Spuren des Web2.0
Zur Zeit beschäftigt mich ein Artikel von Katrin Kiefer auf netzwerkPR.
Hierbei geht es um die Auswirkung des Einsatzes von Web2.0 auf die Strukturen der Organisationen, die es verwenden, bzw. die Voraussetzungen, die eine Organisation, hier die Nonprofits, aufweisen muß oder sollte, um erfolgreich und glaubwürdig mit Web2.0 zu arbeiten.
Ich bin der Meinung , daß sich vieles davon auf die Kunst umsetzen läßt.
“Auf der anderen Seite lässt sich erkennen, dass sich die verschiedenen Social Media Kanäle häufig als “alte Kommunikation in neuen Kanälen” beschreiben lassen. So überwiegt die einseitige Informationsvermittlung oder klassische PR-Arbeit mit Verweisen auf Online-Pressemitteilungen.”
Dies ist 1 zu 1 auf die Kunst umsetzbar. Internetauftritte von Künstlern beschränken sich in erster Linie darauf, eine Art “virtuelle Gallerie” aufzubauen, auf der man besten Falls als User einen Kommentar hinterlassen kann.
Brigitte Reiser bringt es in ihrem Artikel zu dem Thema auf nonprofits-vernetzt.de sehr schön auf den Punkt:
“Häufig folgen die Web 2.0-Aktivitäten von gemeinnützigen Organisationen der Logik des Monologs: Nonprofits treten als Sender auf und verbreiten ihre Botschaft. Wie der Empfänger darauf reagiert, interessiert nicht. Insbesondere an vielen Twitteraccounts von gemeinnützigen Trägern wird diese monologische Herangehensweise an Social Media sichtbar.”
An anderer Stelle fast schon ein wenig provokativ:
“…und sie den internen und externen Akteuren zutraut, als potentielle Ressourcenquellen in Frage zu kommen. Oder anders formuliert: wenn Stakeholder nicht als bedrohlich oder vernachlässigbar wahrgenommen werden, sondern als Chance. ”
Aus meiner Sicht ist dieser Punkt weit wichtiger, als es sich auf den ersten Blick einem erschliesst. Auf die Kunst übertragen bedeutet das, daß erst, wenn die Kunst sich dem Betrachter öffnet, und ihn nicht nur als den Konsumenten der fertiggestellten Kunst sieht, sondern ihn auch aktiv in den künstlerischen Prozess eingreifen läßt, wird er Teil des Prozesses und steht nicht mehr als bloßer Konsument vor der Arbeit. Letztlich auch eine Frage der Wertschatzung des Betrachters. Sehe ich ihn als jemanden, den ich mit meiner Arbeit bereichern will, oder sehe ich ihn auch als jemanden, der mich in meinem Tun bereichern kann.
Was so selbstverständlich klingt, hat tasächlich eine sehr umfassende Neudefinition von Kunst und vor allem vom Künstler zur Folge. Es knüpft an eine für mich ohnehin noch offene Diskussion zum Thema Hobbyismus an.
Web 2.0 fordert nicht nur von Organisationen eine Neudefinition ihrer Strukturen, auch Künstler werden ihre Rolle gegenüber ihrem Publikum neu definieren müssen. Interaktivität, wie sie durch Web 2.0 gelernt wird, fordert aus der kommunikativen Einbahnstrasse einen vielbefahrenen Verkehrskontenpunkt werden zu lassen.
Bitte warten ...
Ich bin ja, bekanntermassen, im Umgang mit dem WeB eher unterbelichtet;).Das heisst aber nicht,dass nicht Interesse und Lernwille vorhanden wären.
Am Wochenende habe ich einen,insbesondere für mich als Künstler,ausgesprochen interessanten Fernsehbeitrag gesehen,der sich mit Etwas beschäftigte,das sich Urbanhacking nennt.
Idee und Ansatz finde ich spannend,weiss aber noch nicht ob und wie das Urbanhacking in meiner/unserer Arbeit eine Rolle spielen könnte.
Hier eine Kurzdefinition:
Unter Urban-Hacking (siehe auch Culture-Jamming) versteht man die Verschmelzung von Kunst und städtischem Umfeld. Die Ausführung von teils politischen oder sozialkritischen Aktionen im Kontext moderner Großstädte und ihrem Umfeld. Oft als Kritik an, von anonymen Wohnbunkern, Kommerzialisiertem Werbe Clash und lieb- und leblosen Vorstädten, hervorgerufener sozialer Kälte. Primär aber als eine Ansammlung all jener Kunst die sich außerhalb gewohneter Bahnen einen Weg in die Öffentlichkeit unserer Städt sucht.
Klingt für mich,insbesondere in Verbindung mit dem Projekt “Strassenkinder”,recht interessant.
michele - 23. November 2009 um 11:53 Uhr
Hi michele, ich bin felsenfest davon überzeugt, daß in diesem Punkt echtes Potential für eine tiefgreifende Veränderung unseres jetzigen Kunstbegriffes ist.
Wenn man Kunst als Prozess versteht, der nicht nur in einer Person stattfinden muß, sondern der auch zwischen vielen verschiedenen Menschen stattfinden kann, hat dies eine Menge an Konsequenzen. Angefangen von der ganzen Urheberproblematik bis dahin, daß sich natürlich Menschen, die in solche Prozesse involviert sind, ein ganz anderes Standing zu der Kunst haben, die am Ende dabei entstanden ist.
Kunst als Prozess bedeutet, daß Kunst nicht mehr wie heute bloß konsumiert wird, sondern tatsächlich niemals abgeschlossen ist. Kunst konsumieren bedeutet dann immer auch die Herausforderung, sie weiterzuentwickeln.
Hieraus würden sich völlig andere Ausstellungsformen entwickeln.
Michael Strogies - 24. November 2009 um 20:00 Uhr
Bezugnehmend auf unser Telefonat heute morgen, michele, habe ich hier noch einen interessanten Artikel auf “Digiom” gefunden zum Thema authenzität im Netz:
“Wer ist also authentisch im Social Web bzw. präziser, da die Seinsfrage nicht beantwortet werden kann: Wer erscheint uns authentisch im Social Web? Personen, die sich so verhalten, dass wir einen Anschluss herstellen können zwischen dem Eindruck, den wir bereits von ihnen gewonnen haben, und der Handlung, aufgrund derer wir aktuell zu einer Bewertung gelangen. So kann Authentizität im einfachsten Fall auch nicht mehr und nicht weniger sein als eine Kohärenzfeststellung. ”
http://digiom.wordpress.com/2009/11/24/es-gibt-keine-authentizitaet-es-sei-denn-wir-entdecken-was-wir-fur-wahrscheinlich-halten-koennen/
Michael Strogies - 24. November 2009 um 20:16 Uhr