Die Mauer bleibt!
Die Mauer muss weg!
Die Mauer ist weg!
Die Mauer bleibt…
Im Kopf, in den Herzen.
Zu sehen aus dem Weltall wie die chinesische Mauer, der Limes, der Hadrianswall - geologisch konserviert in alle absehbare Ewigkeit. Historisch konserviert in der Geschichtsschreibung.
Die Mauer bleibt…
…wie alle Mauern an die wir uns so schön gewöhnt haben.
15 x 15 cm auf Din A4, Frottage mit Bleistift und Ölkreide.
Die Mauer bleibt
Bild 19. oder
Die Rampe, die Mauer, der Tod


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Michele, sehr schöne und starke Arbeiten …
> …wie alle Mauern an die wir uns so schön gewöhnt haben.
Ich muss grad denken, ob eine Mauer von uns immer als negativ definiert werden muss allerdings. Was war der Grund damals?
Und wozu dienen uns Mauern an erster Stelle?
Wir leben hier in Israel ja auch mit einer Mauer …. und so sehr ich sie nicht mag und verachte liegt ihr wesentlichster Ursprung im Schutz der Menschen in diesem Falle ohne dies nun zum Thema machen zu wollen. Und so sehr ich mir wünschte, dass dieses Monstrum hier auch nicht mehr notwenig wäre.
Und was ist mit inneren Mauern.
Lustig, aber ich hab eben in einem Kommentar gelesen über den Spruch von König David, der da sagte: “My mistakes are in front of me constantly.”
Und wie wir uns auch mit Mauern vor eigenen Fehlern schützen, die wir nicht
wiederholen wollen.
Können wir wirklich gänzlich ohne diese bestehen?
Und wenn sie im Falle von Deutschland etwas negatives ist, die Mauer im Kopf, wogegen meinen wir uns “schützen” zu müssen?
Liebe Grüsse
Yehudis
Yehudis - 3. Januar 2010 um 17:57 Uhr
Wunderbare Fragen! Genau diese Fragen sind es, die mich bei meinen Arbeiten bewegt haben und bewegen.
Mauern sind ja , vor allem, Schutz und Verteidigung gegen äussere , oft bedrohliche, Einflüsse.Deshalb existieren sie auch weiter,selbst wenn sie faktisch verschwunden sind.
Auch an die israelische Mauer habe ich gedacht und die Mauer zwischen den Vereingten Staaten und Mexiko, aber auch an, schon längst dem Erdboden gleichgemachte Bollwerke wie den Limes, dessen Verlauf auf Satellitenbildern noch heute ganz genau nachgezeichnet werden kann.
Nicht zuletzt bleiben dann noch unsere,meine eigenen Mauern. Mauern die uns scheinbar schützen und ,nicht selten .zu unserem eigenen Gefängnis werden können.
Ein vielschichtiges und interessantes Thema, weit über neuere deutsche Geschichte hinaus.
michele - 3. Januar 2010 um 18:49 Uhr
Oh ja, Michele, ein Thema das ganz weit drüberreicht.
Das mag nun den Rahmen sprengen, aber es fiel mir hierzu
vorher auch noch ein. Wo müssen wir Mauern bauen und wo müssen sie durchlässig werden …
Eine Schwester haben wir, eine kleine,
die keine Brüste hat.
Was machen wir mit unserer Schwester
am Tage, an dem man um sie wirbt?
Ist eine Mauer sie,
bauen wir drauf eine silberne Krone.
Ist ein Tor sie,
versperren wir es mit einer Zedernbohle.
Ich bin eine Mauer,
aber meine Brüste gleichen Türmen –
da bin ich in seinen Augen wie eine,
die Vollkommenheit besitzt.
König Salomon
Yehudis - 3. Januar 2010 um 19:25 Uhr
Sehr schöne Idee. Und auch gute erste Skizzen.
Natürlich gibt es sehr viele Arten von Mauern. Aber Verallgemeinerungen bergen einfach die Gefahr in sich, im Allgemeinen sich in Unrelevanz zu verlieren.
Ich war gerade wieder am Wochenende an der Mauer in Berlin. Und dieses Teil ist einfach dermaßen unglaublich, daß man ihr vielleicht nicht wirklich gerecht wird, wenn man sie mit anderen Mauern gleichsetzt. Dieses Teil ist mitten ins Leben gesetzt worden.
Die Mauer wird bleiben. Sicherlich. Als Mahnmal, als Touristenattraktion. Beispielhaft war z.B. daß wir am Wochenende mit Natasha Thomas und zwei Freunden aus Dänemark in Berlin unterwegs waren. Das erste was sie sehen wollten waren Reste der Mauer…..
Das Thema der Berliner Mauer und ihren Folgen an sich ist demassen komplex und weitreichend………
Michael Strogies - 4. Januar 2010 um 01:33 Uhr
Michael, das ist ein interessantes Moment, was Du
da beschreibst. Es scheint, dass die Deutschen nun
nicht nur einen gewissen “Stolz” auf “ihre Mauer” entwickeln,
sondern auf gleichzeitig eine Art “Mauerexperte” werden …
ich merk das oft, wenn es um Vergleiche zur israelischen
Mauer geht, was ich als zuhöchst nervtötend empfinde.
(was ich in keinster Weise auf Deine Wort oben beziehe)
Tatsache bei solchen Themen bleibt trotzdem die innere
Dimension einer Mauer.
Ansonsten bräuchten wir ihre äussere Manifestierung nicht.
Das macht ein solches Thema künstlerisch nicht einfacher,
ohne Frage. Negieren könnte ich es für mich allerdings auch
nicht.
Yehudis - 4. Januar 2010 um 01:52 Uhr
Manchmal ist es geradezu notwendig sich von den Gegenständen der Betrachtung zu entfrernen um sie umfassend zu erkennen.Das geschieht heute in allen Bereichen viel zu selten.Dabei könnten wir wissen,dass oftmals erst durch Distanz , Nähe entstehen kann.
Ganz ehrlich!Mich interessiert die Mauer als Mauer gleich garnicht.Nicht soziologogisch und auch nicht politisch historisch.Mich intressieren Befindlichkeiten und psychosoziale Wirkungen.Auf diesem Weg befinde ich mich und darauf werde ich weitergehen.Worte,wie die König Salomons,sind da ausgesprochen hilfreich,weisen sie doch auf Inhalte mit dem Anspruch auf Ewigkeit .
michele - 4. Januar 2010 um 10:11 Uhr
zu dem Thema mal wieder drauf gestossen
http://www.youtube.com/watch?v=3IPbfT6MUeU
Michael Strogies - 4. Januar 2010 um 11:47 Uhr
“Manchmal ist es geradezu notwendig sich von den Gegenständen der Betrachtung zu entfrernen um sie umfassend zu erkennen.Das geschieht heute in allen Bereichen viel zu selten.”
Ich denke, mir wird gerade klar, daß wir hier unterschiedliche Wege gehen. Ich suche gerade die Nähe zu den Objekten oder Personen um zu einer höchstmöglichen Authenzität zu gelangen .
Daher auch das Beispiel mit Pink Floyd. Sicherlich eines der erfolgreichsten Projekt von denen, aus meiner persönlichen Sicht eines der schlechtesten. Gigantischer Aufwand, aber trotzdem hat mich das Ganze emotional nicht gepackt.
Da hat ein Stück Beton aus der Mauer tatsächlich grössere Kraft.
Übrigens auch ein Aspekt, den ich für sehr interessant halte in diesem Zusammenhang.
Nämlich daß eine hässliche Betonwand , von DDR-Bediensteten errichtet und von Sprayern veredelt, selber zum Kunstobjekt geworden ist und heute in unzähligen Museen steht, oder auch in der Welt verbreitet präsentiert wird.
Es ist schon eine sehr merkwürdige Sache. Ein Objekt, daß soviel Leid verursacht hat, was dann endlich gefallen ist, und das heute gefeiert wird. Sind wir eigentlich stolz auf die Mauer? Es hat den Anschein. Und wenn, worauf dann eigentlich?
Michael Strogies - 4. Januar 2010 um 12:21 Uhr
Unterschiedliche Wege auf unterschiedlichen Spuren!So soll es sein,alles andere ist Langeweile!
Pink Floyd war und ist mir schon immer zu “artifical”;).Ich seh das lieber wie Iggy…
http://www.youtube.com/watch?v=QEY6_jcrzI8
lalalalalalalala…..
michele - 4. Januar 2010 um 12:39 Uhr
> Nämlich daß eine hässliche Betonwand … selber zum Kunstobjekt
> geworden ist und heute in unzähligen Museen steht, oder auch in
> der Welt verbreitet präsentiert wird.
Michael, aber da steht sie doch weil sie ein Stück Zeitgeschichte
ist und nicht weil sie zum Kunstobjekt wurde.
Das wäre in meinen Augen etwas vermessen.
Zudem halte ich nichts davon Relikte eine Art Götzenstellung
zuzuschreiben.
> Sind wir eigentlich stolz auf die Mauer?
> Es hat den Anschein. Und wenn, worauf dann eigentlich?
Tja, das frag ich mich auch immer mal wieder.
Die Welt funktioniert ja immer gerne mit Symbolen
und in dem Fall ist ein ganzes Gesellschaftssystem symbolisch
damit verknüpft, mit dieser Mauer.
Stolz zu sein, gibt es da aber nichts, so lustig ich es finde,
dass es diesen “Stolz” immer wieder zu geben scheint.
Vielleicht ist das auch eine Post-Shoah-Psychologie,
dass man sich diesen positiven Niedergang eines diktatorischen
Systems in Deutschland für die eigene Geschichte noch stärker
zu eigen machen musste als vielleicht normal der Fall ist.
Nähe und Distanz kommen in meinen Augen niemals
ohne einander aus, bei einer solchen künstlerischen Annäherung.
Und ich mag Pink Floyd nicht so wirklich, muss aber auch gestehen,
Iggy Popp auch nicht wirklich mehr ….
Yehudis - 4. Januar 2010 um 16:07 Uhr
Ist ja auch alter POP(P) ;)!
michele - 4. Januar 2010 um 17:09 Uhr
“Michael, aber da steht sie doch weil sie ein Stück Zeitgeschichte
ist und nicht weil sie zum Kunstobjekt wurde.
Das wäre in meinen Augen etwas vermessen.
Zudem halte ich nichts davon Relikte eine Art Götzenstellung
zuzuschreiben.”
Nunja, einige der Teile stehen ja beispielsweise im Museum of Modern Art, was für mich nun nicht das typische Museum für Zeitgeschichte ist. Auch weiß ich, daß einige der Graffity-Künstler, die über Umweg dadurch ins Museum gekommen sind, dies auch in ihrem Lebenslauf stehen haben. Es ist also schon eine sehr merkwürdige Verknüpfung von zeitgeschichtlichem Dokument und Kunstwerk .
http://www.flickr.com/photos/28318629@N08/2636434947/in/photostream/
Nach dem Fall der Mauer sind einige Stücke von ihr offiziell als “besonders wertvoll” eingestuft worden. Einer der Künstler, die durch die Mauer zu Bekanntheit gekommen sind, ist unter anderem Kiddy Citny, mit dem ich in Berlin auch bereits eine Ausstellung gemacht habe:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kiddy_Citny
Michael Strogies - 4. Januar 2010 um 17:50 Uhr
Michael, verzeih wenn ich es so extrem sage, aber
das hat immer noch mehr mit dem Stück “Der Mauer”
zu tun als mit der Kunst … so sehr ich das MoMA liebe,
aber deshalb ist nicht alles was da hängt wunderbar.
Und der flickr link wird künstlerisch nicht besser, nur
weil er auf nem Stück Mauer gemalt wurde.
Das Zentrum ist die Mauer.
Und natürlich ist das eine wunderbare Gelegenheit einer
Selbstinszenierung. Ist ja auch legitim, jedoch kann ich
diese Mauer drehen und wenden und anmalen und besprayen
wie ich will, sie bleibt als Mauer und nicht als Kunst wesentlich.
Und wenn die Mauer das Sprungbrett zum künstlerischen
Erfolg war … na, is doch auch schön … für mich persönlich
ist das trotzdem noch wie vor mehr eine Reliktenverehrung.
Yehudis - 4. Januar 2010 um 18:26 Uhr
Ich bin da absolut Deiner Meinung. Davon abgesehen, daß für mich Kunst oftmals sehr viel mit Reliktenverehrung zu tun hat, was aber hier jetzt zu weit führen würde:
http://www.spursuche.de/2009/02/25/kunst-als-trophae/
Aber wenn die Relikte derart verehrt werden, bleibt doch die Frage, was dort verehrt wird. Man kann natürlich sagen, daß die Mauerstücke als Symbol für den Triumph der freien Welt gegen die Diktatur des Ostblockes steht. Aber dem ist ja nicht so. Denn tatsächlich ist die Revolution ja von den Leuten im Osten durchgeführt worden. Und ob die Menschen im Osten all das haben wollten, was nach der Öffnung der Mauer bei Ihnen eingefallen ist, kann man sicherlich auch in Frage stellen.
Genau das wird aber durch diese Relikte verdreht. Denn tatsächlich sieht man hier jeweils die schöne bunte Seite , die letztlich vom Westen bemalt worden ist. Graffities, die die Freiheit von Geist und Individuum versinnbildlichen.
Aber es waren eben nicht die bunten Bilderchen, die die Mauer zum Einsturz gebracht haben, sondern die Menschen auf der anderen, der hässlicheren Seite der Mauer.
Worauf ich in Bezug auf das Thema hinauswill, ist eigentlich, daß durch die Installierung dieser Relikte immer genau die falsche Seite gefeiert wird. Und damit eigentlich eher neue Mauern in den Köpfen installiert werden.
Michael Strogies - 4. Januar 2010 um 19:31 Uhr
> Aber wenn die Relikte derart verehrt werden,
> bleibt doch die Frage, was dort verehrt wird.
Nun, ist es nicht zumeist der Wunsch nach dem
Stück von sich selbst, dass man darin zu finden
hofft?
> Aber es waren eben nicht die bunten Bilderchen,
> die die Mauer zum Einsturz gebracht haben,
Richtig, deshalb ist das im Grunde komplett unrelevant.
Da wär es mir authentischer, das nackte hässliche Stück
Mauer zu haben und ins Museum zu stellen.
Yehudis - 5. Januar 2010 um 07:20 Uhr
Die Mauer als Ready-made !Interesanter Gedanke ;),allerdings sind inflationäre “Kunststücke” schon jetzt ein Problem.Es gibt einfach zuviel Mauer und fälschungssicher ist das Ganze auch nicht.
In meiner Werkreihe sind zwischenzeitlich weitere 3 Arbeiten entstanden und weitere werden sicherlich folgen.
michele - 5. Januar 2010 um 10:12 Uhr
Also so weit an ein Ready-Made hab ich gar nicht gedacht.
Stück Mauer, rein ins zeit-kulturhistorische Museum und a
Ruh is.
Und wo sind die neuen Arbeiten? Ich warte …
Yehudis - 5. Januar 2010 um 11:46 Uhr
Naja, ganz so einfach ist das auch nicht. denn einige der Künstler haben ja zur Zeiten der Mauer hier schon Kunstwerke aufgebracht, aus klaren, künstlerischen Motiven heraus mit klaren Inhalten. Damals hatte sicherlich noch niemand damit gerechnet, daß die Teile irgendwann einmal weggenommen werden. Das Ganze ist schon ein wenig komplexer. Die Arbeiten dort sind dann teilweise ja auch festgehalten worden und katalogisiert. Im Sinne der spursuche ist das sogar ein ganz spannender Prozess, der eigentlich schon wieder Thema für sich ist. Nämlich wie verändert sich ein Kunstwerk, wenn es völlig unerwartet aus seinen Kontext herausgelöst worden ist, der ja letztlich für die Aussage des Werkes von emanenter Bedeutung war. Es steht mir nicht zu, die Werke an sich auf ihren künstlerischen wert hin zu beurteilen, jedoch werden einige von Ihnen ja beispielsweise im Kontext der Graffity-Art historisch genannt. Sind also hier nicht unrelevant.
Aber wie dem auch sei. An dieser Stelle geht es mir auch gar nicht um die Mauer als Readymade, sondern vielmehr um den Mythos der sie zum Kultobjekt hat werden lassen.
Was meinst Du damit, Yehudis, ein Stück von sich selber darin zu finden?
Sicherlich ist ein Punkt dabei auch, was ja mit Kunst und Sammeln von Kunst einhergeht….den Aufbau des eigenen Egos und die Höherbewertung des eigenen Ichs durch Trophäensammlungen. Was früher bei Grosswildjägern die Trophäen waren sind heute Kunstschätze, mit denen sich Sammler gerne darstellen.
Ich bin mir nicht sicher on ich da richtig liege. Aber wenn ich mir die Stücke der Mauer in Berlin anschaue, habe ich noch immer das Gefühl, als wenn hier der Triumph des Westens gegenüber dem Osten ausgestellt wird. Sozusagen eine andere Form von Siegessäule. Wenn ich die Stücke in dem Museum der Aliierten sehe, springt ein dieser Gedanke förmlich an. Auch die Installationen auf dem Potsdamer Platz, zwischen den ganzen monströsen Neubauten, die das Kapital nach der Öffnung dort hingehauen hat.
Nur daß eben genau das historisch unkorrekt ist, und im Prozess fatale Folgen in eine andere Richtung hat. Nämlich zu einer mentalen “Abgrenzung”.
Und diese Neuerliche Abgrenzung ist es, die sich dann in Themen wie Solidaritätspauschale entlädt. Und zwar auf beiden Seiten.
Michael Strogies - 5. Januar 2010 um 12:51 Uhr
Trophäe ist tatsächlich das Wort, was zumindest mein Gefühl ganz gut auf den Punkt bringt.
Wie Kriegsschätze, die dann im eigenen Land zur Demonstration der eigenen Macht installiert werden.
Man muß sich nur vor Augen halten, daß wir hier über eine Art der Machtdemonstration sprechen, wie sie eigentlich einer modernen Demokratie widersprechen sollte, und die, wie schon erwähnt, einfach historisch falsch ist. Es war kein Sieg des Kapitalismus
Sondern der Wunsch eines Volkes nach Freiheit.
Und ob damit die Freiheit gemeint war, die sich der Kapitalismus auf die Fahnen geschrieben hat, und der ja eigentlich nur ein Etikettenschwindel ist, wage ich einfach mal zu bezweifeln.
Das bezieht sich natürlich nur auf die Stücke, die ab von ihrem eigentlichen Standort ausgestellt werden. Die Mauer als historisches Dokument in Teilen zu erhalten, finde ich sehr wichtig, und das nutze ich auch ab und an. Weil es einfach ein Dokument dafür ist, zu was Menschen fähig sind, und das dies weiß Gott nicht nur in anderen Regionen geschieht.
Michael Strogies - 5. Januar 2010 um 13:11 Uhr
> Was meinst Du damit, Yehudis, ein Stück von sich selber darin zu finden?
Hm … Michael, damit meine ich, dass wir vor allem bei diesen “Stolz-Geschichten” als auch einer Art von “Fan-Verehrung” immer die persönlich involvierte emotionale Seite mit einbringen. Ich hätte doch eigentlich nur einen Grund stolz auf etwas zu sein, wenn es Ergebnis meines persönlichen Tuns ist.
Wenn ich also für Aspekte ausserhalb von mir selbst Stolz entwickle, nehme ich einen Teil von mir und verlege ihn auf diese Metaebene. Ich trete als in Verbindung zu dem Geschehen und werde ein Teil von ihm.
Für Deutschland, und ja lustigerweise von westdeutscher Seite aus vielmehr, gab es ENDLICH wieder einen Aspekt auf den man geschichtlich stolz sein konnte, und diese ganze Stolzdbebatte ist ja vor allem seit der “Wende” wieder und immer wieder in der Diskussion. Ebenso wie “Deutsche Schuldgefühle” formen von “Kollektiven Unbewusstem” sind, denke ich sind
es diese Stolzgefühle ebenso.
Das mit der Freiheit sehe ich allerdings nicht so schwarz.
Ja, zuallererst ist es die Überwindung eines dikatatorischen Regimes
und der Wunsch nach Freiheit. Dass diese Freiheit dann nicht immer
ein Zuckerschlecken ist, auch schmerzhaft und schwer sein kann, ist
dabei ein anderer Aspekt.
Aber wie heisst es so schön: You get what you pay for.
Yehudis - 6. Januar 2010 um 08:05 Uhr
Gestern war im WDR-TV ein Beicht über den Mauerfall. Norbert Blüm hat dazu gesagt, daß 1990 wohl das einzige Datum des letzten Jahrhunderts sein wird, was die Schüler der kommenden Generationen lernen werden, und was mit einem positiven Geschehnis in Verbindung steht. Alle anderen Termine waren nur eine Katastrophe.
Ich lasse es mal dahingestellt sein, daß man das Ereignis dann auch immer noch als positiv sehen wird
Aber denke schon.
In dem Bericht kam auch ganz schön heraus, daß eigentlich der Westen die kleineren Probleme mit der Mauer hatte. Nicht auf politischer Ebene, vielmehr kamen hier Menschen zu Wort, die nach dem Mauerbau geboren worden sind. Der Westen war hier nicht direkt in seiner Freiheit eingegrenzt, weil denen stand ja der Rest der Welt offen.
Worauf soll der Westen also stolz sein? Was hat er, also der westliche Normalbürger, dazu beigetragen, daß die Mauer gefallen ist? Sicherlich auf politischer Ebene, hier sind sicherlich durch Bündnisse etc Weichen gestellt worden.
Aber im Westen sind doch nur wenige tatsächlich ein direktes persönliches Risiko eingegangen, daß mit dem der Ostbürger zu vergleichen gewesen wäre.
Woher dann der Stolz? Trophäen haben ja oftmals auch die Eigenschaft, daß man sich versucht, über sie in Zusammenhänge zu bringen und eine Selbstdarstellung aufzubauen, die mit der Realität nichts zu tun hat.
Es ließe sich im Groben auch so darstellen, daß im Osten ein Volk gegen seine Regierung um die Freiheit gerungen hat. Als es diese dann durch die Maueröffnung erreicht hat, passiert genau das, wogegen der “antifaschistische Schutzwall” aufgebaut worden ist. Nämlich die Kapitalisten sind in das Land eingefallen, und haben sich alles angeeignet, was anzueignen war. Kapitalismus wirkllich von seiner übelsten Seite. Dann feiert sich der Westen und ist stolz, auf das, was er da erreicht hat.
Natürlich hat Freiheit einen Preis. Aber ob es gerade dieser Preis sein muß, oder ob es diese Art von Freiheit sein sollte, wage ich zu bezweifeln.
Am Ende stand eine Katerstimmung, die neue Wunde und neue Gräben aufgerissen hat. Und die noch heute heruntergespielt wird.
Wenn wir also von einer Mauer sprechen, die geblieben ist, sollten wir vielleicht anfangen, einmal genau diese Enttäuschungen wertfrei zu thematisieren. Gestern in der Sendung wurde dann gesagt, nunja, die Deutschen meckern ja immer. Das alleine ist es aber nicht.
Egal ob friedlich oder nicht friedlich. Tatsache ist, daß mit dem Mauerfall ein Ost-West-Konflikt ein Ende gefunden hat, der noch einige Jahre vorher im Kubakonflikt die Welt an ihre Grenze geführt hat. Und wie es bei der Lösung solcher Konflikte leider immer passiert, wird dabei von beiden Seiten Unrecht ausgeübt.
Ich möchte die Zeit nach dem Mauerfall nicht als eine Art Plünderung bezeichnen. Wenn ich aber einzelne Stories höre (einen grossen Teil habe ich damals selber direkt mitbekommen) hatte es aber etwas davon.
Auf diesen Teil der Geschichte bin ich nicht sehr stolz.
Michael Strogies - 6. Januar 2010 um 11:37 Uhr
Ach Michael, wenn es dieser Preis nicht gewesen wäre,
wäre es ein anderer gewesen und der hätte dann
auch wieder nicht gepasst.
Dieses Gejammer bringt recht wenig in meinen
Augen. Denn es verhindert Bewegung.
Man kann es drehen wie man
will und es bleibt was es ist.
Wichtiger ist, was daraus entsteht und das
bleibt gerade noch Abzuwarten angesichts
des zarten Alters dieser jüngsten deutschen
Geschichte.
Yehudis - 6. Januar 2010 um 12:06 Uhr
Eben. Aber das was wird ist abhängig davon, wie Dinge aufgearbeitet werden, die geschehen sind. Und die Aufarbeitung ist zur Zeit noch sehr einseitig. Zu einem echten Miteinander ist es hier noch nicht gekommen.
Michael Strogies - 6. Januar 2010 um 13:04 Uhr
Wie sollte ein echtes Miteinander denn auch aussehen? Ist das nicht einmalmehr ein “typisch” deutscher, überhöhter Anspruch? Zwischen mir und meinen südlichen Mitbürgern gibt es auch kein “miteinander”. Ich kenne nur ganz wenige Bayern z.B. und von denen gibt es nur mit Einzelnen so etwas wie ein entferntes “Miteinander”. Ich weiss garnicht aus welchem Grund ich solche Gefühle zu Bürgern im Osten haben sollte. Wenn ich dieses Jahr nach Jena komme,dann werde ich dort Menschen kennenlernen und mag sein,dass ich für den ein oder anderen ein “miteinander” entwickeln werde. Wenn nicht, auch gut.
Andere Länder haben solche Ansprüche garnicht entwickelt. In Italien z.B. findet es jeder völlig normale wenn der Sienese den Florentiner,erst einmal, als stranieri, als Fremden, bezeichnet. Und gemeinsam ist ihnen der Napolitaner so fremd wie der Sizilaner…und der Römer ist allen Italienern der Fremde. So what ?
michele - 6. Januar 2010 um 13:34 Uhr
Michele, da kann ich nur zustimmen.
Dieses “echte Miteinander” … ich weiss auch nicht, was
es damit immer auf sich haben soll …
[Mei der arme Römer ... Ah Roma ... seufz ... ;-)]
Yehudis - 6. Januar 2010 um 15:12 Uhr
Ein Miteinander ergibt sich - sei es durch gemeinsame Arbeit oder private Gründe. Es gibt sehr viele Beispiele hier in meiner unmittelbaren Umgebung, bei denen sich direkt die Auswirkungen des Mauerfalls spiegeln lassen.
Ich selber habe sehr wertvolle Menschen kennen gelernt, die ich ohne Mauerfall niemals hätte treffen können. Ich bin froh über diese Tatsache - und muss ehrlich gestehen, es ist mir momentan fast egal, ob es so richtig oder falsch abgelaufen ist. Fakt ist doch, dass es überhaupt dazu kam, oder? Ich betone immer wieder, wie wichtig es gerade für unsere Generation war, dass die DDR ihr jähes Ende hatte.
Niemals wäre es mir möglich gewesen, eine Galerie für zeitgenössische Kunst zu eröffnen. Niemals wäre ich mit Kunst im heutigen Verständnis in Berührung gekommen. Ich selber hätte einen anderen Beruf erlernen müssen - welchen, kann ich nicht sagen, dass hätten Andere für mich entschieden.
Kontakt zu anderen Menschen aus anderen Regionen bzw. Ländern zu knüpfen, ist mir persönlich ein absolut wichtiges Anliegen. Es kann nicht gut sein, nur im eigenen Saft zu schmoren - denn meiner Meinung nach neigt man dann sehr schnell dazu, Scheuklappen zu entwickeln und viele gesellschaftliche Tendenzen überhaupt nicht mehr zu erkennen. Das wäre fatal und unter Umständen führte dies zu erneutem Mauerbau - das meine ich natürlich so vielschichtig, wie man Mauern verstehen kann.
Grit Höhn - 6. Januar 2010 um 15:14 Uhr
Ein echtes Miteinander, Verständnis… Nichts geht über den persönlichen Austausch. Als jemand, der auch in der DDR aufgewachsen ist, kann ich nur den Kopf über die Leute schütteln, die am liebsten die Mauer wieder hätten, am liebsten doppelt so hoch. - Die Mauer diente dem Einsperren der DDR-Bevölkerung, der Mauerbau (an einem Sonntag!!!) war eine logistische Meisterleistung von Erich Honecker, der W. Ulbrichts Worte: “… wir haben keine Absicht, eine Mauer zu errichten” kurz nach der Mitteilung Lügen strafte. - Nun ja, in meiner Sozialisation als ev. Christ war es aber nicht unüblich, den Vers aus Ps. 18 “Mit meinem Gott überspringe ich Mauern” zu zitieren… (auch nachzulesen in “Zwischen Kreuz und Hahn”, Grußwort des Landesbischofs Dr. Ch. Kähler, Jena 2003)
Den Mauerfall selbst habe ich am Radio miterlebt, ersparte mir aber den Weg nach Berlin. Am nächsten Schultag war die halbe Schule leer
Tobias Netzbandt - 6. Januar 2010 um 15:27 Uhr
Hallo Frau Höhn,
ein Miteinander ist, wie Sie es auch ausführten, hauptsächlich
ein individueller Prozess … und nicht gebunden an nationale
oder religiöse oder sonstige Aspekte, sondern ganz individuell
die Lebensumstände des einzelnen betreffend. Problem ist
für mich in dieser so oft gebrauchten Rhetorik, auch was das
Thema “Migration” betrifft, dass man hier Prozesse auf
nationaler Ebene anspricht damit …
Respekt und Interesse aneinander und den unterschiedlichen
Lebensmöglichkeiten, religiös und sonstiges, ist aber kein
bedingtes Miteinander sondern ein respektvolles angemessenes
Nebeneinander … und daran ist nichts schlechtes, wüsste auch
nicht warum.
Yehudis - 6. Januar 2010 um 15:36 Uhr
Danke für die interessante Antwort. Gerne möchte ich allerdings auf einen Unterschied innerhalb dieser Diskussion verweisen.
Hier wurde durch die Mauer ein Volk getrennt. Sie sprechen von anderen Erfahrungen und Hintergründen als ich.
Wir haben eine starke Sehnsucht zu einem Miteinander entwickelt und Neid, glaube ich.
Wir wollten keine Mauer mehr haben. Das war der Grund, weshalb wir auf die Strasse gingen, um zu rufen : “Wir sind das Volk!” oder “Die Mauer muss weg!”
Wir hatten überhaupt keinen nützlichen Gebrauch mehr im Sinn für diese Mauer. Keine benötigte sie mehr, ausser Diejenigen, die sie errichtet hatten, die ihre Macht demonstrieren mussten. Warum auch immer…
Ich verstehe natürlich, dass es auch Auffassungen gibt, dass Mauern nützlich sein können… auf diese Weise lässt sich ja eine wirklich sehr interessante Diskussion entwerfen. Bitte erzählen Sie doch etwas mehr von ihrer Sichtweise und Erfahrung und zögern sie nicht, uns etwas genauer die Zusammenhänge zum Thema der “Migration” mitzuteilen. Es interessiert mich sehr, die Unterschiede etwas näher zu beleuchten.
Grit Höhn - 6. Januar 2010 um 16:04 Uhr
Um das ganz klar zu sagen: “Ich will die Mauer nicht zurück.”
Lieber würde ich noch andere Mauern, tatsächliche wie z.B. in Israel, wie auch die imaginären rund um die Staaten der EU stürzen sehen (Anm.:erstere halte ich für gebotener als die zweite ;). Ich will aber garnicht verhehlen, dass ich 1989 als erstes dachte: “Muss das sein (der Mauerfall und ff.) ?” Wie ich heute im Gespräch mit Michael feststellen konnte, hatte das fast ausschliesslich private Gründe. Meine kleinen eigenen Lebensumstände waren mir deutlich wichtiger als die deutsche Wiedervereinigung,die war mir eher lästig. Ein Hauch der Geschichte wehte schlichtweg an mir vorbei.
Umso interessanter das Thema heute künstlerisch zu bearbeiten. So wie ich damals meinen Gefühlswelten gefolgt bin, so werde ich mich auch heute eher intuitiv der Diskussion und ihrem Gegenstand nähern.
Mag sein das 20 Jahre eine lange Zeit sind, dem ein oder anderen mag es gar zu lang erscheinen, aber bei mir haben die Dinge stets ihre eigene Zeit. Die Zeit scheint nun gekommen und ich freue mich sehr darauf durch diese Arbeit einen Grund zu haben in die “neuen” Bundesländer zu kommen ;). Das schliesst auch ein (individuelles) Miteinander ein.
Ein politisch verordnetes oder gewünschtes WIR gibt es bei mir nicht und würde meinem Verständnis demokratischer Bürgerfreiheit komplett wiedersprechen.
Tobias und Grit kennenzulernen , da freu ich mich drauf. Jena kennenzulernen,da freu ich mich drauf. Den deutschen “Osten” kennenzulernen ist mir keine greifbare Grösse .
michele - 6. Januar 2010 um 19:13 Uhr
Hallo Grit (hoffe ist okay, wenn ich einfach Grit sage)
Also herrjemine, zuallererst: Ich will die Mauer auch nicht.
Wollte sie nie und bin froh, dass sie Geschichte ist und die
Menschen in Freiheit leben, auch wenn das nicht immer
leicht ist …
Über DIESE Mauer gibt es auch keinerlei positiven
Interpretationsspielraum was mich betrifft.
Und jetzt lebe ich wieder in einem Land mit einer Mauer.
Diese hat allerdings einen etwas anderen Hintergrund, ist
blutig und kriegerisch und weniger kalt und ideologisch wie
es die Berliner Mauer war. Ich hätt sie auch gern los, aber
da sind wir noch nicht angekommen. Aus meiner persönlichen
Perspektive brauchen wir sie noch. Leider.
Um was es mir bei diesem “Miteinander” geht ist ein
erzwungener Prozess den ich vor allem in Dland
wahrnehme. Die Ausleger unserer Familie befinden
sich über Amerika, Europa und Israel verteilt.
Insbesondere die USA und Israel sind zuhöchst
multikulturelle Gesellschaften, wo man nicht miteinander
sein muss, um miteinander zu sein, wenn das jetzt
nicht zu sonderlich klingt. Und interessanterweise
ist es dann GENAU diese Freiheit, die einen aneinander
bindet. Irgendwie scheint dieses Denken in Deutschland
aber nicht zu funktionieren, da man bez. dem Wort
“Miteinander” auch eine Form von “Gleichschaltung”
verbindet. Und da kommen die persönlichen
Mauern ins Spiel, die jeder von uns auch im Guten mit
sich trägt. Unsere Prägungen, unsere Religion etc.
Für mehr reicht mein etwas müder Kopf gerade nicht aus.
Aber bis bald.
Yehudis - 6. Januar 2010 um 20:50 Uhr
“Um was es mir bei diesem “Miteinander” geht ist ein
erzwungener Prozess den ich vor allem in Dland
wahrnehme.”
Mir fällt dazu nur ein entschlossenes “Yes we can” ein ;-)))
admin - 6. Januar 2010 um 22:18 Uhr
Wer spricht denn hier bitte … ist das der Herr Schstrogiiiesss …
Oder ein überwachender Admin?
Oh die Stasi, es gibt sie noch immer … ;-)))))
Yehudis - 6. Januar 2010 um 22:21 Uhr
*lacht* sorry, Yehudis. Da hatte ich vergessen meinen Hausmeisterkittel vorher auszuziehen :-)))))
Nene, nix überwachen. Nur gepflegt zensieren und manipulieren :-))))
@Michele
Mir wird jetzt sogar endlich mal ein echter Unterschied in unseren Arbeitsweisen klar.
Im Gegensatz zu dir ist es mir immer extrem wichtig, ganz nah am Objekt zu sein. Auch wenn ich beispielsweise oft die Fotografie für meine Zeichnungen einsetze, würde ich nie auf die Idee kommen bzw mich verweigern, nach Fotos anderer Personen, die ich nicht persönlich kenne, zu zeichnen. Daran habe ich auch schon so manchen Auftrag scheitern lassen.
Auch meine Entscheidung in die Musikbranche zu gehen, habe ich damals getroffen, weil ich die Personen kennenlernen wollte, die ich zeichne. Ich wollte mit Ihnen arbeiten, sie in Real erleben. Und die Mechanismen, die im Hintergrund ablaufen, tatsächlich kennenlernen bevor ich mich künstlerisch dazu äussere.
Auch wollte ich nie bloß Akte zeichnen, sondern immer Personen. wenn ich jetzt sagen würde, ich wollte die Personen nicht nur sehen, sondern auch spüren, dann ist das so, kann aber in dem Zusammenhang schnell falsch verstanden werden :-)))
Für mich ist das ein Weg zu einer authentischen Arbeitsweise. Betonung liegt auf “eine” Weg, nicht “dem” Weg.
Genauso bei dem Projekt hier, in dem ich tatsächlcih die Standorte aufsuche, mich auch gezielt mit Menschen unterhalte.
Kein Wunder, daß die Popkünstler und Informellen sich früher immer gezofft haben ;-))
Mir wird aber klar, daß ich mein Projekt zu der Ausstellung nochmal extremer anders aufbaue.
Das wird bestimmt spannend.
Michael Strogies - 7. Januar 2010 um 00:06 Uhr
Das entwickelt sich ja superspannend. Ich freue mich über Eure Unterhaltung und bin wirklich erstaunt über die künstlerische Auseinandersetzung. Das erlebt man nicht jeden Tag!
Ich werde mich jetzt sicher am ehesten der Zeichnung widmen… Papierarbeiten… und schreiben - sehr persönlich und in Kapiteln…
Dies ist mir immer zur gleichen Jahreszeit zumute. Ich igel mich dann etwas ein, wenn ich nicht gerade in der Galerie arbeite - und fange an zu schreiben - zu zeichnen - irgendwas - keine Ahnung habend was es wird… erst mitten im Prozess lerne ich allmählich mein Anliegen kennen - ähnlich einer Person, der ich begegne, die ich erforsche und aufstöbere. Ich muss es in aufregender Grundlaune durchziehen - ansonsten reisst sofort der Faden. Dann warte ich bis zum neuen “Anfall” und beginne wieder ganz aufgeregt zu erfinden, was ich nicht kenne.
Das klingt sicher jetzt alles etwas subtil - aber es ist ein kleiner Anfang, den Versuch zu unternehmen, zu beschreiben, was ich mache.
Ach ja - die Musik - was wäre das Leben ohne die Musik? Ich sauge momentan eigentlich so gut wie alles auf und steigere mich da ordentlich hinein :o)
Grit Höhn - 7. Januar 2010 um 15:38 Uhr
Michael, einer muss ja die niederen Arbeiten auch hier verrichten … dem Hausmeister sei’s verziehen … ;-))
So so , ins Musikbusiness um den Helden nahe zu sein …
Sag’s ja, Götzenverehrungen … ;-)))
Aber dabei fällt mir ein, dass es mir persönlich auch
künstlerisch schwer fällt über Themen zu arbeiten,
die nicht Teil von mir sind. Heisst, dass ich Aspekte
wirklich komplett verinnerlichen muss, bevor ich
arbeiten kann … wahrscheinlich ist das das nahe ran gehen,
was dann aber gefolgt sein muss, von einem
sich entfernen, da man sonst, wie Michele es ja auch
sagte, nichts mehr wirklich sieht. Das ist beim Zeichnen
so, und auch bei den künstlerischen Prozessen.
Nähe und Distanz … Für mich zumindest.
Yehudis - 7. Januar 2010 um 15:48 Uhr
*Kein Wunder, daß die Popkünstler und Informellen sich früher immer gezofft haben ;-))*
Was heisst hier früher ? Feigling!
…war nur Spaaaass!
michele - 7. Januar 2010 um 18:58 Uhr
*So so , ins Musikbusiness um den Helden nahe zu sein …
Sag’s ja, Götzenverehrungen … ;-)))*
Als müsste man dazu in `s Musicbusiness! Die Bildunggsbürgerkunstschickeria (!) verehrt in ihren inzestuösen Zirkeln
nicht nur ihre Götzen, sondern sich selbst gleich dazu! Da kann die Musikwelt noch was lernen von der (ein-)bildenden Kunst.
michele - 7. Januar 2010 um 19:06 Uhr
Yehudis, ich glaueb tatsächlich das wir noch immer in Götzenverehrungen ergehen. Und das kannst Du im Popcircus sehr gut beobachten Britnes Spears hat es in einem Song sehr schön besungen:
http://www.youtube.com/watch?v=gMjD1sCAPGQ
Die Fans wollen Stücke ihres Idols.
Und diese unterschiedlichen Realitätebenen haben mich immer interessiert. Und die mechanismen verstehen kann man am besten, wenn einmal in deisen gesamten Apparat eingetaucht ist.
Das ist jetzt sehr off-topic. aber ich werde mit meinen Arbeiten darauf noch regelmässig zurückkommen.
Michael Strogies - 7. Januar 2010 um 20:35 Uhr
“Was heisst hier früher ? Feigling! ”
Das kommt noch auf einer unserer ersten Ausstellungen auf dich zu
als Happening. Hier ist noch viel zu wenig Publikum :-))))
Michael Strogies - 7. Januar 2010 um 20:37 Uhr
> Das kommt noch auf einer unserer ersten Ausstellungen
> auf dich zu als Happening. Hier ist noch viel zu wenig
> Publikum :-))))
Ui, ja … werdet ihr dann in Villach für uns catchen … ;-))
Ui … ich freu mich … ;-))))))
Yehudis - 7. Januar 2010 um 20:45 Uhr
Schlammcatchen. Auf Leinwand.
http://becksearlescott.files.wordpress.com/2009/02/performance-klein.jpg
Das Bild wird dann hinterher versteigert
Michael Strogies - 7. Januar 2010 um 20:49 Uhr
Das war übrigens meine erste Retrospektive, die ich damals in Köln gesehen habe :o)
Was war das aufregend - Ives Klein… oder?
… hat mich echt beeindruckt, die Ausstellung!
Grit Höhn - 7. Januar 2010 um 21:09 Uhr
Ja, der ist auch cool. war neulich ein sehr schöner Bericht auf Arte …..
…sehr inspirierend.
Michael Strogies - 7. Januar 2010 um 22:07 Uhr
http://www.spursuche.de/2008/11/08/die-macht-der-schonen-bilder/
Michael Strogies - 7. Januar 2010 um 22:10 Uhr
Kurzer Einwurf!
Schlammcatchen Weber versus Strogies ?
Da müssten wir uns über die Gewichtsklasse einigen.Fang schon mal mit dem Abnehmen an ,lieber Michael!”
Vielleicht beschimpfen wir uns nur öffentlich? Stichworte könnten sein “Farbschmierer,informeller” oder “du Modelmädchenmaler,du”.
…wir könnten aber auch in Grit`s Galerie eine neue Mauer zwischen uns errichten….dann wären wir wieder beim Thema ;).
michele - 8. Januar 2010 um 10:24 Uhr
> Die Fans wollen Stücke ihres Idols.
Richtig Michael … ich beobachte das auch schon seit
einiger Zeit bzw. Jahren und es kommt mir vor,
als würde sich das Ganze mit Internet, DSDST, Castingshows
und was es nicht so alles gibt, zunehmends pervertieren,
andererseits sicherlich eine Entwicklung bedienen,
die ich mit als zunehmende Verrohung der Gesellschaften
bezeichne und Verlusten wesentlichster spiritueller
Werte aus meiner Perspektivte. Der Tanz ums
Goldene Kalb bleibt eine weiterhin bestehende
Herausforderung.
So und jetzt muss ich erst mal wieder hart
dran arbeiten, meiner Fantasie dieses lustige Bild
von euch beiden beim Schlammcatchen zu entreissen ….
;-))))
Yehudis - 8. Januar 2010 um 10:34 Uhr
Michele, an das Gewichtsklassenproblem hatt ich auch
schon gedacht … ;-)) Eher mit der Sorge,
dass Du dann am Ende ins die Leinwand eingearbeitet
wurdest … ;-))
Aber Beschimpfen ist auch gut …
Aber jetzt mal wieder ernst und thematisch
zurück zur Mauer …
Yehudis - 8. Januar 2010 um 10:40 Uhr
Das grösste Probleme mit dem “Mauerthema” ist, für mich, die Gefahr recht schnell in Heuchelei zu verfallen. Frei nach dem Motto “eh,du,ich kann dich da voll verstehen”. Kann ich nämlich nicht. Die Mauer hatte in meinem Leben nie eine direkte ,unmittelbare Bedeutung. Ich war nie betroffen und kann heute keine Betroffenheit heucheln (d.h. ich könnte schon,ich bin ja leidlich begabt;).
Das ist für mich der Grund , mich dem Thema ausschliesslich aus dem Hier und Jetzt und mit gebührendem Abstand zu nähern. Aber natürlich gehört dazu auch immer das Wissen um historische Bezüge und Geschehnisse. Doch wie singt Sting so schön :”History will teach us nothing.” …DAS wäre allerdings ein neues Thema!
michele - 8. Januar 2010 um 10:55 Uhr
Michele, geht mir ähnlich … ich hatte als Teenager
eine ostdeutsche Briefreundin und wir haben immer
Kleiderpackete an ihre Familie geschickt.
Dadurch war es immer in meinem Bewusstsein, der
Osten und Westen und die Mauer … mit dem
einschneidenden Berlin-Besuch gegen Ende meiner
Gymnasialzeit und durch den Gespensterbahnhof an
der Friedrichstrasse “rüber” zu fahren und alles was folgte.
Ich tu mich trotzdem auch persönlich heute sehr
schwer, das in eine Relation zu setzen in meinem
Umgang mit “dem Osten”. Das ist aber auch eine gewisse
Weigerung bei mir an sich, mich mit Deutschland
zu sehr auf engen Ebenen auseinanderzusetzen.
Yehudis - 8. Januar 2010 um 11:13 Uhr
Deutschland ist halt auch ein “schwierig Vaterland”,zumindest war und ist es das für mich. Meine Selbstdefinition war eher stets die des “Bochumer Jungens” und dann die des (West-)Europäers , vielleicht noch die des Weltbürgers (als ferne Utopie). Das Deutschsein war immer mehr Last als Lust, was ich mit einer Vielzahl bedeutender “Deutscher” teile ;).
Ich habe bisweilen so den Gedanken, dass die Gleichgültigkeit der Bürger gegeneinander, in Ost wie West, die höchste Form der Normalität sein könnte. Will heissen, was wollen wir mehr, als dass der Nordrheinwestfale auf den Thüringer mit dem selben Desinteresse blickt, wie auf den Hessen oder Badenwürttemberger, während er , am Wochenende, völlig normal zu seinen “Brüdern” und Freunden in die Niederlande reist. Also mir gefällt der Gedanke. Er ist so frei von unüberwindlichen Mauern :).
michele - 8. Januar 2010 um 12:07 Uhr
Naja, die Mauer als möglicher Eskalationspunkt zwischen den Weltmächten hat mich schon sehr beeinflußt und geprägt. Alleine bei der ganzen Pershing-Debatte oder Kriegsverweigerungs-Diskussion, die mich damals schon sehr beschäftigt hat. Freunde, die damals nach Berlin gezogen sind, weil der Sonderstatus der Stadt sie vor dem Militärdienst geschützt hat. Man muss den Kopf schon ziemlich tief im Sand gehabt haben, wenn man davon nichts mitbekommen hat. Die gesamte Welt hat aufgerüstet, und wir waren bestenfalls der Acker, auf dem dann der Spaß losgegangen wäre. Strategisches Gelände, sozusagen.
Und wenn man in Bezug von Mauern vom benachbarten Ausland redet, so gibt es oder gab es gerade in Bezug auf Niederlande oder noch extremer Frankreich schon noch Resintements gegenüber Deutschen.
Oder seht Euch die Spannungen mit dem Verband der Vertriebenen zur Zeit wieder an.
Wir können uns natürlich auf die ganz persönliche Betroffenheitsebene zurückziehen. so nach dem Motto “AKW habe ich noch nie eins gesehen, kann ich nichts mit anfangen, bei mir kommt der Strom aus der Steckdose.”
Dann können wir die Arbeiten machen, wie wir sie immer gamacht haben. Ich zeichne meine Mädels, Michele macht seine informellen Bilder. Jeder hinter seinen Mäuerchen. Bei Ausstellungen werden wir weiterhin gucken, daß unsere Bilder besser gehängt sind, als die der “Konkurrenten”.
Die Projektarbeit innerhalb der spursuche ist ja gerade der Versuch, diese Mauern auch unter Künstlern aufzuweichen und aus dem Nebeneinander ein Miteinander zu machen.
Ein Grund für mich, mal an meine Grenzen zu gehen, hier im wörtlichen Sinne, an die Mauer zu treten, mal dranzuklopfen.
Denn ob ich eine Mauer stehenlasse oder sie einreisse, entscheide ich ja selber. Aber anschauen, und einmal drüberschauen um zu sehen, was eventuell Neues dahinterliegt, was ich noch nicht kenne, daß ist ja das Spannende. Und das ist vielleicht der Ansatz, bei dem spursuche vielleicht wirklich etwas Neues entwickelt.
Michael Strogies - 8. Januar 2010 um 13:22 Uhr
Wir können hier ja auch projektbezogen Haare spalten und uns die ein oder andere “Killerphrase” (ala “auf die Betroffenheitsebene zurückziehen”) austauschen, aber dazu habe ich keine Lust.
Natürlich hat mich die Weltpolitik in meinem Erleben beieinflusst und geprägt. Nur hat , für mich, die “Pershingdebatte” deutlich mehr mit westlicher militärwirtschaftlicher Politik zu tun, denn mit “der Mauer”.
Mein Kopf war ausgesprochen sandfern, was nicht immer zu meinem Vorteil war.
Ich gedenke auch keine Mauern einzureissen die ich nicht sehe. Das stürmen von Windmühlen hab ich schon länger drangegeben.
Ich bin bildender Künstler geworden, weil ich in dieser Arbeit die höchstmögliche Freiheit für mich gefunden habe. Mir erschliesst sich nicht,wieso ich das drangeben sollte? Weil irgendwelchen Neunmalklugen das Ende der Artefakte in der Kunst ausgerufen haben?
Nee, nix da. Bei Michele gibt`s: What You see is what you get! take it or leave it!”
michele - 8. Januar 2010 um 14:31 Uhr
> auf Niederlande oder noch extremer Frankreich
> schon noch Resintements gegenüber Deutschen.
Michael, stört Dich das?
Es gibt auf der einen Ebene einen grossen Respekt
für das Land und was es nach dem Krieg erreicht
hat, aber dann gibt es eine Ebene, die noch sehr
lange von Misstrauen geprägt werden wird und
leider helfen manche innerdeutschen Entwicklungen
insbesondere nach der Wiedervereinigung nicht
gerade dass es einem leicht fällt dieses zu überwinden.
Ist zwar nicht mehr das aktuellste, noch
vor Pershing II, aber vielleicht
auch ein Gedankenansatz trotz allem …
http://www.youtube.com/watch?v=wB7PRY1Aqds
Und zum anderen.
Allein die Tatsache, dass wir alle hier miteinander
sprechen ist ein Verschwinden von Mauern.
Liebe Grüsse
Yehudis - 8. Januar 2010 um 15:16 Uhr
Beck “Walls”
Ein erstaunlich passend erscheinender Text.
Some days
we get a thrill
In our brains
Some days it turns into malaise
See a face
In the rear view mirror
Reflecting
On the surface of fear
Because you know
I’m never better
Than that
Some days are worse
Than you can imagine
How’m I supposed
To live with that?
We’re on this train dancin on with the rhythm
Hey
What are you gonna do
When those walls
Are falling down
Falling down on you?
Hey
What are you gonna do
When those walls
Are falling down
Falling down on you?
You got warheads
Stacked in the kitchen
You treat distraction
Like an instant religion
The battlesticks snap
At the rhythm
You give your best
With the souls
You’ve been given
‘Cause you know
You’re nothing
Special to them
Going someplace
You’ve already been
Trying to make sense
Of what
They call wisdom
And this riff-raff
Life ain’t with them
Hey
What are you gonna do
When those walls
Are falling down
Falling down on you?
Hey
What are you gonna do
When those walls
Are falling down
Falling down on you?
You’re wearing all
Of the years on your face
Turn a Tombstone place
And your heart
Only beats in a murmur
But your words ringin out
Just like murder
Ja,was tun wir wenn die Mauern auf uns fallen ?
Mauern fallen nicht nur um.Sie fallen auch immer wohin!
michele - 8. Januar 2010 um 19:05 Uhr
http://www.youtube.com/watch?v=i7MZic-IV_8
Für die die gerne nachhören möchten ;)!
michele - 8. Januar 2010 um 19:12 Uhr
Die Terminologie “Killerphrase” ist in sich genau das , was sie meint.
Ist also reine Rethorik.
Aber gut. den Künstler soll man immer an seiner Arbeit beurteilen
Michael Strogies - 8. Januar 2010 um 20:40 Uhr
“Michael, stört Dich das?
Es gibt auf der einen Ebene einen grossen Respekt
für das Land und was es nach dem Krieg erreicht
hat, aber dann gibt es eine Ebene, die noch sehr
lange von Misstrauen geprägt werden wird”
Yehudis, es kann mich nicht stören, weil ich es verstehe.
“Und zum anderen.
Allein die Tatsache, dass wir alle hier miteinander
sprechen ist ein Verschwinden von Mauern.”
Daß sehe ich ganz genauso. Dialog ist der Weg.
Michael Strogies - 8. Januar 2010 um 20:47 Uhr
Ok. Dann kann ich heute erstmal sagen: Wir feiern morgen Abend vorerst eine Party hier in der Galerie ohne Euch… was soll ich dazu sagen - vielleicht ist dies ja auch grundsätzlich erst einmal ein guter Gedanke… Musik, Künstler, Kunst, Tanzen, Mauern einreissen - und seinen täglichen Bedarf an Flüssigkeit decken ;o)
Was haltet Ihr davon?
…
Das hört sich doch verdammt gut an, oder?
…
Also im Moment schneit es in Jena… und morgen müssen wir sicherlich alles beiseite schieben - was für ein schönes Bild - also wir schieben erst alles weg, bevor wir beginnen darüber nachzudenken, welches Kunstwerk könnte wohl idealer Weise daraus entstehen, würde man nicht brachial vorsorglich alles wegräumen…
Ich hoffe, das ist jetzt nicht zu subtil hier für diesem Blog?
Also schlage ich vor:
Michael zeichnet morgen erstmal weiter Schneefrauen, Michel bereitet schon mal sein Schlammcatchen mit dem Schnee von gestern vor und dann lassen wir uns hier mit unserem Schnee weitere interessante Kunstprojekte einfallen, die wir dann zu gegebenem Zeitpunkt mit Euch in der genannten Schlacht diskutieren sollten - denn ich will ja auch mitmachen bei Eurer Schlammschlacht - wenn Ihr gestattet :o)
Und wie sieht es eigentlich mit Dir aus, Tobias? Und mit Euch?
Und mit Dir?
Hehe.
Liebe Grüße von der nun sehr hungrigen Grit
…
Grit Höhn - 8. Januar 2010 um 21:24 Uhr
Vielleicht sollte ich einmal kurz erläutern wohin diese Arbeit führen könnte , bzw.soll.
Ich werde weiterhin, in freier Assotiation, kleine “Bilder” im Format 15×15 cm schaffen, mit und ohne Wortfragmenten. Ich werde mich dabei von der Diskussion hier, aber auch eigenen Anregungen leiten lassen. So plane ich momentan z.B. die Datumsgleichheit zur “Kristallnacht” aufzugreifen, da es mir spannend und wichtig erscheint darauf hinzuweisen, dass das Datum an sich keinen ungetrübten Grund zur nationalen Feier bietet, nach meinem Dafürhalten sogar denkbar ungeeignet ist.
Das ganze Projekt wird bis zum Tag der Presentation andauern. Keine Ahnung wieviele Arbeiten dabei entstehen werden. Ich schätze , dass es mindestens 40 - 50 Stück werden , ggf. auch deutlich mehr. Diese werden, jedes für sich auf 15 x 15 cm gerahmt (Innenmass) und dann, dicht an dicht, in chronologischer Reihe neben- und übereinander gehängt, so dass eine Bildwand (oder eben “mauer”) entsteht.
michele - 9. Januar 2010 um 11:14 Uhr
Lieber Michele.
Das 5. von Oben gefällt mir besonders… hat was von gefrorener Botschaft im eisigen Schnee…. 
eine tolle Idee - eine Bildwand (Gedenkwand) zu gestalten. Ich finde die Entstehung deiner Werke jetzt schon sehr spannend und unterschiedlich im Ausdruck, eine gute Dokumentation von Diskussionsgrundlagen..
Freu mich auf mehr!
Herzlich, Susanne
Susanne Westhoff - 9. Januar 2010 um 11:22 Uhr
Willkommen Susanne ;)!
Wie schön dich hier zu lesen :).
Tja, Botschaften im eisigen Schnee könnte ich grad als Liveperformance gestalten. Hier in Witten spielen wir “Schneegestöber” Untertitel:”Vom Winde verweht”.
Aber grad schee sieht`s aus !
Das mit der Doku einerseits und der Diskussionsgrundlage andererseits trifft meine Intention ziemlich genau. Wobei ich immer auch mich und meine Arbeit zur Diskussion stelle, unabhängig vom jeweiligen Thema.
Ich freue mich auf weitere Beiträge von dir und wünsche ein schönes Winterwochenende :).
Michele
michele - 9. Januar 2010 um 12:17 Uhr
ja, es sind die mauern die unser leben bestimmen…
mauern,
nicht nur aus stein,
denn sie stehen für
wissen, unkenntnis,
ohnmacht, macht,
schutz, angriff,
realität und illusion,
innerliche und äußerliche grenzen,
(….)
(…)
haben wir eine eingerissen,
so bauen wir neue auf
mauern, die die gegenwärtige und vergangene steinzeit
in sich bergen.
(dies ist ein persönliches zitat aus meinem früheren steinzeit-projekt,
wo das thema mauer auch vorkam)
mARTina - 9. Januar 2010 um 13:03 Uhr
Die Erfindung der Mauer war sicher von der gleichen Wichtigkeit wie die des Rades . Ohne Mauer keine Sesshaftigkeit ausserhalb von Höhlen. Mauern bieten Schutz, sie tragen das Dach, das ohne sie garnicht denkbar ist.
Aber nichts was nicht auch zu missbrauchen wäre. Wenn Ostpolitiker von “der Mauer” als “Schutzwall” sprachen, war ihnen die Perversion dann wohl klar ?
Ich fürchte nein.Ideologen denken nicht ausserhalb ihrer Ideologien und wenn, dann nur hinter hohen Mauern.
michele - 9. Januar 2010 um 13:25 Uhr
Wichtig in dem Zusammenhang erscheint mir auch die Tatsache, daß unser gesamtes Denken als Individuum auf Abgrenzung beruht. Wir lernen Identität durch Unterscheidung von anderem. Blume ist das mit den Blättern. Baum hat Blätter, aber im Gegensatz zur Blume hat es einen Stamm. Deswegen ist Baum keine Blume.
In der Pubertät, wenn es zur Individuumsbildung kommt, findet die Abgrenzung sehr extrem statt. Hier kommt es dann sicherlich auch zum ersten Mal zu “Mauern”. (Spätestens in Form einer zugeschmissenen Tür).
Der Prozess der Abgrenzung ist ein Schritt der das Individuum schützt. Wer sich nicht abgrenzt verliert sich.
Abgrenzungen verdichten sich irgendwann zu einer Strukrur , in der wir uns wie in einem Netz verfangen. Wir strukturieren uns, setzen Prioritäten, die im Grunde ja nichts anderes sind als eine Abgrenzung zu Nebensächlichkeiten, oder die wir dafür halten. In meinen Portraits habe ich das oft mittlerweile als festes Stilelement verwendet.
http://www.spursuche.de/2008/11/29/chaos-und-struktur/
Das Organische im Konflikt zur Struktur. die wir uns als Abgrenzung zur Aussenwelt geben, die uns aber durchdringt.
Identität läßt sich nur gewinnen durch Abgrenzung.
Auf eine Gruppe bezogen bedeutet das auch, daß sobald die Gruppe eine Identität annimmt, sei es als Nation, als Glaubensgemeinschaft oder als Fussballverein oder als Spursuche, sich automatisch neue Abgrenzungen ergeben.
Sobald ich als Individuum verschiedenen Gruppen angehöre wird aus den verschiedenen, gruppenspezifischen Abgrenzungen wiederum eine Struktur.
Diese Abgrenzungen verändern sich jedoch und sind dynamisch. Ich habe es als Individuum in der Hand, Gruppenzugehörigkeiten aufzulösen, und damit Abgrenzungen aufzuheben.
Deshalb ist Mauer für mich einfach unakzeptabel. weil sie nicht veränderbar ist. Sondern in jedem Fall totalitär.
Michael Strogies - 9. Januar 2010 um 15:57 Uhr
“Der Prozess der Abgrenzung ist ein Schritt der das Individuum schützt. Wer sich nicht abgrenzt verliert sich.”
Solange sie temporär bleiben und nicht in Isolation enden, sind sie gesund und überlebenswichtig. Das Einreißen/ Wegwerfen von Mauern/ Konventionen kann danach befreiend und überzeugt sein. Temporäre Mauern stärken Individualismus. weil man fern von Gruppen und Strukturen ist und auf seine eigene Intuition/Ego und Verstand hören muss.
Der Begriff “Mauer” hat einen negativen Beigeschmack …
Wer sagt, dass Mauern nicht durchlässig und elastisch sein können..mit Türen, Öffnungen, Wegen..sodaß Bewegung möglich sind …von Abgrenzung, Gruppen..vorallem aber Rückzugsmöglichkeiten und Aktionsbereichen, dynamisch und veränderbar… egal ob es dabei um innere oder äußere Mauern geht.
Wünsche ein schönes Winterwochenende, besonders Dir,
lieber Michele!
Lass Dich nicht wegwehen..
Liebe Grüße
Susanne
P.S. Der Schnee pappt übrigens heute… man kann kleine runde Iglos bauen…;-)
Susanne
Susanne Westhoff - 10. Januar 2010 um 09:53 Uhr
Ich brauche meine Mauern.Es hat mich Jahre gekostet sie zu errichten und mit den notwendigen Fenstern und Türen zu versehen.Ich entscheide wann welcher Zugang geöffnet wird und wer Einlass erhält.
Die Mauer durch Deutschland hatte keine Fenster und Türen, sie hatte bestenfalls hier und da einen Durchschlupf und verwehrte die Einblicke.
Sie hat den Menschen dahinter die Luft genommen und deshalb konnte sie auch nicht halten.
Genausowenig werden die Mauern des Vereinigten Europa auf Dauer halten können.Wie heisst es so schön :”Das Leben setzt sich immer durch!”
michele - 10. Januar 2010 um 11:14 Uhr
http://de.wikipedia.org/wiki/Mauer
Es lohnt sich den kleinen,aber durchaus interessanten und unterhaltsamen Beitrag zu lesen.
michele - 10. Januar 2010 um 12:58 Uhr
Mauern, die wichtig sind, um unser persönliches Wohlbefinden auzugleichen, indem man seine Grenzen und Weiten selbst bestimmt.
Diese Selbstbestimmung/ Regulierungen gab es bei der Mauer durch Deutschland nicht und führte zwangsläufig zu Atemnot…
Susanne Westhoff - 10. Januar 2010 um 12:58 Uhr
Macht es krank, wenn man nicht mehr die Freiheit und Fähigkeit besitzt seine eigenen Mauern zu errichten..braucht jeder Mensch diese Freiheit gleichermaßen und wovon hängt das ab?
Ist man ein sogenannter “Mitläufer”, wenn nicht…?
Susanne Westhoff - 10. Januar 2010 um 13:36 Uhr
> braucht jeder Mensch diese Freiheit
> gleichermaßen und wovon hängt das ab? …
Gleichermassen bestimmt nicht, denke ich, da es
von Mensch zu Mensch differiert, aber ich denke,
was man braucht ist das Wissen es zu können …
Das ist der vielleicht grösste Teil der Freiheit.
Jeder Mensch trägt seine “Mauern” mit sich,
ich denke kaum, dass man wirklich so viele
Exemplare kennt, bei denen das nicht so wäre,
die Frage ist dann eher, in welchem Zusammenhang
wir diese Mauern wahrnehmen.
In der deutschen, mitunter europäisch westlichen
Gesellschaft definiert man diese Mauern immer auf
den Einzelnen, mitunter einsamen Menschen,
deshalb wäre man dann geneigt bei Menschen die
anders sozialisiert sind, Mitläufertum einfacher
anzunehmen …
Yehudis - 11. Januar 2010 um 07:25 Uhr
>Jeder Mensch trägt seine “Mauern” mit sich
Obwohl sie aber scheinbar Jeder in sich trägt projezieren wir die Gedanken diesbezüglich trotzdem nur auf den Einzelnen, weil es negativ behaftet ist mit Einsamkeit in Verbindung gebracht zu werden. (Wieder eine Mauer)
Dabei ist genau diese “Einsamkeit” positiv , im Gegensatz zum Mitläufertum.
Susanne Westhoff - 11. Januar 2010 um 08:57 Uhr
Nun, ich denke für uns, was den anderen betrifft,
erhält eine Mauer ja immer erst in dem Moment
eine Form von Bedeutung, in dem WIR an sie stossen.
Einsamkeit und Mitläufertum sind aber sich nicht
ausschliessende Vorgänge in meinen Augen.
Puh, das wird jetzt aber kompliziert … und das
am Montag morgen … ;-))))
Yehudis - 11. Januar 2010 um 09:38 Uhr
> erhält eine Mauer ja immer erst in dem Moment
> eine Form von Bedeutung, in dem WIR an sie stossen.
Umso schlimmer, wenn die Mauer von anderen gesetzt wird und wir garkeine Wahl haben ihr auszuweichen. Eben das machte die Mauer durch Deutschland (und sicher auch die willkürlichen Mauern überall auf der Welt) zu einem solchen Mahnmal von menschlicher Ohnmacht .
Freiheit ist , für mich, immer und überall die Möglichkeit “zu können”(eingedenk und unter Akzeptanz der Konsequenzen) .Wird mir diese Chance genommen oder verweigert werde ich zum unmündigen Bürger.
Dies alles natürlich im Rahmen des “kategorischen Imperativ”;).
michele - 11. Januar 2010 um 10:22 Uhr
http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorischer_Imperativ

michele - 11. Januar 2010 um 10:24 Uhr
Jo…nicht einfach… :-)).. und das Montagmorgen.. :))
“Umso schlimmer, wenn die Mauer von anderen gesetzt wird und wir garkeine Wahl haben ihr auszuweichen.”
Genau, deswegen gilt es dies zu vermeiden,
Freiräume zu lassen für Individualisten und vorallem dem MAINSTREAM immer skeptisch gegenüber zu treten, denn darin liegt die Gefahr. MAINSTREAM ist immer populär und deswegen besteht die Schwierigkeit auch darin sich dem entgegen zu setzen, wenn es in eine falsche Richtung läuft…
Verdrängung ist auch ein Wort für “Mauer” für mich.
Susanne Westhoff - 11. Januar 2010 um 11:17 Uhr
Also was Dinge wie die Berliner Mauer betrifft, da hast
Du natürlich recht, Michele.
Die menschlichen Mauern empfinde ich nicht so.
Die gilt es auch viel weniger zu vermeiden, als
lernen auch diese zu respektieren.
Das ist in meinen Augen in Dland insbesondere ein relativ
grosses Problem. Da sind wir wieder bei der deutschen
“Migrations-Hysterie” …
Yehudis - 11. Januar 2010 um 12:13 Uhr
Vermeiden anderen die Luft zu nehmen.
Leben und Leben lassen. Oder um Michele nochmal zu zitieren:
“Das Leben setzt sich immer durch!”
Susanne Westhoff - 11. Januar 2010 um 15:04 Uhr
Ich hab mich oben auch auf “die Mauer” bezogen , könnte das aber erweitern auf alle Mauern, die uns aufgezwungen werden und unfreiwillig zu Gefangenen machen.
Es erfüllt mich keineswegs mit Freude anmerken zu müssen , dass die deutsche “Migrationshysterie” in Europa um sich greift. Erst heute kommen Berichte aus meinem geliebten Italien, dass dort Schwarzafrikaner durch die Strassen gejagt und geprügelt werden.
Mir ist eingefallen woher ich den Spruch vom “Leben das sich immer durchsetzt ” habe
- aus “Jurassic Park”,den ich mir mit meinem damals noch “kleine” Sohn anschauen musste :).Weiss jetzt nicht , ob das so `ne tolle Empfehlung ist ??????
michele - 11. Januar 2010 um 16:51 Uhr
Nicht Dland aber gerade eben gelesen und passt ganz
gut ins Thema. Entlang der ägyptischen Grenze zu Israel
wird ja auch gerade ein Sicherheitszaun errichtet …
Na, nicht ganz so schlimm wie ne Mauer … ;-(
http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3832621,00.html
Yehudis - 12. Januar 2010 um 08:40 Uhr
Das wäre dann nicht der erste Zaun,der sich im Laufe der Zeit zu einer Mauer manifestiert.
Eigentlich erstaunlich,dass das errichten von Mauern noch immer als politisch angesagtes Mittel betrachtet wird.
michele - 12. Januar 2010 um 10:04 Uhr
Michele, ich bin jetzt kein grosser Fan von solchen Zäunen etc,
aber im Fall von Israel kann ich nicht sagen, dass es mehr als
politisches “Mittel” betrachtet wird, als vielmehr die
Notwendigkeit des “Schutzes” … und es macht mich eigentlich
noch viel trauriger, dass dies vor diesem Hintergrund
geschieht hier. Ist aber ein anderes Thema.
Also wieder zurück “Zur Mauer” …
Yehudis - 12. Januar 2010 um 10:40 Uhr
Das sehe ich nicht anders, was es aber auch nicht besser macht. Allerdings muss ich dir wiedersprechen was das “andere Thema” angeht. In meine Arbeit wird der Aspekt der Zäune und Mauern in Israel ganz sicher Eingang finden. Das ist mir schon seit Gestern klar,als ich die ersten Meldungen über den geplanten Grenzzaun gehört habe. Das kann auch garnicht anders sein,wenn ich den Anspruch erhebe vom Hier und Jetzt, in meiner Arbeit, auszugehen. Ganz sicher aber werde ich keine Gleichsetzung betreiben. Ich weiss , dass es Stimmen gibt, die die israelische Mauer mit der “Berliner” vergleichen , aber mir wäre das zu billig und auch nicht gerechtfertigt.
michele - 12. Januar 2010 um 12:08 Uhr
Hallo an alle,
ich war ein wenig offline… naja, einer muss sich ja auch einmal außen bewegen dürfen.
Als Nicht-Künstler!!! aber Historiker (danke nocheinmal für die Duldung und das Nachsehen, wenn ich mich in meiner Unkenntnis zur Kunst und dem Schaffensprozess äußere:)
Die Berliner Mauer war nicht so bunt, wie es auch das Bild auf der deutschen Wiki-Seite darstellen möchte: Sie war grau, der Stacheldraht nach innen gerichtet!, nicht zum Westen, sondern zum Osten hin, und: Es gab den sog. Todesstreifen, der mit Anti-Personen-Minen bestückt war. Die Wachtürme, Grenzstreifen und Hundestaffeln taten ein übriges, die Mauer als unüberbrückbar zu verstehen. Es war Sinnbild für meine Generation: Der Beton (in den Köpfen???) hält. Das war auch daran bemerkbar, dass in der DDR 1952 eine Gebietsreform von oben befohlen wurde, die alte Zusammengehörigkeiten verschwinden ließ. Ich wuchs z.B. in der wunderschönen Prignitz (Ost-Pr.) auf - (jaja, das mit dem Bombodrom: Danke Bundeswehr für die Freigabe nach dem langen Ringen): Havelberg (mit wunderschönem Dom) war immer Prignitz, d.h. Grenzland zw. Brandenburg und Mecklenburg. Nach der “Wende” entschloss sich die Bevölkerung, doch lieber Sachsen-Anhalt zu werden. Die jahrhundertelange Geschichte gegen eine nicht einmal 50-jährige ausgestauscht. (Dafür steht der Hochaltar des Doms in einer kleinen Gemeinde in der Prignitz.)
Zu Israel und Berlin. Es ist legitim, Vergleiche zu machen. Die Deutschen verwechseln (immer!!!) bes. in Bezug auf Geschichte: “vergleichen” mit “gleichsetzen”. Solange man die Gemeinsamkeiten und Unterschiede (wie im Biologie-Unterricht…) benennt, habe ich kein Problem, “Mauern” als bewußt gesetzte Bauwerke aus Menschenhand zu verleichen. Dass die Mauer in D eine propagandistische Fehlleistung war (in der Bevölkerung als Trennung vom Westen, nicht als Schutz vor dem Westen wahrgenommen), in Israel Völker/Kulturen trennt (ohne eine Wertung dort vorzunehmen), sei mir kurz gestattet.
Grenzen sind gut, wir brauchen sie. Aber sie sollten überbrückbar sein. Als ich in Greifswald studiert habe, wurde mir klar, dass so eine kleine Hansestadt mehr Verbindungen nach Schweden oder Dänemark, auch nach Polen hat, als z.B. nach Hessen.
Zu den inneren Mauern: Schön plastisch dargestellt mit dem Inselprinzip von Vera F. Birkenbihl ;o)
Zum 9.11.: An diesem Tag zog auch ein ehem. Gefreiter auf die Feldherrenhalle und plante einen Putsch, der mit einer Festungshaft geahndet wurde, auch wurde an diesem Tage (einige Jahre früher) zweimal die Republik auf deutschem Boden ausgerufen… Manchmal erstaunlich, was so ein Datum alles in sich hat.
So, Kurzfassungen sehen anders aus
Viele Grüße
Tobias
PM-D - 12. Januar 2010 um 18:13 Uhr
Danke!
Ich sag`s dir gleich,lieber Tobias,ich bin hier für meine ausschweifenden Kommentare berüchtigt :).
Michele
michele - 12. Januar 2010 um 18:35 Uhr
“Genausowenig werden die Mauern des Vereinigten Europa auf Dauer halten können.Wie heisst es so schön :”Das Leben setzt sich immer durch!””
Eine Mauer, ist eine Mauer, ist eine Mauer.
Ich habe Kopfschmerzen dabei, daß, was in und um Europa passiert mit dem gleichzusetzen, was die Mauer zwischen West- und Ostdeutschland bedeutet hat. Diese Gleichsetzung bringt beides in ein unwürdiges Licht. Europa ist ein Staat oder Staatsgebilde, was sich ersteinmal dadurch auszeichnet daß es offen ist, was die ständigen Erweiterungen bestätigen. Konflikte werden in erster Linie durch diplomatische Lösung und wirtschaftliche Verpflechtungen (was genau einem Mauerabbau entspricht) gelöst. Das mit einer Mauer einer Diktatur zu vergleichen … sorry.
Genauso diese Mauer zu vergleichen mit Mauern, die ich mir selber wähle um mich vor Kälte und Aussensinflüssen zu schützen…ist auch ein Unterschied zu einer Mauer, in die ich hineingestossen und eingesperrt werde.
Bei Verallgemeinerungen ist die Gefahr groß, daß man so allgemein wird, daß es belanglos wird.. Ich kann über “Stein” arbeiten … kann dabei bei Steinzeit anfangen und bei dem Stein enden, der vielleicht mal aus dem Himmel fallen wird, um eine neue Eiszeit auszulösen. Dazwischen hat man eben mal die gesamte Menschheitsgeschichte.
Weniger kann sehr oft mehr sein.
Meine 2 cent.
admin - 12. Januar 2010 um 18:40 Uhr
Lieber Admin !
Sehr richtig !Deine 2 Cent und Deine Kopfschmerzen !
michele - 12. Januar 2010 um 18:51 Uhr
Genau… Nur kein Kopfzerbrechen…
Tobias
PM-D - 12. Januar 2010 um 19:15 Uhr
Das ist das Problem, wenn man als Admin Beiträge freischaltet und dann gleich dazu Stellung nehmen will
Michael Strogies - 12. Januar 2010 um 21:08 Uhr
Meine Reaktionen sind vielleicht auch gerade dadurch gekenntzeichnet, daß wir gerade ein paar wesentliche Durchbrüche bei den Musiklabels gemacht haben. Auch hier wurden wir gebloggt, gemauert. Aber durch kluge Cooperationen haben wir diese Mauern schlicht “aufgeweicht”. Da fielen keine Klumpen (deswegen habe ich auch das Bild nicht verstanden, auf wen die Mauer fällt ???!!!)
Und die Erfahrung ist, daß wenn diese “Hemnisse” (und nicht Mauern) überwunden worden sind, hinterher mehr gute Stimmung herrscht……….
Mauern werden NICHT bleiben……….Im Gegenteil.
Michael Strogies - 13. Januar 2010 um 02:10 Uhr
Eine Mauer ist immer eine Kapitulationserklärung für den, der sie errichtet. Es sagt immer: Ich fühle mich Dir nicht mehr gewachsen, ich muss mich vor Dir schützen, also mauere ich.
Michael Strogies - 13. Januar 2010 um 02:25 Uhr
Die Frage am Ende ist doch:
Was bleibt? Die Mauer, oder die Kraft, gegen die sie errichtet worden ist?
Die Geschichte hat da bisher klare Antworten geliefert.
Mein Interesse gilt der Kraft, nicht der Mauer. Weil diese Kraft kann nochviel mehr Gutes bewirken.
Michael Strogies - 13. Januar 2010 um 02:48 Uhr
*ausgenommen Mauern, die zum Schutze der Familie, gegen Wetter, gegen Hagelschlag…….*
Genaueres entnehmen Sie bitte unserer Informationssite
“http://www.alles-was-sie-über-mauern-wissen-müssen.de”
Michael Strogies - 13. Januar 2010 um 03:00 Uhr
Hallo Michael,
> Mein Interesse gilt der Kraft, nicht der Mauer.
> Weil diese Kraft kann noch viel mehr Gutes bewirken.
Ja, wenn wir von den guten Kräften reden bestimmt.
Was machst Du wenn auf der anderen Seite aber einfach
weiterhin zerstörerische Krafte am Werke sind?
Ich hätt auch gern eine andere Welt, ohne Mauern,
aber wir leben noch gerade in dieser …
> *ausgenommen Mauern, die zum Schutze der Familie …
http://www.bilder-hochladen.net/files/ahsv-g-jpg.html
Shalom,
Yehudis
Yehudis - 13. Januar 2010 um 10:00 Uhr
Ein Hallo in die Runde!
nach gut einer Stunde lesen bin ich nun hier am Ende angekommen und kann einen Komentar loswerden.
Kurz zu mir: Grit hat mich auf diesen Blog aufmerksam gemacht. Ich selbst bin Künstler - Fotografie. Die Mauer ist für mich eigentlich erst ‘89 ein Thema geworden. Vorher war sie einfach da und die Situation ohne ein geteiltes Deutschland kannte ich nicht - bin erst 1975 auf die Welt gekommen.
Was war die Mauer? In erster Linie ein Schutzwall gegen den Imperialismus. Der Osten mußte sich gegen die Gier der westlichen Welt schützen. Das man damit auch Menschen eingesperrt hat, stand ganz woanders und war in meiner Erziehung kein Thema.
@ Yehudis: Wie vermittelt Ihr Euren Kindern in Israel die Mauer? Ist doch auch nur ein Schutzwall, oder?
Genauso zwiespältig ist das Thema mit den inneren Mauern. Will ich mit den inneren Mauern etwas aussperren, einsperren, schützen? Von Fall zu Fall ist das Mauern doch sehr unterschiedlich motiviert. Man sollte dabei zulassen, dass diese innere Mauer stehts neu hinterfragt werden muß, ob diese noch nötig ist. Manchmal schütze ich damit noch unfertige Ideen und Konzepte, innere Wunden oder sperre bewußt mein Gegenüber aus. Aber jede Mauer sollte dabei temporär sein, denn im Lauf der Dinge ändern sich die Kriterien stets. Dann schütten wir von beiden Seiten der Mauer Erde auf und transformieren diese zu einer langen Hügelkette …
Gruß,
Toralf
Toralf Kandera - 13. Januar 2010 um 15:21 Uhr
Unfertige Konzepte und Ideen können aber auch sehr hilfreich sein, sie müssen gar nicht zu Ende gedacht werden. Wenn man sich einem Thema intensiv widmet, gehört es für mich dazu, zunächst möglichst viele Infos/ Gedanken zu sammeln (Brainstorming), um dann am Ende zu filtern. Umso schöner, wenn es in Kooperation geschieht, das eröffnet doch gleich ganz andere Perspektiven. Eine super Idee so eine Dokumentation zu erarbeiten. Bin sehr gespannt, was Michele daraus macht.
Lieber Gruß, Susanne
Susanne Westhoff - 13. Januar 2010 um 17:01 Uhr
“Ja, wenn wir von den guten Kräften reden bestimmt.
Was machst Du wenn auf der anderen Seite aber einfach
weiterhin zerstörerische Krafte am Werke sind?
Ich hätt auch gern eine andere Welt, ohne Mauern,
aber wir leben noch gerade in dieser …”
Das ist das Problem, was ich mit der Allgemeinheit des Themas habe. Die Kraft, die bei der deutschen Mauer ausgeschlossen werden sollte, war ja aus Sicht des Ostens auch zerstörerisch. Aber es ist natürlich überhaupt nicht mit der Situation bei Euch zu vergleichen. Ich bin auch weit davon entfernt, sie zu beurteilen. Ich habe zwar längere Zeit mit Israel geschäftliche Beziehungen gehabt, bin auch einige Male dort gewesen, weiß daher um die Komplexität des Themas und habe da auch einen Respekt vor.
Michael Strogies - 13. Januar 2010 um 17:29 Uhr
Ich hatte damals mit einem Geschäfstfreund (das kann man so sagen) telefoniert, als er gerade mit seiner Familie im Keller saß, damals, als Tel Aviv mit Raketen beschossen wurde. Bei einem meiner Aufenthalte haben sie 200 Meter von mir entfernt ein Motorboot festgemacht, auf dem sich Sprengstoff befand, und das geradewegs auf den Strand von Tel Aviv zusteuerte…….das ist tatsächlich etwas sehr anderes :/
Michael Strogies - 13. Januar 2010 um 17:34 Uhr
kommt….die 100 ….
Michael Strogies - 13. Januar 2010 um 17:44 Uhr
… machen wir noch voll :-)))))
Michael Strogies - 13. Januar 2010 um 17:44 Uhr
> @ Yehudis: Wie vermittelt Ihr Euren Kindern in Israel die Mauer?
> Ist doch auch nur ein Schutzwall, oder?
Toralf, “nur” ein Schutzwall hat hier rein sprachlich
eine etwas andere Dimension, deshalb hab ich
auch die Geschichte mit gepostet.
Da die Kinder täglich damit konfrontiert sind, muss
man da LEIDER auch wenig vermitteln, denn die Zahl
derer, die nicht auf irgendeine Weise Bekannte oder
Freunde haben oder auch nur entfern Familien kennen,
die Opfer von Terroristen wurden, ist leider die geringere.
Ich muss vielmehr Zeit und Liebe und Energien
und viele viele Gespräche aufwenden, damit die Kinder
diese Wut und Trauer, die übermannend sein kann vor
allem für einen jungen Menschen, nicht zu seinem
nächsten Halt, einer Form von Hass, tragen, denn davon
haben wir hier schon mehr als genug.
Auch leider.
http://www.youtube.com/watch?v=CjGaVhVjA5w
Kinder und Jugendliche wachsen hier mit einem viel
stärkerem politischen Bewusstsein auf als z.B. in Dland.
Ich will das hier auch nicht zu sehr auf die israelische
Mauer beziehen, aber es ist mir schon wichtig, dass
hier nicht alles in eine Art von Topf geworfen wird,
denn wir leben noch nicht in einer Welt in der Mauern
überwunden wurden, auch wenn sich Dland noch so sehr
seiner Überwindung erfreuen kann.
Yehudis - 13. Januar 2010 um 18:22 Uhr
Guten Morgen liebe Spursuchenden,
ich war ja, glaube ich, derjenige der wie hier im Blog nachsehbar, anfing sich mit dem Thema “Einstürzender imperialistischer Schutzwall” bildlich befasste. Ich finde es schön das sich nun mit Mauern, die auf oder abgebaut werde, beschäftigt wird. Ich möchte folgendes zum Denken hereingeben. Wenn ich Steine so bearbeite, dass sie glatt sind und sich gut zusammenfügen kann ich nicht nur eine Mauer sondern sich ergänzende Mauern errichten und es entsteht, wenn ich auch an die Durchlässigkeit (Türen und Fenster) denke, ein Haus. Hier kann ich Heimat und Geborgenheit finden. Auch Christus hat, mit einem Stein (Fels / Petrus ) anfangend, sein Haus errichtet, wie die Bibel berichtet. Das wir daraus unterdessen ein Mehrfamilienhaus gemacht haben, steht auf einem anderen Blatt. Wenn ich also die Steine vorher gut behaue, sodass sie glatt sind und in ein Gefüge passen kann eine Mauer teil eines positiven Ganzen sein.
Lasst uns Anfangen die Steine zu bearbeiten.
Cornelius - 14. Januar 2010 um 07:29 Uhr
Guten Morgen, tolles Bild, vorallem wenn man bedenkt, wie stark diese Mauern sein können. Einen schönen Tag wünsche ich! Susanne
Susanne Westhoff - 14. Januar 2010 um 08:22 Uhr
> Wenn ich also die Steine vorher gut behaue, sodass sie glatt sind und > in ein Gefüge passen kann eine Mauer teil eines positiven Ganzen sein.
Eben das ist ja das Elend mit dem Gegenstand unserer Betrachtungen. An der “Berliner Mauer” war nichts gut behauen, nichts war glatt, nichts fügte sich ineinander - ein negatives grosses Ganzes.
michele - 14. Januar 2010 um 13:06 Uhr
Ich finde sogar, daß diese maschinell hergestellten Betonteile etwas sehr zynisches haben. Aber man muß sich das tatsächlich einmal vorstellen. Wenn diese Mauer wirklich von Menschen Stein für Stein gemauert worden wäre…. alleine diese Aktion sich vorzustellen fällt mir schwer.
Michael Strogies - 14. Januar 2010 um 14:38 Uhr
Zynisch warum? Mit dem Beton verhält es sich wie mit allen Materialien, es kommt darauf an, was man daraus macht. Eine tolle Erfindung unserer Zeit, wunderbar einsetzbar… und bietet unglaublich viele Möglichkeiten…nicht mehr weg zudenken.
Stein für Stein, das ist allerdings schwer vorstellbar und ich musste an die Pyramiden denken…. Andere Baustelle.
Susanne Westhoff - 14. Januar 2010 um 15:10 Uhr
Mit zynisch meinte ich auf der einen Seite industriell gefertigte Bauteile, auf der anderen Seite die Einzelschicksale. Es ist so deutsch im übelsten Sinne des Klischees. Perfekt durchorganisiertes Unrecht.
Der arme Beton kann doch nichts dafür.
Michael Strogies - 14. Januar 2010 um 17:07 Uhr
So habe ich das gar nicht gesehen.
Gut, dass ich nachgefragt habe.
Stimmt schon, jetzt kann ich es nachvollziehen.
Der Beton hat (zum Glück) keine Gefühle.
Susanne Westhoff - 14. Januar 2010 um 18:17 Uhr
> 111,90 km Beton- und Steinmauern
…und ausgesprochen schlechte Steine und ausgesprochen schlechter Beton ……Mangelwirtschaft aller Orten …….”wir hatten doch nichts”,sprach das Politbüro….DAS, sei ausdrücklich angemerkt,meine ich zynisch
!
Die Dinge sind immer das, was der Mensch daraus macht.
.
Und es ist ja nicht so,dass “der Westen” nur schönes aus Beton erschaffen hätte
michele - 14. Januar 2010 um 18:21 Uhr
> Stein für Stein, das ist allerdings schwer vorstellbar und ich musste > an die Pyramiden denken…. Andere Baustelle.
Der Gedanke dürfte Cornelius gefallen !
Cornelius?
michele - 14. Januar 2010 um 18:25 Uhr
> 111,90 km Sichtbeton … denn näher als auf Blickweite wollte ich da nicht dran … das war ein echt gruseliges Erlebnis, die Mauer das erste mal zu sehen.
@ yehudis … ich wollte das Thema eigentlich gar nicht aufgreifen, aber da es weiter unten im blog nochmal aufgegriffen wurde, hab ich doch einen Kommentar abgegeben. Sicher, in oder um Israel herrscht heißer Krieg - zwischen Ost und West war es ein kalter Krieg. Aber abgesehen von der Temperatur ist Krieg Krieg
@ [...] von der “Mauer” zum “Stein” find ich gut, denn der Stein ist viel “bedeutungsschwangerer” als die Mauer. Maschinell hergestellte Betonteile ,für eine Mauer ist als solches betrachtet nicht unbedingt zynisch. So vieles heute ist doch fertig als Baukasten hergestellt: von der Gartenlaube bis … aber das geht völlig woanders hin. Manchmal hilft es aber, die Dinge in ihre Bestandteile zu zerlegen, um die Bedeutungen zu separieren. Dann werden diese etwas wertungsfreier und müssen nur wieder zusammengesetzt werden. Dann schauen was rauskommt … “[...] die größte postmoderne Stadtmauer aus Sichtbeton der Welt [...]”
(aber bitte nicht zu ernst nehmen!)
Toralf
Toralf Kandera - 15. Januar 2010 um 00:10 Uhr
Das Thema Mauer bekommt gerade wieder ganz aktuell eine ganz andere Bedeutung. Mauern, die zum Schutz gebaut worden sind. Die die Menschen unter sich begraben haben.
Und Mauerreste , die die Helfer von den Opfern fernhalten.
Michael Strogies - 16. Januar 2010 um 13:34 Uhr
Tel Aviv
Israel
NINTH NOVEMBER NIGHT
The Installation by Gottfried Helnwein in memory of
“Kristallnacht” 1938, is for the first time presented in Israel.
The artist erected this art-installation originally in fall 1988
in the city of Cologne in Germany, on the occasion of the
50th Anniversary of the pogrom-night of November 9, 1938.
The Installation was placed between the Cologne Cathedral
and the Ludwig Museum, alongside the railroad track of
the central station. It was entirely financed by the artist.
A hundred meter long WALL (!) of pictures with large images
of children’s faces, in a seemingly endless row, as if made
to line up to be “selected”. With the faces of Christian, Jewish
and handicapped children, that lived in Germany in 1988.
In the second night after the opening, unknown people cut
all the throats of the children on the pictures.
For the first time this memorial is now presented in Israel
and for that occasion the artist included faces of children
living in Israel in 2010.
http://china.helnwein.com/news/update/artikel_3082.html
Yehudis - 16. Januar 2010 um 23:42 Uhr
Diese Fotowand ist schon sehr berührend, umso ohnmächtiger macht die Zerstörung und diese genau kalkulierte grausame Art und Weise. Fassungsloskeit! Es verschlägt mir die Sprache…und es spiegelt genau den Wahnsinn der Kristallnacht wieder, was es noch erschreckender macht, da es wohl nur einen kleinen Ansatz zeigt … ein ganz unerträglicher Gedanke..
Susanne Westhoff - 17. Januar 2010 um 08:49 Uhr
Wer an diesem Thema gearbeitet hat, ist froh noch schützende Mauern um sich zu wissen .Da werden (innere) Mauern überlebenswichtig.
Die Rampe.
Die Mauer.
Der Tod.
michele - 17. Januar 2010 um 10:06 Uhr
Ursache und Wirkung …Mein Dank an Yehudis.
Eingefügt am 17/01/2010
Die Rampe.
Die Mauer.
Der Tod.
Tragisch,traurige deutsche Kontinuität.
michele - 17. Januar 2010 um 13:12 Uhr
Hi Yehudis
danke für den Helnwein-Link, den ich für sehr interessante Anregung halte, zumal meine ideen zur Mauer-Thematik in genau diese Richtung gegangen sind. Wobei ich seine Arbeit weniger als Affinität zum Mauer-Thema sehe, auch wenn es auf den ersten Blick formal den Eindruck macht.
Mit den Schnitten habe ich ein sehr ambivalentes Verhältnis zu. Das mag zum einen daran liegen, daß ich durch die Musikbranche versaut bin. Ein solcher Fall dort und ich würde eigentlich blind davon ausgehen, daß es iniziiert wäre. Was ich Hellnwein hier nicht unterstellen will. Was auffällt ist natürlich, daß Schnitte in dieser Art genau seinem Ductus entsprechen, seinen Konnotationen die er auch bereits in seinen frühen Arbeiten verwendet hat. Durch diese Aktionen gewinnt die Arbeit, die man sonst für nett, aber realtiv belanglos halten könnte (bis auf das Datum, was dem ganzen natürlich eine andere Ebene gibt). So makaber es klingt, aber durch die Schnitte erhält die Arbeit die Dramatik, der man sich gar nicht entziehen kann. Auch die brutale Verklebung mit Klebeband (würde das jemand bei einem Kunstwerk so machen?) erinnert ein wenig an das medizinische Klammern von Wunden. Es schmerzt.
Michael Strogies - 17. Januar 2010 um 16:05 Uhr
> Das mag zum einen daran liegen,
> daß ich durch die Musikbranche versaut bin.
Michael, in aller offenen Ehrlichkeit, ja ich glaub,
das mag dann eher daran liegen.
Bei aller Sensationsgeilheit würde es mir
allerdings nicht in den Sinn kommen, dass
der Künstler und dem Thema und allen
Menschen, die damit zu tun haben in einer
solchen Geschmacklosigkeit begegnen würde.
Aber wer weiss, vielleicht bin ICH auch naiv.
Ja, es tut mehr als weh …
Ich bin normalerweise eher selten in Tel Aviv,
will mir das aber unbedingt anschauen.
Liebe Grüsse
Yehudis - 17. Januar 2010 um 17:49 Uhr
> Durch diese Aktionen gewinnt die Arbeit, die man sonst
> für nett, aber realtiv belanglos halten könnte
> (bis auf das Datum, was dem ganzen natürlich eine
> andere Ebene gibt)
Mir fällt es auch etwas schwer, das so zu sehen.
Diese Arbeit ist eine Arbeit zum Thema und dem
Datum … ich finde sie sehr passend und alles
andere als “nett” … von der handwerklichen
Perfektion brauchen wir gerade eh nicht reden.
… ausserdem kenne ich die schmerzhaften
Elemente die man in Helnweins Arbeiten finden kann
eigentlich nur zumeist als bewusst integrierten Teil
in seiner Malerei und nicht in der eigentlichen
Zerstörung des Materials.
Na ja… wenn ich mir das alles angeschaut hab,
meld ich mich wieder.
Einen schönen Sonntagabend.
Yehudis - 17. Januar 2010 um 17:57 Uhr
Hallo Ihr,
Nach ……………
Möchte mich einklinken und auf die,
ich nenne sie ” Weiche Mauern ”
hinweisen.Wesentlich gefährlicher
und subtiler und effektiver für Machthaber.Aus diesem Grunde
ist mein Interesse den Tunnelbauern den Ballonfliegern,
den Elser´s den Ostseeschwimmern usw. den Einzelnen,
den Lina Haag´s in ihren Entscheidungsfindungen gezollt.
Wenn Fragen dann fragen,
Dachau den 17.01.10
Dieter Navratil - 17. Januar 2010 um 20:52 Uhr
Michele und mein Dank noch an Dich für die neue Arbeit.
YouTube sei’s gedankt, dass man sogar solche
Theater-Meilensteine noch finden kann …
IDA EHRE, Pinkas Braun, Fritz Strassner als Richter … WOW.
http://www.youtube.com/watch?v=vzGng3dzPvc
http://www.youtube.com/watch?v=j4_YuyIVocM&feature=related
Yehudis - 17. Januar 2010 um 21:19 Uhr
“Möchte mich einklinken und auf die,
ich nenne sie ” Weiche Mauern ”
hinweisen.Wesentlich gefährlicher
und subtiler und effektiver für Machthaber.”
Das sind auch die Art von Mauern, die mich interessieren. Und welche Reste dort nach der Maueröffnung geblieben sind. Denn diese “weichen” Mauern, wie Du sie nennst, sind die, die schnell verhärten und sich dann irgendwann in realen Mauern manifestieren. Und wie wir sehen ist davor auch das 21. Jahrhundert nicht gefeit. Der Begriff “weiche” gefällt mir gut. Sie verdichten und verhärten sich, wenn man nicht früh genug beginnt, sie weiter bis zur auflösung “aufzuweichen”
Michael Strogies - 17. Januar 2010 um 21:44 Uhr
Um das nur nochmal deutlich zu sagen, und nicht wieder irgendwelche Missverständnisse zu erzeugen . Ich unterstelle nichts, und ich schätze Helnwein sehr, schon seine frühen Arbeiten.
Ich für meinen Teil habe hier in dieser Richtung leider schon zu viel erlebt, nicht nur im Musikgeschäft….
Und wer immer dies getan hat….geschmacklos und von unvorstellbarem Zynismus ist es allemal. Egal aus welcher Motivation heraus.
Michael Strogies - 17. Januar 2010 um 21:58 Uhr
Nachtrag und Erklärung zur “Rampe” :
Gesang von der Rampe
Peter Weiss schildert (Anm.:Die Ermittlung) wie Tausende Menschen in Auschwitz mit dem Zug ankamen. Im Durchschnitt war es ein Zug pro Tag doch bei Hochdruck verkehrten auch 2 bis 3 Züge. Sie hatten bis zu 60 Waggons in denen cirka jeweils 90 Menschen etwa 5 Tage unterwegs waren. Ihre Notdurft verrichteten sie im Stroh. Sobald sie an der Rampe angelangt waren musste alles sehr schnell gehen, berichteten die Zeugen. Wer stürzte, blieb liegen und wurde niedergetrampelt. Anschließend wurden die Männer auf die rechte die Frauen und Kinder auf die linke Seite zugeteilt. Alte und Kranke kamen direkt auf einen Waggon der ins Krematorium fuhr. Traten Unruhen auf der Rampe auf, so wurde einfach in die Menge geschossen und dabei fünf bis sechs Menschen getötet.
(aus einem Schülerreferat)
michele - 18. Januar 2010 um 11:10 Uhr
Die Rampe.
Die Mauer.
Der Tod.
Du bist weiter mit deinem Bilderzyklus. Sehr bewegend. Die Ermittlung - Peter Weiss habe ich auch gelesen und viele andere Texte dazu…
Wenn ich Dein Bild betrachte, muss ich an die Menschenmenge denken, an die Rampe und die angsterfüllten Schritte in den Tod…
Das hast Du sehr sensibel dargestellt, lieber Michele.
Respekt!
Liebe Grüße, Susanne
Susanne - 25. Januar 2010 um 16:11 Uhr
Danke für den Kommentar.
Für mich stellt die Arbeit 19. einen momentanen Endpunkt im Bildzyklus dar.
Immer wieder gerate ich an diesen Punkt deutscher Geschichte, völlig egal von wo aus ich starte (wie hier an “der Mauer”). Und immer wieder stellt sich bei mir eigene Betroffenheit und energetische Erschöpfung ein.
Seit einigen Tagen arbeite ich an reinen Farbblättern. Nur die Farbe! Keine Themen, keine Projekte….nur ich.
Irgendwann werde ich vermutlich die Arbeit am Zyklus wieder aufnehmen……wenn nicht,dann eben nicht .
michele - 25. Januar 2010 um 16:38 Uhr
Ich schreibe, sammle, sende, frag nach, räum weg, räum hin. Die Mauerreste sammle ich und daraus baut sich eine riesige Mauer vor mir auf.
Diese reisse ich dann sicher wieder ein, wenn sie zu groß geworden ist. Dann gilt es, aus den Mauerresten eine gute Konzeption zu machen, um den Umgang mit den Mauern irgendwie in den Griff zu bekommen.
So ist vielleicht eine Mauer dazu da, damit sie einem den Weg zeigt, wie man sie durchbrechen kann…
Was sagen wir dazu?
Wie werden wir nur Herr der Lage?
… hier hat sich ja auch so eine richtige Blog - Mauer entwickelt. Wir errichten also ganz einfach gemeinsam Mauern, oder? Irgendwie eine interessante Idee…
Gute Nacht Grit
grithoehn - 26. Januar 2010 um 01:10 Uhr
“Archimedes’ Legende nach soll er nach der Eroberung von Syrakus dem römischen Soldaten, der ihn festnehmen sollte und ihn gerade beim Zeichnen geometrischer Figuren im Sand störte, zugerufen haben: Noli turbare circulos meos (lateinisch für: Störe meine Kreise nicht!), worauf dieser dermaßen in Rage geriet, dass er Archimedes erschlug.”
Es beginnt doch immer mit einem der stört und einem der gestört wird. Mauern werden immer da gebaut, wo einer für sich eine Grenze gesetzt hat, jedoch ein anderer sie nicht akzeptiert.
Es würde normalerweise eine Linie ausreichen, die man zieht, und dem anderen sagt, bitte überschreite sie nicht. Würde der andere dies akzeptieren, bräuchten keine Mauern gezogen werden.
Michael Strogies - 26. Januar 2010 um 17:24 Uhr
Hi Michele,
der Filmausschnitt zeigt aber noch eine andere Wesensart von Mauern, bzw hier Gittern auf. Es gibt z.B. Musiker, die beim Umgang mit Fans gänzlich auf Securitypersonal verzichten. einer von denen ist z.B. Peter Maffay. Ich hatte mich mit ihm einmal darüber unterhalten und er sagte mir, daß es wichtig ist für ihn eine natürliche Art von Autorität aufzubauen, und die in der Regel ausreicht, um Leute ersteinmal grundsätzlich abzuhalten.
Was ich damit sagen will,ist, daß Mauern auch immer einen Mangel einer solchen Autorität bedeutet. Sie sagt im Klartext: “Ich bin Dir nicht gewachsen und muß mich vor Dir schützen”. Ih glaube, ich hatte das an anderer Stelle beschrieben.
Natürliche Autorität bedeutet aber , daß man genau diese Art der “weichen” Mauer gefunden hat. Sie schützt ersteinmal, bleibt aber durchlässig. Und während eine steinerne Mauer entweder da ist oder fällt , schützt eine solche Mauer auch während sie sich öffnet.
Michael Strogies - 27. Januar 2010 um 14:24 Uhr
Da werden wir uns kaum einig werden. Autorität, wie ich sie verstehe, braucht eben KEINE Mauern und schon garnicht “weiche”. Eine weiche Mauer ist schon definitorisch eigentlich ein Wiederspruch in sich, als psychologische Konstruktion ist sie der blanke Horror. Mauern brauchen geregelte Durchlässe in Form von Türen und Fenstern , nur dann erfüllen sie umfassend ihren Zweck - DAS hätten vielleicht auch die realsozialistischen Herrenmenschen besser und früher erkennen sollen.
Der “Die Mauer bleibt!” Zyklus ruht derzeit und bis auf weiteres. Ich bin es so leid nach einem vorgegeben Thema zu arbeiten , dass ich mich erst einmal ausschliesslich mit dem sinnfreien Umgang mit “Farbe” beschäftigen werde.
michele - 28. Januar 2010 um 10:43 Uhr
Hey hallo,
wer hatte denn ein Thema vorgegeben? Das klingt so fremdgesteuert.
Das Thema hatte sich nach Vorlage von ornelius ergeben. Ich finde es nach wie vor spannend, und freue mich auch auf eine Ausstellung diesbezüglich.
Soweit ich mich richtig entsinne hatten wir das einmal als Versuch gestartet.
Michael Strogies - 28. Januar 2010 um 11:30 Uhr
Bitte nix zwischen den Zeilen lesen wenn da garnix steht.
Ich wollte doch nur netterweise allen Mitdiskutanten mitteilen, dass für mich das Thema ausgesetzt ist und wieso dem so ist.
Wir hatten darüber doch schon am Telefon gesprochen.
…und who the fuck is ornelius?
michele - 28. Januar 2010 um 12:54 Uhr
Nachtrag:
Ich bin weiter bei dem Projekt dabei und freue mich sehr,sehr,sehr auf Jena und all die lieben Menschen dort ! Ich werde den Oktober ganz für unsere Ausstellung reservieren !
………….und Weltfrieden!
michele - 28. Januar 2010 um 14:18 Uhr
“…und who the fuck is ornelius?”
o ay uss ich ar ellen. etra ist ornelius
Michael Strogies - 29. Januar 2010 um 03:17 Uhr
ann is j a l s kl r !
ic elle
michele - 29. Januar 2010 um 10:03 Uhr
Und Wer da glaubte in Deutschland gäbe es keine perfiden,menschenverachtenden Mauern mehr, der ist im Irrtum.
http://de.wikipedia.org/wiki/Kölner_Klagemauer
Du siehst Michael,nicht ich suche nach dem Thema Juden und Deutschland - das Thema sucht mich.
!
Ich bin da,immer bereit gefunden zu werden
michele - 5. Februar 2010 um 10:23 Uhr
Lieber Michele, irentswie funktioniert dat so nit!
Hier mal der erbindende Link:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kölner_Klagemauer
in der Hoffnung das der bei mir das ö schluckt, sonst bitte die Linkzeile kopieren und in den Browser einfügen.
Cornelius - 5. Februar 2010 um 11:27 Uhr
Hi Michele,
es ist ein sehr wichtiges Thema.
Gerade in dem Moment lief ein Statement hier über Einslive.
Das langsam die Generation ausstirbt, die darüber berichten kann, wie es tatsächlich gewesen ist. Und das wir die Erinnerungen daran wach halten müssen.
Und das es schon vor Jahrzehnten ja kaum jemanden gab, der darüber berichtet hat, uns, den Kindern einer Generation, der immer erzählt worden ist, daß damals niemand etwas wußte, und wenn, er ohnehin nicht dagegen tun konnte.
Was werden unsere Kinder uns fragen? Das wir nichts gewußt haben, von Klimakatastrophe. Daß uns Killermoskitos neven, okay. Malaria auf einmal wieder in Deutschland, okay ??!!!
Das nervt.
Anderen Völkern werden dabei die Lebensgrundlagen erzogen. Sie ertrinken im Meer auf der Flucht vor dem globalen Imperialismus.
Und wir wissen davon wieder nichts und können ja auch nichts tun.
Es ist wichtig, Erinnerungen wach zu halten. Aber nicht um den Preis die Gegenwart zu ignorieren.
Wie gesagt, daß war nur der Bericht von Einslive.
Michael Strogies - 5. Februar 2010 um 20:51 Uhr
Das Eine tun ,ohne das Andere zu lassen.
Das ist die Kunst!
michele - 6. Februar 2010 um 10:50 Uhr
Ja, das ist genau das, was ich auch immer dazu sage. Es ist alles wahnsinnig komplex, die Fragen, die Zusammenhänge. Du erinnerst Dich, unsere Überlegung am Angangspunkt war ja, was kann Kunst in dieser Medienflut leisten. Wo steht sie da.
Ich glaube insofern war unser Vorgehen erfolgreich. Ich denke, wir vertiefen gerade unsere Themen, und darüber auch unsere gestalterischen Mittel.
Wir werden dieser Welt keine Argumente liefern können. Aber wir können dieser komplexen Welt komplexe Werke entgegenstellen, die ohne irgendwelche Demagogie den Menschen dazu einladen, sich Gedanken zu machen. Das ist der Pfad, auf dem ich im Augenblick laufe.
Michael Strogies - 9. Februar 2010 um 00:26 Uhr
Für mich ist ein(!) Weg der Medien- und damit verbundenen Bilderflut, durch Reduzierung zu begegnen. Das ist mithin wohl auch der Grund für meinen Weg der Informellen Malerei. Darin sehe ich auch ein verbindendes Element der Arbeiten der Spursucher. Sowohl Cornelius, als auch Michael arbeiten in einer eher reduzierten Form, immer konkret am Bildinhalt, ohne, wie wir im Pott zu sagen pflegen, viel Gedöns drumherum .
Wenn,nur einmal als Beispiel, Cornelius die Hände des Joseph Beuys formatfüllend auf die Leinwand bringt, so kann nicht eindringlicher die Bedeutung des handwerklich Schaffenden, des schöpferischen Künstlers dargestellt werden.
michele - 9. Februar 2010 um 10:07 Uhr
Hallo Michael
habe hier in einem Blog einen Beitrag gefunden, den ich absolut spannend finde. Ich überlege ernsthaft, solche Medien in meine Arbeit zu implementieren:
http://hauptstadtstudio.com/2010/05/07/layar-app-lasst-die-berliner-mauer-wieder-auferstehen/
Michael Strogies - 12. Juli 2010 um 15:38 Uhr
Sag ich doch:
..und virtuelle Mauern sind der ganz grosse, aktuelle Hit
!
“Die Mauer bleibt !”
Michael Weber - 15. Juli 2010 um 17:36 Uhr
[...] am 3. Okt 2010, zu dem wir ja bereits an anderer Stelle Ideen und Arbeiten entwickelt haben (Siehe: “Die Mauer bleibt” von Michael Weber und “Mauerreste” von Grit [...]
» Mauermenschen, Menschenmauern. - 18. Juli 2010 um 19:10 Uhr