerien-Netz aufzubauen, wenn man die Locations thematisch im Rahmen einer Themenausstellung einbinden kann.
Michele hat absolut recht, die Off-Spaces, beispielsweie in Berlin, weden mittlerweile fast schon genauso gehandelt wie die klassischen Ausstellungsräume. Aber dennoch lassen sich hier viele Anregungen aufnehmen .
admin - 8. November 2009 um 22:36 Uhr
Michael Strogies - 8. November 2009 um 22:38 Uhr
bei uns gibt es auch diese konzepte,
die überwiegend eben durch den freundeskreis der freunde, deren freunde u.s.w. den anklang finden.
hier in würzburg geht das noch langsam an.
in köln gibt es da schon sehr viele “off-spaces”
da nehme ich auch an einem projekt teil.
was aber schon seit gut 15 jahren geht.
also keinem trend in diesem falle.
nix öffentlich, sehr persönlich und ausgewählt.
auf xing gibt es einige künstler und kututintzeressierte,
die diese projekte bereits umsetzen
mit erfolg.
mARTina - 9. November 2009 um 08:54 Uhr
Es hat sich heute getroffen, dass ich ein etwas ausgiebigeres Gespräch
mit einer meiner engsten Freundinnen hatte, die zudem promovierte Kunsthistorikerin und Kuratorin ist, und das Thema u.a. auch zufällig
auf “off-spaces” traf …
Und Martina, das was Du beschreibst, ist mitunter auch ein Problem,
was die freie Szene betrifft bzgl. dem Freundeskreis der Freunde …
da sich die Künstler mit ihren Künstlerfreunden dann die meiste Zeit,
auch durch Mangel der Fördermittel bedingt, selbst kuratieren und ein Freundschaftsdienst dem anderen die Hand reicht, wobei dann der
Freundschaft zwar oft gedient ist, aber die nötige kritische Distanz
eines Kurators fehlt und leider auch damit die künstlerische Substanz
oft leidet …
Yehudis - 9. November 2009 um 15:36 Uhr
Ein nicht zu unterschätzendes Problem,dass auch ,und gerade,wir Spursucher nicht aus den Augen verlieren sollten.
michele - 9. November 2009 um 16:22 Uhr
nun, der freundeskreis schließt auch
bekannte oder kulturfreunde ein.
ist ja kein tupperabend.
und klar, in großen städten funktioniert das besser.
aber die ich denke, dass die altbewährten off-runden
ihre kreise und vorgehensweisen haben,
wie ich aus köln weiß.
sie sind auch nicht publik, steht nicht im interesse.
ich verkaufe dort auch mal,
oder bekomme ab und zu einen auftrag.
überwiegend männliche akte.
ja, kuratoren gibt es bereits wie sand an meer.
da wird es dann auch solche und solche geben.
da habe ich auch unterschiedliche erfahrungen gemacht.
ich meine, dass man nicht sagen kann,
welcher weg der korrekte ist.
hinterfragen, teilhaben, engagiert sein und ausprobieren.
sind noch viele weitere faktoren wichtig für den verkauf, klar.
mARTina - 9. November 2009 um 17:03 Uhr
Z.B. an Orten auszustellen, wo die Leute, die nicht nur kaufen wollen, sondern auch können, hinkommen

Sorry. Da kommt natürlich wieder der Marketingmensch in mir durch
Michael Strogies - 11. November 2009 um 16:49 Uhr
Da, mein Lieber,sind wir allerdings der gleichen Meinung.
michele - 11. November 2009 um 17:53 Uhr