Mauerreste

Mauerreste, gesammelt 2007, Grit Höhn, Las Negras / Spanien

Gerade hatte ich wieder einmal nachgedacht über all diese Gespräche über die Mauer und den hier parallel laufenden Artikel “Die Mauer bleibt!”

Ein sehr kontroverses Thema mit ebenso vielen eigenen Ideen wie Meinungen darüber…

Nun dachte ich an die vielen Reisen, seitdem die Mauer fiel…

Bulgarien - was auch zu DDR - Zeiten möglich war zu bereisen, allerdings nur über Rumänien zu erreichen war - und ich viele fürchterliche Geschichten hörte von Reisenden durch Rumänien, wie gefährlich es sei - und mein Onkel schliesslich seinen Lada mit einem größeren Tank ausstattete, um bis zu einem bestimmten Ziel durchfahren zu können, ohne unterwegs anhalten zu müssen. Die Bekannten öffneten schon vorsorglich vor der Ankunft meines Onkels das Tor, damit er nur noch hineinfahren müsse, um anschliessend schnell das Tor wieder zu verschliessen, bevor es dunkel war.

Stromsperren, Armut, keine Freiheit waren da meine Ergebniseindrücke seiner Erzählungen von seinen Reisen nach Bulgarien bzw. Rumänien…

Soweit zu meiner hier ersten kleinen Erzählung einer kleinen Erinnerungsblase aus dem Osten…

Ich möchte Euch einladen auf einen Spaziergang mit mir durch die Welt. Erzählt von Erinnerungsfetzen und Erlebnissen, die sich als Mauerreste verstehen könnten…

Ich möchte diese Eindrücke gern sammeln und anschliessend mit Euch gemeinsam zu einem Kunstwerk werden lassen…

Es entstehen hier im Verborgenen bereits kleine Räume, Zellen der Erinnerung, Seifenblasen, Träume und Visionen - Mauerreste, die überwunden wurden und Mauern, die sich immer wieder vor einem auftürmen - die manchmal schier unüberwindbar scheinen - und plötzlich reisst man sie ein und ist wieder für einen Moment frei.

Besinnliche Grüße des Abends von Grit

Mauerrest am 15.01.2010:

Meer der Kindheit

Plötzlich verschleiert der Himmel.

Ein zartes Bild von langer Zeit der Vergangenheit gibt den Blick auf Wasser frei. Ölig fliessendes kühles Wasser, in das ich hineinsehe - und während meine Gedanken in die Tiefe schweifen, wärmt die Sonne, die hoch am Himmel steht, das Bild auf jenes Foto, welches mein Vater machte.

Mutti und ich stehen in Bademäntel gewickelt auf einem typischen großen Ostseestein im Wasser - jener Stein, an den ich mich noch sehr gut erinnern kann. Er liegt in Dranske auf Rügen im Wasser - und ich wette, er befindet sich heute noch an dieser Stelle im Wasser nahe dem Ufer, auf den die Sonne schon unzählige Male hinabschaute und dutzende von Kindern mit ihren Müttern und Vätern und Freunden bereits auf ihm verweilten und weit auf die Ostsee hinschauten.

Ich habe mich immer wohl gefühlt an jenem Ort - wenn mich das Wasser umgab.

Den ganzen Tag spielte ich ohne Scheu vor dem Ertrinken in der See bei Wind und Wetter und bei Ostseesonne.

Eines Tages erzählten wir uns die Geschichte.

Der kleine Junge befand sich auf Mallorca in der Wärme, die man an der Ostsee nur sehr selten hatte.

Er turnte und tollte im Wasser umher und versuchte, die Wellen zu fangen, tauchte durch sie hindurch - wie ein frischer kleiner Fisch im warmen, klaren, türkis - blauen Wasser.

Er sprang wie wild geworden vom Stein - hinein in das Meer - kletterte zurück auf den Stein - sprang wieder in eine Welle - um irgendwann fast schon erschöpft sich auf diesem Lieblingsstein auszuruhen, bis er wieder die nötige Kraft gesammelt hatte, um das gleiche Spiel erneut von vorn zu beginnen.

Eine Welle erfasste ihn unbemerkt - und verschlang ihn - fegte und peitschte ihn hinab - von seinem Stein.

Der kraftvolle Wellengeist zerrte an ihm und machte ihm Angst - und flößte ihm schliesslich Respekt ein, der langsam nötig wurde.

So erinnert auch er sich an jenen Stein, den wir als Kinder erklommen hatten.

Wir reisen.

Mallorca oder Dranske auf Rügen?

(Text: Grit Höhn; Titel: Tobias Netzbandt)

Mauerrest am 15.01.2010:

Stadtpflanze

Die Blume neigte ihr Köpfchen tief.

Sie bekam keinen Schatten.

Nur tief unten an den tiefsten Spitzen ihrer Wurzeln fühlte sie die Kühle des Wassers und trank einen kleinen winzigen Schluck davon.

Klares Wasser.

Der Beton um sie herum engte sie ein und verwehrte ihr diejenige Freiheit, die die meisten Blumen, von denen sie schon gehört hatte, von vorbeilaufenden Fußgängern, die sie wenigstens manchmal anschauten und sich an dieser Seltenheit inmitten der Stadt erfreuten.

Das Blümchen neigte in der Mittagshitze den Kopf weit hinunter zum Beton und hoffte auf einen Richter, der es bald pflücken würde, um es schliesslich mit nach haus zu nehmen, um es zum Zeichen seiner Liebe in einer Vase auf den Tisch zu stellen, wo es strahlen könne, wie es ihm nie vergönnt war auf dem Beton in mitten der Stadt.

Der Traum wurde nie wahr.

Das arme Mauerblümchen.

(Text: Grit Höhn; Titel: Tobias Netzbandt)

13 Antworten zu “Mauerreste”

  1. Die Reisegeschichten zu Rumänien habe ich auch von vielen Seiten gehört, ich habe auch immer gleich ein Bild vor Augen - einer Strasse - rechts und links Felder - alles ist gut überschaubar - ein Baum steht am Strassenrand hinter dem sich ein kleiner Graben befindet bevor das Feld anfängt - und drei kleine Gestalten drängen sich hinter diesem einzigen Baum - ihrem Versteck - um auf das nächste, vielleicht an diesem Punkt stehen bleibende Auto, zu warten…
    Dieses Bild verbinde ich nun mit Rumanienreisen, obwohl ich selbst noch nie vor Ort war ;o)

    Nadine Jacobi - 15. Januar 2010 um 00:28 Uhr

  2. sehr schön, dass sich die thematik erweitert hat,
    sich nicht nur auf die deutsche mauer bezieht,
    denn mauern sind überall…
    und oft gleichen sie sich in ihrer (un)fähigkeit
    grenzen zu verdeutlichen,
    wenn ihr ursprung
    politischer und gesellschaftlicher begrenztheit gelten und galten.

    ein freund von mir fotografiert seit jahren mauern…
    unter verschiedenen gesichtspunkten
    mauern der schönheit, des schutzes, der geschichte bis hin zur ausgrenzung.

    mARTina - 15. Januar 2010 um 11:11 Uhr

  3. Hi Grit,

    das sind z.B. Geschichten, von denen ich bisher hier überhaupt nocht nichts gehört hatte, und die ich sehr spannend führt. Weil sie ein wenig über das erzälen, was Euch im Osten geprägt hat.

    Ich hatte gestern mit Cornleius am Telefon darüber gesprochen. Ich glaube, daß wir im Westen es wesentlich einfacher hatten, mit der Mauer im Osten umzugehen. weil wir brauchten ihr einfach nur den Rücken zuzukehren und blickten auf den freien Westen.

    Ich freue mich, mehr von diesen Geschichten zu hören und zu lesen. Und ich überlege mir ernsthaft, ob wir nicht als Parallele zu der Ausstellung bei Dir auch hier im Westen eine organisieren sollten. Ich denke hier im Ruhrgebiet.

    Michael Strogies - 15. Januar 2010 um 13:08 Uhr

  4. Danke für Euer Interesse. Sich von verschiedensten Seiten an ein Thema heranzutasten, ist sicher die beste Methode, auch um herauszufinden, wo bei Jedem speziell so die Interessen hin gehen… und wie Jeder an Dingen arbeitet.
    Eine Ausstellung im Ruhrgebiet - vielleicht in Essen… - wäre eine super Sache. Ich könnte mir sogar vorstellen, daraus eine Art Wanderausstellung zu entwickeln.
    Gestern sprach ich mit einem unserer Galerie - Künstler, der sehr gute Kontakte nach Italien hat, da er selber Italiener ist :o)
    Wir sollten auch seine Angebote wahr nehmen und ich werde ihn in nächster Zeit besonders aufmerksam auf unser gemeinsames Projekt machen. Er freut sich ebenfalls sehr auf einen guten Austausch.
    Ich werde mal mit einer Galerie in Venedig sprechen und mit den Kontakten in Trento. Dort besteht auf jeden Fall besonders großes Interesse an Zusammenarbeit. Dafür sollten wir dann zu gegebenem Zeitpunkt einen Konzeptverlauf anlegen, so dass wir eine Historie des gesamten Projektes entwickeln.
    Vielleicht wäre auch ein Bildarchiv sinnvoll dazu. Dokumente, die entstehen, sammeln wir hier in der Galerie ebenso. Wenn wir auch dokumentarisches Umland für die Ausstellung entwickeln, wäre es geeignet für ein richtig groß angelegtes Projekt mit internationaler Auswirkung.
    Ich schlage auch vor, dass man sich gemeinsam überlegt, ob es nicht sogar sinnvoll wäre, eine ganz und gar eigene Webseite zu diesem Projekt anzulegen. Dazu müssten wir allerdings alle technischen Details besprechen und auch überlegen, wie man ohne Hindernisse von allen Beteiligten Bilder geladen bekäme - jeder vielleicht über ein Content - Menü dies auch als Admin dies selber sogar vornehmen könnte. Die Masse dürfte doch dies nicht kosten, oder?
    Nun aber noch weiter zum Projekt:
    Um es auch von meiner Seite aus kurz zu beschreiben, was ich vor habe, stelle ich mir im Rahmen dieses Projektes mein erstes Buch vor, welches ich gerne veröffentliche - dies benötigt allerdings noch recht viel Zeit. Im Moment mache ich gerade mal das Rahmenkonzept dazu… und sammel und recherchiere, wenn mir ein wenig Zeit bleibt hier mit der Galerie ;o)

    Wir arbeiten jetzt endlich wieder gemeinsam hier an spannenden neuen kleineren Werken, die dann zu einem großen Werkkomplex zusammengefasst werden können. Das Buchprojekt soll auch für einen Überblick dienen und Ergebnisse der längerfristigen künstlerischen Zusammenarbeit zeigen und für die Ewigkeit konservieren. Vielleicht wäre ja auch an dieser Stelle Platz für Musik? Ich wollte schon immer mal wieder etwas näher mit Musik zu tun bekommen - hihi.
    Es wird also auch hier in Jena wieder recht spannend.

    grithoehn - 15. Januar 2010 um 16:16 Uhr

  5. Erstaunlich, dass hier Italien “ins Spiel” kommt ;) . Für mich ist Italien nämlich das Land mit den “schönsten Mauern”. Selbst Festungswälle haben hier den Charme völliger Sinnfreiheit. Jeder noch so kleine Ort präsentiert, mit Stolz, seine Fortezza und seine Stadtmauern. Heute sind diese Bollwerke sinnlos und, bei genauerem Hinsehen haben die allermeisten auch nie ihren (Verteidigungs-)Zweck erfüllt.

    Von gleicher Schönheit zeugen die Aussenmauern der Häuser. Von grossartiger Architektur , doch mit dem morbiden, pittoresken Charme abblätternder Geschichte.
    Ich liebe es durch diese Strassen und über diese Plätze zu bummeln. Nie würden mir, dem Touristen , diese Fassaden abweisend oder gar heruntergekommen erscheinen. Und doch sind auch hier viele Mauern undurchdringlich und mit übelster Geschichte belastet.

    Schon seid langer Zeit spukt mir ein Projekt im Kopf herum, bei dem es darum geht , auf grossen Papierbögen Frottagen von toskanischen Hausmauern zu nehmen und ggf. zu bearbeiten.
    Mal sehen, vielleicht wird ja doch noch was draus?

    michele - 15. Januar 2010 um 18:44 Uhr

  6. “Um es auch von meiner Seite aus kurz zu beschreiben, was ich vor habe, stelle ich mir im Rahmen dieses Projektes mein erstes Buch vor, welches ich gerne veröffentliche - dies benötigt allerdings noch recht viel Zeit.”

    Das fiel mir gestern auch spontan ein, das solltest Du injedem Fall tun.

    Und was Musik angeht…..ich hatte gestern in Düsseldorf ein Gespräch mit einer Investorenfirma im Musikbereich. Und man ist sich hier im Klaren, daß die Bereiche immer weiter zusammenwachsen werden. Ich selber arbeite auch gerade an einem Projekt, in dem ich mit einem Musiker Bilder für sein Musikvideo zeichnen werde, die wir dann parallel zu Konzerten ausstellen.

    Ganauso kann ich mir vorstellen, daß man andersherum auch mit Produzenten sprechen kann, ob man nicht andersherum das Projekt auch in Musik umsetzen kann.

    Für meine Arbeit überlege ich gerade, mit Ost- und Westlern Interviews zu führen. Auch die könnte man dann in einer Multimedia-Präsentation umsetzen.

    Bis hin zu einer CD oder DvD mit namhaften Musikern ist hier alles denkbar. Zumal es zur 20jährigen Wiedervereinigung eine Menge TV-Formate geben wird, über die man solche Projekte an die Öffentlichkeit bringen kann.
    Hier habe ich auch schon mit einem namhaften TV-Promotor gesprochen.
    Nachoben ist alles offen. Es müssen nur wie immer die ersten Schritte solide gemacht werden.

    Michael Strogies - 16. Januar 2010 um 11:33 Uhr

  7. Ein sehr surreales Mauerwerk ist mir von jeher die Abtei San Galgano, ca. 35 km von Siena entfernt, aus dem 12.Jahrhundert. Ein Kirchenschiff ohne Dach und Boden und ohne Fenster.Der Himmel ist das Dach, die Landschaft wird von leeren Fenstern umrahmt,der Boden Lehm und Gras und, nach Regenfällen, eine grosse Pfütze! Mauern, Mauern, nichts als Mauern! Und doch bilden sie einen Raum der Spiritualität und Kontemplation (sofern nicht gerade ein holländischer Reisebus seine Gesellschaft ausgespuckt hat ;) ) .Ein sakrales Gebäude auf freiem Feld in dem, wer will, G-tt nahe sein kann. Ein Sinnbild für die Dauerhaftigkeit von Stein, Menschenwerk und Glauben.
    Für mich hat die Zeit aus San Galgano ein wahrhaftiges Kunstwerk geschaffen,jenseits aller Religion und über sie hinaus.
    Für mich,als gläubigem Christen,ist hier G-tt leichter zu finden , als in den meisten Kirchen .

    http://www.voltecupolesoffitti.it/IMG/san_galgano.jpg

    michele - 16. Januar 2010 um 14:59 Uhr

  8. Zitat aus dem Gesprächsverlauf “spur gesucht” bei Xing in der Gruppe “artForum Jena”:

    “so… nun wollte ich gerne mal wieder diesen Gesprächsfaden aufnehmen - eine Spur - die sich nun stets entwickelt - zwischen Ost und West - vielleicht aber auch zwischen den Mauern… suchen wir nach Schlupflöchern, durch die wir auf die andere Seite unseres Dunstkreises gelangen… etwas aufstöbern - für neue Eindrücke sorgen - sozusagen hier und da frische Luft schnappen - um anschliessend - bei Rückkehr in die Heimatwelt - über seine Einstellungen nachzudenken und kreative Phasen einzuleiten…
    Geht es Euch denn auch so?

    Lieber Gruß Grit”

    https://www.xing.com/net/artforumjena/ideenaustausch-anregungen-kreative-forumsecke-355882/spur-gesucht-26228578/27581088/?wsa=77612242.a7f384#27581088

    grithoehn - 23. Januar 2010 um 15:10 Uhr

  9. Hallo Grit,
    deine Geschichte “Meer der Kindheit” gefällt mir sehr. Wenn man sich vorstellt, dass doch manche Erfahrungen gleich sind, auch wenn sich unterschiedliche Umgebungen dahinter verbergen. Vor ein par Tagen, habe ich im Fernsehen einen Bericht verfolgt. Vorgestellt wurden Paare, aus Ost und West gemischt. Eins davon hat sich kurz nach dem Mauerbau kennen gelernt. Er hatte sie immer in Ostberlin besucht. Drei Jahre haben sie versucht ihre Beziehung irgendwie aufrecht zu erhalten. Die Besuche wurden schwieriger und seltener und hörten irgendwann auf. Jeder führte das Leben nun auf seiner Seite. Nach dem Mauerfall kam der Kontakt wieder, sie besuchten sich und Jeder interessierte sich für die erlebte Geschichte des Anderen. Jeden Tag zeigen sie sich nun gemeinsam ihre verschiedenen Erinnerungsorte…
    Das hat mich sehr beeindruckt und inspiriert und ich finde diese Ausstauschmöglichkeiten im gesamten Block im Vorfeld einer Ausstellung wirklich großartig!

    Lieber Gruß an das gesamte Spursuche-Team
    Nadine (ein weiteres Mitglied des wunderbaren Teams der Galerie pack of patches ;o))

    nadine jacobi - 25. Januar 2010 um 23:35 Uhr

  10. Danke Dir für Deine Blumen!

    Ja - es ist manchmal einfach nur spannend, wenn man bemerkt, dass es etwas hinter der Schale verborgen gibt, was Stück für Stück hervor kommt… immer ein wenig mehr an Bildern, die das Leben malt.
    Wir saugen es seelisch auf und fotografieren diese Seelenbilder und irgendwann werden sie tatsächlich sichtbar… auch für andere Menschen. Dann können auch andere diese Bilder anschauen und irgendwie erleben - anders vielleicht - mit ein paar Mauerresten… Aber oft haben ja auch diese Ruinen etwas Faszinierendes an sich. Sie zeugen von Vergangenheit, von Spuren und nicht Erlebtem - wie ein ewig schweigendes Trümmerteil aus irgendeiner ganz anderen Geschichte ganz anderer Menschen, die um diesen Teil auch immer und ewig etwas Befremdliches enthalten.
    Ich sammle ja auch Fotos von Ruinen und habe auch schon sehr viele Mauerreste… und ein Teil unseres Fotoarchivs.
    Wann kann ich endlich diese Mauern zu Mauerresten werden lassen, wenn ich so über diese Geschichte Meer der Kindheit”, die ich schrieb, nachdenke?
    Es ist nicht leicht, wenn man bedenkt, dass eine so unterschiedliche Kindheit vorausging, dann - alles zu verstehen.
    Oft kennt man ja tatsächlich die Orte nicht, die Abläufe nicht, an denen ein anderer war und die ein anderer erlebt hat. So versucht man manchmal Mauern an Stellen zu errichten, wo man besser keine braucht, an anderen Stellen wiederum, errichtet man keine, obwohl man an dieser vielleicht besser eine hätte.
    Ja - es ist manchmal wirklich nicht leicht, Ost und West zusammen zu denken. Es ist in unseren Kindsköpfen so drin. Und immer wieder ertappe auch ich mich dabei, dass ich vor mich hin brabbel und immer wieder sage: Das kann der doch nicht wissen, wenn du dich nicht äußerst dazu. Dann muss man sich nicht wundern, wenn einem der andere plötzlich Dinge erzählt, die du selber natürlich direkt kennen gelernt hast zu DDR - Zeiten. Ja und? Ich habe nur oft nicht auf meiner Seite das Bedürfnis, von der nichterfahrenen Seite bei mir zu sprechen. Denn diese kenne ich nicht einmal aus Erzählungen. So ist es gar nicht so einfach, sondern eher wirklich komplex, wie diese Unstimmigkeiten zwischen Ost und West entstanden sind und heute fortgesetzt werden. Ein fast unüberwindbare Mauer scheint dies zu sein.
    Aber es ist einfach nur Mitteilungsbedarf entstanden, der sich wahrscheinlich nur unterschiedlich äußert und entstanden ist auf dieser und jener Seite der Mauer.
    Ob das jetzt überhaupt verständlich ist, was ich gerade schrieb?

    grithoehn - 26. Januar 2010 um 00:05 Uhr

  11. Wir leben in einer Welt der Unstimmigkeiten, des Nicht-oder Missverstehens, der Unkenntnis, des Unbekannten. Manchmal betrifft das schon den Nachbarn auf der anderen Seite des Flurs, manchmal den Menschen einer anderen Kultur im eigenen Land. Wieso, um alles in der Welt, soll es nicht Unstimmigkeiten zwischen Deutschen in Ost und West geben. Zwischen West und Süd gibt es die ja auch und daraus ist eine ganze Kultur des Witzes enstanden ;) .
    Worum es geht ist, wie du so schön schreibst, Mitteilungsbedarf und der ist immens hoch. In Ost und West und in der ganzen Welt.

    Und eines noch zuletzt,liebe Grit.
    Dich und das was ich von dir lese (kenne) ist mir so gut verständlich, dass etwaige Fragen nach Ost und West (in meinem Kopf) von Anfang an garnicht aufgekommen sind. Da ist zumindest mal ein kleines Loch in meiner Mauer :) .

    michele - 26. Januar 2010 um 10:27 Uhr

  12. Endlich Löcher in der Wolkenmauer….!

    Sonnige Grüße von Grit nach langer Pause des Schreibens.

    Grit Höhn - 24. März 2010 um 12:17 Uhr

  13. [...] Ideen und Arbeiten entwickelt haben (Siehe: “Die Mauer bleibt” von Michael Weber und “Mauerreste” von Grit [...]

    » Mauermenschen, Menschenmauern. - 18. Juli 2010 um 19:21 Uhr

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