Vorbereitungen zu “Her name was Neda”, Teil 2





Nachdem der erste Teil von Neda unter direktem Eindruck der Geschehnisse in und um den Iran entstanden ist, habe ich mich nun entschlossen in Vorbereitung unserer Ausstellung in Zandvoort im April das Thema noch einmal neu aufzugreifen.
Grundlage dabei soll eine exakte analytische Betrachtung der verwendeten Mittel sein. Wie an anderer Stelle bereits beschrieben, beschäftigen mich schon seit meiner Arbeit als Trickfilmer die Technik unterschiedlicher Phasen, die getrennt gezeichnet im ‚Rechner zu einer Einheit zusammengefüfgt werden. Das Ganze gilt es für mich jetzt auf die analoge Malerei zu übertragen.
Hierbei soll den 3 unterschiedlichen Phasen eine klare inhaltliche Funktion zugewiesen werden:
1. Die fotografische Ebene
Sie ist für mich die dokumentarische Ebene. Sie ist verantwortlich für Authenzität der Arbeit. Bei all meinen Arbeiten lehne ich es ab, Fotos ,die von anderen Leuten gemacht worden sind, als Grundlage für Zeichnungen zu verwenden. Fotos geben zwar vor, objektives Abbild von Realität zu sein, aber hierüber braucht man sich im Grunde nicht wirklich weiter auszulassen. Alleine der Blickwinkel einer fotografierten Person ist bereits Manipulation und damit Gestaltungsmittel. Verwendung von Material aus zweiter Hand bedeutet somit immer, die Gestaltung eines anderen indirekt mit einfliessen zu lassen, was vielleicht in mancherlei Hinsicht gewünscht sein kann, was aber in der Regel für mich nur zu unbefriedigenden Ergebnissen geführt hat.
Hinzukommt auch noch, daß beispielsweise bei Personendarstellungen, egal ob Portrait oder Akt, das begegnen der Person und das arbeiten mit ihr eine weitere Dimension in der Arbeit darstellt, die sich in Authenzität im Endwerk ausdrückt. Jeder Zeichner weiß darum, und sieht Arbeiten an, ob der Zeichner das Model erlebt hat, oder es lediglich „abgepinselt“ hat.
2.Die gezeichnete Ebene
Diese habe ich für mich die narrative Ebene genannt. Nach dem „objektiven „ Foto Wird die Zeichnung angelegt. Zeichnung bedeutet Handschrift. Sie erzählt gesehenes, und setzt es in eine sehr persönliche , calligraphische Sprache um. Der Strich ist hierbei eine Art Erzählstil, und kann dem Motiv angepasst werden (hart, weich, exakt, flüchtig)
Zeichnung hat immer eine eigne Qualität, die nicht zwingend mit dem Sujet in Einklang stehen muß. Sie ist eine freie, persönliche Interpretation des Dargestellten.
3. Die gemalte Ebene
Sie ist für mich die atmosphärische Ebene. Auf Grundlage der Fotografie werden als seperate Zeichnung von mir mit Pinsel teilweise sehr abstrahierte Malereien angelegt. Ausdrucksmittel ist hierbei in erster Linie die Struktur des Bildes, das bedeutet Malduktus und Spuren wie Kratzen etc., in zweiter Linie die Farbigkeit (‚die aber nach und nach für mich an Bedeutung zunimmt).
3. Die Zeitebene
Bei Arbeiten, denen ein Video zurgrunde liegt, spielt für eine Trickfilmer auch die Zeitebene eine Rolle. Die Frage, wie entsprechende Einzelbilder im Gesamten zusammengestellt werden. Auch wenn es sich um statische Einzelbilder handelt, auch wenn sie ihrer Flüchtigkeit beraubt werden, so bleibt der Faktor Zeit doch spürbar erhalten., und ihm muß in der Gesamtkomposition mit den mittel des Rhythmus (Überlagerungen, Überblendungen, Aktionslinien wie beim Trickfilm) Rechnung getragen werden.
Das Ganze soll ersteinmal als tabellarischer Überblick diene. Jedes Thema für sich wird an anderer Stelle noch ausführlicher behandelt.
Die Grundlage für Neda ist in diesem Fall ausnahmsweise kein selbsterstelltes Material. Es ist ein Video, was ein Passant während der Demonstration erstellt hat. Entgegen der Vorbehalte gegenüber diesem Video, die damals noch bestanden, ist dessen Authenzität mittlerweile belegt und unumstritten.
Bitte warten ...
Die Genauigkeit der Beschreibung entspricht der Qualität der malerischen Abstraktion.Was soll ich da noch mehr schreiben.
michele - 17. Februar 2010 um 12:51 Uhr
Ich denke mit Bildern ist es wie mit dem Essen. Die Zutaten müssen einfach, aber gut sein. Wenn die Zutaten stimmen, kannst Du aus der Kombination unendlich viele Variationen bilden. Deswegen bin ich ganz froh, die Grundstruktur auf einige wenige Parameter reduziert zu haben
Michael Strogies - 17. Februar 2010 um 17:47 Uhr
Einfach Klasse - der Arbeitsansatz! Ich bin gespannt auf weitere Ergebnisse und kann es kaum erwarten.
Ein Abstraktes Menü also…
:o)
Grit Höhn - 17. Februar 2010 um 19:31 Uhr
Wobei ich aber unbedingt anmerken möchte, dass ich die hier vorliegende Bearbeitung, so gut ich sie finde, nicht losgelöst sehen kann (und möchte) von der ersten Version. Wenn ich das richtig verstehe,i st Neda 2 eine Weiterführung von Teil 1 und wäre, ohne diese, für einen “Erstseher” nicht zu verstehen.
Ich möchte dich geradezu ermutigen den Weg der Abstraktion ruhig noch einen Schritt weiter zu gehen.
Es ist ja, in der Realität, die Tote Neda selbst deren Name zum Synomym, zum abstrahierten Symbol, der politischen Opposition im Iran geworden ist .
Um es mal pathetisch auszudrücken:
Der Mensch “Neda” ist tod, aber der Name lebt und gewinnt an Gewicht.
So bleibt am Ende ein Signet , ein Name - kein Gesicht.
michele - 17. Februar 2010 um 19:38 Uhr
Michele, das siehst Du völlig richtig. Es wird im Gesamtkontext auch wieder Bilder dazwischen geben, die realer sind.
Es soll ein bißchen wie die Videos werden, die mit Handys oder kleinen Kameras gedreht worden sind, und dann auf das Internet runterskaliert wurden. Wenn Du die einzelbildweise durchgehst findest Du Bilder, die relativ scharf sind. Dann gibt es welche mit ungeheuren Bewegungunschärfen (daraus stammt auch das hier abgebildete) und es gibt Bilder, die scheinen aufgrund der Datenkompression doppeltbelichted zu sein. Im Video ergibt das in der Bewegung dieses authentische Verwackeln, was ja mittlerweile auch bei Hollywoodproduktionen als Stilmittel eingesetzt wird. Das Ganze abgebremst ergibt dann eben teilweise völlig abstrakte und (das mag man in dem Zusammenhang gar nicht schreiben) sehr faszinierende Bilder. Aber auch wenn man das Ganze statisch darstellt, und die Bewegung des Videos in den Duktus der Zeichnung und Malerei übersetzt, bekommt es wieder etwas von der Dramatik des Ausgangsmaterials. Nur eben der Flüchtigkeit des Videos entzogen.
Grit….ich bin selber auch gespannt
Michael Strogies - 17. Februar 2010 um 21:05 Uhr
Was nochmal das Gesicht von Neda angeht…..nachdem das Video im Internet ja die Wellen geschlagen hat, und daraufhin in sämtliche TV-News adoptiert worden ist, kam ja auch ein Portraitfoto von Neda in Umlauf. Zuerst hatte ich überlegt, daß in der Ausstellung der Videoadaption entgegenzusetzen. Bisher habe ich mich eigentlich dagegen entschieden, da dies nichts von dem hätte, worum es eigentlich geht.
Ich meine, es ist ja nicht das erste Mal, daß Demonstranten von Regimen erschossen wurden. Aber das erschütternde daran ist ja, daß das einfach auf offener Strasse geschieht. Nicht nachts, nicht durch Deportation, was ja alles schlimm genug wäre. Sondern mitten auf der Strasse. Das zeigt einfach wie schmerzfrei dieses Regime ist, und vorallem wie sicher es sich fühlt, daß es nicht einmal Anstalten macht, die Taten in irgendeiner Form geheim zu halten.
Michael Strogies - 17. Februar 2010 um 21:12 Uhr
Eine andere Sache, die ich überlege, ist, ih hier mit einzubauen:
http://paulocoelhoblog.com/2009/06/26/the-doctor/
Michael Strogies - 17. Februar 2010 um 21:17 Uhr
Ich halte so eine Arbeitsweise für äusserst Effektiv.Nach meiner Erfahrung hilft es erst in die Breite zu gehen ,um Schlussendlich auf den Punkt zu kommen.Themen eindimensional anzugehen verleitet zu Betriebsblindheit und zu vorzeitiger thematischer Erschöpfung.Das Thema ist sicher wert zu einem Projekt ausgeweitet zu werden.
michele - 18. Februar 2010 um 12:07 Uhr