Spur(en) der Entscheidung
9 November 1989 - 3 Oktober 1990
Viele TV-Bilder von dem Abend und den Tagen werden immer wieder ausgestrahlt und geben Anregung zur Weiterverarbeitung auch bereits hier auf “spursuche”
http://www.spursuche.de/2009/11/09/spur-der-verkundigung/ und http://www.spursuche.de/2009/11/10/fallspuren/
Jeder kennt die offizielle Darstellung der politischen Geschehnisse an den Tagen vor und nach dem 9. November 1989. Viele haben aber auch persönliche Erinnerungen.
Ein Volk feiert eine friedliche Revolution und seine Representanten werden Spielball der Geschehnisse.
Doch wer sind eigentlich die wenigen Menschen, die weit ab vom politischen Parcours, in eben diesem Moment, die einzig mögliche Entscheidungen getroffen haben? Wer sorgte wirklich für den friedlichen Ausgang der Revolution? Wer verhinderte vor Ort, das es in einer Eskalation endete?
Das waren keine Politiker aus einem der Lager, die diese Entscheidnugen am grünen Tisch getroffen haben, sondern Einzelpersonen, die aus einem Wirrwarr unterschiedlicher Befehle, vorort an der Grenze, entscheiden mussten was zu tun war.
Sollten sie, wie in der Pressekonferenz ausgesagt, die Grenzen öffnen, und die Leute passieren lassen oder sollten sie, wie es ihr direkter Befehl aussagte, die unruhiger werdenden Menschenmassen zurückdrängen? So dann eine Eskalation provozieren, die wahrscheinlich eine nicht zu kalkulierende Kettenreaktion ausgelöst hätte, und womöglich alle politischen Anstrengungen innerhalb weniger Stunden zunichte gemacht hätte.
Wie wäre die Nacht geendet, hätte nur einer von ihnen die Nerven verloren und einen Warnschuss abgegeben?
Wer sind diese Menschen, die an dem Abend des 9.November die Entscheidung getroffen haben? Wir würden sie in einem Projekt gerne würdigen.
Menschen, die sich heute vielleicht ihrer Vergangenheit als ehemalige Grenzwärter schämen, die aber in die Situation gebracht worden sind, ein wichtiges Stück Geschichte entscheidend mitgeprägt zu haben.
Wir machen uns auf die Spur nach ihnen, und würden uns über Eure Mithilfe und Hinweise freuen.
Bitte hinterlaßt hier Eure Tipps, Anregungen und Informationen. Hinterlaßt eine Spur innerhalb eines Werkes, was im Nachhinein als ein Stück historischer Wahrheitsfindung dienen soll.
Das Ganze werden wir im Rahmen einer Ausstellung zum 20jährigen Jahrestag der Wiedervereinigung im Herbst 2010 ausstellen.
Be Part of it !
Michael Strogies
Michele
Cornelius
Bitte warten ...
11.09. und 09.11. sind seit Jahrhiunderten ein merkwürdiges Datum. Seltsam!
http://de.wikipedia.org/wiki/11._September#Politik_und_Weltgeschehen
http://de.wikipedia.org/wiki/9._November#Politik_und_Weltgeschehen
Alleine die Revolutionen und “Revolutionen” auf europäischem Boden!
Merkwürdig!
Manfred Vogl - 26. November 2009 um 12:14 Uhr
Bekannt ist bisher ja der damalige Oberstleutnant Harald Jäger, der als erster den Übergang Bornholmer Strasse geöffnet hat.
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/spezial/kritiken/buecher/82035/index.php
Aber wer waren die anderen, und was leif dort ab?
Michael Strogies - 26. November 2009 um 12:52 Uhr
Das ist wohl wahr!Nicht zuletzt die Gleichzeitigkeit von “Mauerfall” und “Kristallnacht” sorgt stets für Auseinandersetzung und Streit. Diesen Punkt eingehend und künstlerisch zu beleuchten werde ich mir fest vornehmen.Manchmal habe ich das Gefühl.dass mich bestimmte Themen in meiner Arbeit immer wieder fordern.
Ich danke für den “Hinweis” ;)!
michele - 26. November 2009 um 12:54 Uhr
Das wird wohl ein sehr spannendes Projekt… zu dem ich mich gerne beteiligen würde. Sicher werden dazu auch noch einige Interessierte hinzustossen, denn wir beschäftigen uns hier nach wir vor mit dieser wirklich sehr nachwirkenden ereignisreichen Zeit des Mauerfalls.
Ich selbst war zu diesem Zeitpunkt 14 / 15…
So habe ich natürlich erst etliche Zeit später nach und nach erfahren, was da so vor sich ging. Es gibt Berichte dazu, die ich gerne bereit bin, in Erfahrung zu bringen. Hier in Jena ist gerade eine Ausstellung im Stadtmuseum zum Mauerfall zu sehen. Dort berichten Augenzeugen aus unserer Stadt über Vorgänge, ihre Wahrnehmung, erste Flyer, die verteilt wurden und über die Verteilung dieser in der Öffentlichkeit. Es war ein heikles Unterfangen damals. Diese Personen haben ein hohes Risiko auf sich genommen, denn hätte man sie ermittelt, wären sie wegen Verrat und Korruption ins Gefängnis gekommen. Ich höre mich da gerne näher um und frage gerne Leute, die selber mit Mut ihre Vorhaben in die Tat umgesetzt haben.
Fotos gibt es dazu etliche. Ich selbst bin bei den ersten Demonstrationen in Jena mitgelaufen… meine Eltern hatten damals Sorge, da es nicht gerade ungefährlich war - die Luft brannte und sie konnten es auch wesentlich realistischer einschätzen, was für eine Gefahr dahinter stand. Ich selber fand es einfach großartig, endlich bewegte sich etwas Außergewöhnliches auf den Strassen Jenas. Es war ein sehr angenehmes und berührendes Gefühl, mit seinen Freunden gemeinsam mit einer Kerze in der Hand öffentlich zu demonstrieren - ein Zusammenhalt und eine friedliche Atmosphäre, genau das war es, was es so besonders machte und ein Leben lang in Erinnerung bleibt.
In der Kunst kommt dies immer wieder an verschiedensten Stellen zum tragen. Es hinterlässt seine Spuren auch in meiner künstlerischen Arbeit…
in Fotos, Dokumenten, Zeichnungen, Installationen und sicher auch ein Stück weit in Videos - die Spur zieht sich durch all dies hindurch, wie ein Faden durch eine Perlenkette. So kann man diese Dinge sicher filtern und hinterfragen und gern zur Diskussion stellen - mündend in einer Ausstellung - gern auch hier in Jena.
:o)
Kann man denn hier auch Bilder laden?
Herzlich,
Grit
Grit Höhn - 27. November 2009 um 14:06 Uhr
Auch in der deutschen Geschichte spielte im 20. Jh. der 9. November eine große Rolle (Hitler-Ludendorff-Putsch mit dem “Marsch auf die Feldherrnhalle” und die doppelte Ausrufung der Republik.
Tobias Netzbandt - 27. November 2009 um 15:18 Uhr
Habe mit großem Interesse die Beiträge gelesen. Die deutsch-deutsche Mauer ist gefallen und meinem Landleuten im ehemaligen Jugoslawien so ziemlich genau auf den Kopf. Die Ergebnisse sind dann durch die Presse bekannt geworden. Man nennt dies wohl Domino-Effekt. Bin zu dieser Zeit noch in die Schule gegangen, kann mich aber erinnern, dass für mich damals die Frage meines eigenen “Deutsch-Seins” spannend wurde. Tja, ich “muss” mich bekennen und würde gerne mitmachen.
Viele Grüße
Danja - 29. November 2009 um 12:07 Uhr
Schön, dass Du mitmachst.
Ich finde den Aspekt , hinsichtlich der Folgen des Mauerfalls, für den gesamten Ostblock sehr spannend.Seit Michael mir das Projekt vorgestellt hat stelle ich mir die Frage : “Was wäre geschehen wenn der 9.Nov.1989 ein Tag der Gewalt geworden wäre. Hätte sich unbedachte Gewalt an der deutsch/deutschen Grenze nicht wie ein Flächenbrand über Europa veausgebreitet ?” und “Wie fahrlässig war eigentlich die Politik u. die agierenden Politiker? Waren sie gar “Passagiere” ohne Einfluss auf die tatsächlichen Ereignisse?”.
Heute schreiben sich viele den Erfolg der Wiedervereinigung zu und lassen sich Feiern und Ehren. Ich zweifel, dass die meisten von ihnen heute zu ihrem Anteil stehen würden, wenn die DDR-Grenzer damals die Nerven verloren hätten und das Ganze “in die Hose gegangen ” wäre.
Noch immer wird den Bürgern der Ex-DDR die verdiente Anerkennung verweigert. Sie waren es, die auf die Strasse gegangen sind und das System gekippt haben und sie waren es (als Grenzsoldaten) die ,die Eselei eines Scharbowski friedlich umgesetzt haben.
Tatsächlich aber glauben heute Viele in unserem Land Kohl und Genscher hätten Deutschland im Alleingang wiedervereint und Gorbatschow hätte alles abgenickt.Die finanzielle Wiederaufbauleistung des Westen wird ,nicht selten,höher gewertet als die “Revolution des Volkes”.
michele - 29. November 2009 um 14:18 Uhr
Was mich eigentlich mal in dem Zusammenhang interessieren würde: wir kennen hier ja nur die Darstellung der Westmedien. Was sagte eigentlich die “Aktuelle Kamera” unmittelbar nach der Öffnung der Mauer zu den aktuellen Ereignissen?
Michael Strogies - 29. November 2009 um 15:42 Uhr
http://www.youtube.com/watch?v=ymJhT0D8qWQ
;-))))
Yehudis - 29. November 2009 um 22:50 Uhr
Michele, das mit den Verdiensten ist immer so eine Sache … die verteilen sich ja bekanntlich auf vielen vielen Schultern … ja auch denen des Volkes … aber wie wir im Iran erst kürzlich sahen, nützt einem Volk das unter anderen Bedingungen lebt, auch das Demonstrieren nichts … Solche bahnbrechenden Ereignisse wie der Mauerfall und mit ihm der Fall des Kommunismus sind das Zusammenwirken so vieler Faktoren und können nur geschehen, wenn ihre Zeit gekommen ist … insofern muss ich sagen, dass mich die Frage der Grenzwärter eigentlich nur peripher tangiert … auch denen war klar, dass die Stunde geschlagen hatte …
Yehudis - 30. November 2009 um 08:08 Uhr
Hier lief im Fernsehen, zum 20. Jubiläum am Tag des Mauerfalls, eine Doku, die einen anderen Eindruck bei mir hinterlassen hat. Da war den Grenzern, und der dahinterstehenden Befehlstruktur, eigentlich garnix klar. Schuld war einzig und allein die verfrühte Bekanntgabe der neuen Reiseregelung.
Aber klar! Ursächlich sind immer viele Faktoren.
Seit besagter Doku ist mir allerdings, zum ersten mal, so richtig klar geworden, wie gefährlich die damaligen Geschehnisse für uns alle waren. Als das alles 1989 passierte hatte ich soviel mit mir selbst zu tun, dass mich der “belanglose” Rest an “Hauch der Geschichte” nur gestreift hat und mich mehr nervte ,denn begeisterte.
michele - 30. November 2009 um 09:43 Uhr
Michele, die Doku kenn ich natürlich nicht … Du hast weiter oben so etwas abfällig über das Kopfnicken von Gorbatschow gesprochen … das war aber in meinen Augen ein doch sehr sehr elementares Kopfnicken … was ohne ihn geschehen wäre, das wär mir auch nicht so klar … Geschichte kann nur geschrieben werden, wenn all diese Elemente zum richtigen Zeitpunkt zusammenspielen … und das ist geschehen … siehe nochmals das Beispiel des Iran, wo diese Details noch zu verstreut liegen, als dass sich Änderungen solcher Art ergeben könnten. Insofern sind die Fragen, die ich mir dann stelle, weniger … was wäre denn gewesen wenn … sondern was spielte zusammen, DASS …
Yehudis - 30. November 2009 um 10:16 Uhr
So können halt auch geschriebene Worte einen falschen Tonfall bekommen. Würde mir im Traum nicht einfallen über Gorbatschow, und seine Rolle bei der Wiedervereinigung, abfällig zu kommentieren. Ich wollte mit meiner Bemerkung lediglich unterstreichen, wiesehr, so empfinde ich das, der Westen (Dlands) sich des unzweifelhaften Erfolgs der Wiedervereinigung bemächtigt hat, quasi einen Alleinanspruch darauf erhebt.
Wie bereits oben geschrieben war ich zur damaligen Zeit eher mit “Nabelschau” denn “Weltschau” beschäftigt (passiert mir heute auch noch andauernd) und deshalb beschäftigt mich wohl auch die Frage des “was wäre wenn?” intensiver als es ihr letztlich zukommt.
Das geht vorbei ;).
michele - 30. November 2009 um 10:42 Uhr
Hallo Yehudis
Du hast natürlich recht, daß an solchem Ereignis alle Faktoren zusammenkommen, und sicherlich es zu der Reiseankündigung per TV nie gekommen wäre, wenn nicht im Hintergrund entsprechende Gespräche gelaufen wären.
Doch letztlich waren sicherlich auch nur diese erfolgreich, weil den Beteiligten klar geworden ist, daß das Volk entschieden war, und sich Prozesse nicht mehr rückgängig machen liessen.
Natürlich ist Gorbatschow auch ein grosses persönliches Risiko eingegangen. Hierfür ist er auch ausreichend geschichtlich gewürdigt.
Und trotz allem Verhandlungsgeschick der Beteiligten gab es in dieser Nacht den Moment, wo der Ausgang der ganzen Geschichte an den Grenzschranken ausgetragen worden ist. Ohne klare Vorgaben, ohne klare Befehle. Es entschieden letztlich die Menschen vorort.
Und das ist bei der grösse des Eregnisses nicht nur gefährlich gewesen, sondern auch sehr kurios. Und wert genug, mal einen Spot drauf zu setzen.
Michael Strogies - 30. November 2009 um 10:59 Uhr
Die Parallelen zum Iran finde ich im übrigen auch sehr interessant.
Michael Strogies - 30. November 2009 um 11:01 Uhr
Na dann ist ja alles … danke für die Klärung … das mit dem Westen und der Erfolgskappe etc seh ich auch so … ich muss jetzt auch ein bissl Nabelschauen gehen … die Arbeit ruft … einen schönen Tag.
Yehudis - 30. November 2009 um 11:03 Uhr
Hallo Michael,
> wo der Ausgang der ganzen Geschichte an den
> Grenzschranken ausgetragen worden ist.
also ich muss gestehen, dass ich mich da erstmal mit Hintergrundinfo nun befassen müsste, wenngleich es mir was das allgemeine Weltgeschehen betrifft schwer fällt, an so einen heroischen “Hollywood-Mythos” zu glauben … solche wichtigen weltverändernden Machtentscheidungen sind lange schon vorher entschieden würde ich meinen … aber wie gesagt, hab da auch durchaus ein Info-Defizit. Nimm den Iran, nimm das exakt gleiche Jahr, 1989, und schau nach China und was am Platz des himmlischen Friedens geschah, nimm den Prager Fühling …
Yehudis - 30. November 2009 um 11:29 Uhr
… wenngleich ich damit nicht sagen will, dass der Weg zu solchen Entscheidungen natürlich mit getragen wird von der Kraft und dem Willen des Volkes …
Yehudis - 30. November 2009 um 11:32 Uhr
Die von mir beschriebene Doku ist in der ARD-Mediathek http://mediathek.ard.de/ard/servlet/content/466 unter dem Titel “Schabowskis Zettel” abrufbar.
michele - 30. November 2009 um 11:49 Uhr
Ich bin mehr oder weniger zufällig auf diese Site gestoßen. (mit kleinem Hinweis) Dieses Projekt ist geschichtlich gesehen bestimmt interessant.
Vielleicht dient es auch einer Aufarbeitung des Geschehens. Was sind Eure Beweggründe? Hat das Projekt dokumentarischen Wert oder was steht noch dahinter? Wird es auch Bezug zur Gegenwart haben?
andreas - 2. Dezember 2009 um 16:20 Uhr
Der grosse Vorteil der Kunst ist es seinen Gegenstand ergebnissoffen betrachten zu dürfen. Die Betrachtung erfolgt notwendigerweise aus dem Hier und Jetzt und so werden auch die Ergebnisse die Gegenwart eher beschreiben/darstellen, denn die Ereignisse der Vergangenheit.
Jedes Posting, jeder Beitrag hier im Blog oder in der Xing-Gruppe ist bereits der “künstlerische Prozess” und damit auch Dokumentation.
Überspitzt ausgedrückt könnte dieses Projekt an dieser Stelle enden - und wäre doch Kunst. Ohne manifeste künstlerische Ergebnisse zwar, aber doch Kunst als (abgebrochener,geendeter) Prozess.
DAS will natürlich keiner hier und deshalb freue ich mich auch schon auf mehr Beiträge und Handlungen im Rahmen dieses Projektes.Mein Dank,Andreas,für deine anregende Nachfrage;)!
michele - 3. Dezember 2009 um 10:53 Uhr
Wow, da sind ja so viele Links eingegeben… Danke für alle , die werden mir eigentlich sehr behilflich sein. Toller Blog.
Steffan - 14. Dezember 2009 um 15:26 Uhr
Eine wirklich lohnende Projektidee, wie ich finde… Hat denn eigentlich hier Jemand selber Fotos gemacht, die diese Zeit eigens dokumentieren? Kann man denn hier im Blog auch Bilder einbinden? - einfach nur mal nachgefragt…
Grit Höhn - 16. Dezember 2009 um 13:20 Uhr
So! Da ja jetzt der Termin (Oktober 2010) fix ist, sollten wir das Projekt spätestens zum Jahresbeginn intensivieren:)! Bis dahin sei uns allen eine Endjahreserholungsbesinnlichkeitspause gegönnt. Aber dann!
Denken ist ja schön, aber käme Kunst allein von Denken wäre es Dunst (beieindruckend meine Sprachgewalt,nicht?)
@Grit
Habe dir eine PN zu deiner Frage geschickt.
michele - 18. Dezember 2009 um 10:43 Uhr
Hart am Thema , entferne ich mich von selbigem. Von der Mauer zur Klagemauer, deren Wegfall beklagt wird - auf beiden Seite! Was scheert mich die Vergangenheit ?
Mauern in den Köpfen von heute.Wiedervereinigte Mauern.Neue Mauern.Aussenmauern bis zum Hindukkusch.
Also ich arbeite.
Auf ein arbeitsreiches , erfolgreiches und mauerfreies 2010.
Michele
michele - 29. Dezember 2009 um 16:55 Uhr
Ich bin auch dabei, mich vom Grundthema ein wenig wegzubewegen.
Als wir mit Tony Henry in Berlin waren, waren wir einen Tag vom ZDF an der Friedrichstr untergebracht. Ich habe die Gelegenheit genutzt und bin mal zum Checkpoint-Charly geschlendert.
Tatsächlich ist es befremdlich, wie dort die Mauer zur Touristenattraktion aufgemotzt worden ist. Man hat gar nicht das Gefühl, als wenn hier wirklich jemand froh wäre, daß es die Mauer nicht mehr gibt. Jede Erinnerung an sie wird aufgeblasen. Aus historischer Sicht natürlich richtig und wichtig. Tatsächlich kam bei mir jedoch ein Gefühl hoch, daß man fast stolz auf die Mauer war.
Was wäre aus Deutschland geworden, wenn es sie nicht gegeben hätte? Wahrscheinlich eine Nation von Kriegsverbrechern und -verlierern, die zerbombt und zerstört sich selbstüberlassen gewesen wären.
Die Mauer als Grenze zwischen den Blöcken Ost und West hat Deutschland erst in den Focus der Weltpolitik gebracht und ihm eine Bedeutung zukommen lassen, die es sonst sicherlich nie gehabt hätte.
Heute ist es ein Land mitten in einem freien Europa. Man kann davon ausgehen, daß in einigen Jahrzehnten Länder wie Polen etc nachgezogen haben werden, und die historsche Bedeutung Deutschlands immer weiter verblaßt. Ich kann mir sehr gut vorstellen, daß dann der ein oder andere sich nach dieser Zeit zurücksehnen wird.
Wir machen uns jetzt gerade wieder auf den Weg nach Berlin. Sylvester am Brandenburger Tor steht auf dem Plan.
Ich freue mich schon sehr auf 2010. Ich glaube, es wird für die Spursuche ein sehr wichtiges Jahr.
Michael Strogies - 30. Dezember 2009 um 12:00 Uhr