Mauermenschen, Menschenmauern.

Skizze zum Projekt Mauermenschen, Menschmauern

Skizze zum Projekt Mauermenschen, Menschmauern

Zwei Termine werden mich in der Zeit nach den Ferien beschäfigen. Einmal die stART10 am 9.Sept. in Duisburg, und einmal das Jubiläum der deutschen Wiedervereinigung am 3. Okt 2010, zu dem wir ja bereits an anderer Stelle Ideen und Arbeiten entwickelt haben (Siehe: “Die Mauer bleibt” von Michael Weber und “Mauerreste” von Grit Höhn ).

Thema der Startkonferenz wir der Einsatz von socialen Netzwerken für Kunlturbetriebe sein, und hier auch unter anderem mit dem Schwerpunktthema  Museen.  Also ein Thema, was aus meiner Sicht excellent zu dem Ansatz der spursuche paßt. Und der Rahmen bietet eine hervorragende Möglichkeit, das Diskutierte in einem Projekt einmal in praktische Arbeit umzusetzen.

Habe ich alleine schon aus Gründen des Copyrights in meinen Arbeiten üblicherweise Fotografien verwendet, die ich selber erstellt habe, so bin ich bei “Leaver Britney Alone” das erste mal ein Stück weiter gegangen. Ich habe mich Materials bedient, daß  von anderen gemacht worden ist, und das , wie hier in Form von Videos, bereits von vielen Internetusern verfremdet und parodiert worden ist. Was passiert mit einem Werk, wenn es den eigentlichen, klassischen Betrachter in den Prozess des Werkes ganz bewußt einbezieht? Eine Frage , die ich sehr bewußt bezüglich der Hobbiisten-Diskussion einmal fragen möchte.

Aus diesem Grund habe ich beschlossen, die beiden Termine und die damit verbundenen Ausstellungen zu einem Projekt zusammenzufassen.

Die Idee ist, eine Mauer zu bauen aus einzelnen Steelen, jede 40 cm breit und 1.80 Meter hoch. Bei jeder einzelnen dieser Steelen soll es sich um eine Collage (übermalte Fotos, Schriftstücke, Tagebucheintragungen, Eintrittskarten oder sonstige Erinnerungsstücke) eines einzelnen Menschen oder einer Gruppe handeln. So, wie sie den Tag der Grenzöffnung erlebt hat, und so, wie sie heute lebt, und welche Bedeutung dieses Ereignis in ihrem/seinen Leben spielt.

Ich suche hierzu Menschen, die aktiv an diesem Projekt mitarbeiten, in der Form, daß sie mir Materialien zu Verfügung stellen. Gescannte Fotos schicken, Texte, Erzählungen etc.

Aus diesem Materialien werde ich Portraits in genannter Grösse anfertigen, die dann im Rahmen der stART10 ausgestellt werden, sowie in der Galerie Pack of Patches. Termine hierfür werde ich an dieser Stelle noch bekannt geben.

Da ich noch nicht genau weiß, welche Flächen ich jeweils für die Ausstellung zu Verfügung haben werde, möchte ich die Zahl ersteinmal auf 15 beschränken, was aber gegebenenfalls erweitert werden kann. Verbindlich werde ich die Portraits erst dann zusagen, wenn tatsächlich genug aussagekräftiges Material der entsprechenden Person vorliegt. Selbstverständlich wird über die Art der Veröffentlichung des Materials eine Vereinbarung geschlossen, das aber seperat, und nicht hier im öffentlichen Raum.

Als Kontakt nutzt bitte einfach diesen Blog hier. Da auch bereits die Diskussion um das Thema Bestandteil der Ausstellung sein wird, dazu aber an anderer Stelle noch mehr.

Bis dahin gilt… wer zuerst kommt, wird zuerst gemalt ;-)

7 Antworten zu “Mauermenschen, Menschenmauern.”

  1. klasse, mal wieder was zu lesen zur geplanten ausstellung! ich freue mich sehr auf die realisierung und schlage daher vor, wir streuen schon einmal vorab die infos - ok? ich könnte doch sicher etwas werbung für das geplante projekt setzen… wir müssen nur wissen, wieviele beiträge ihr in der galerie gern zeigen möchtet - dann können wir ja auch einen grundriss mitgeben. morgen treffen wir uns am abend mit michael in jena - ich freu mich und sende viele grüße aus jena, grit

    Grit Höhn - 18. Juli 2010 um 20:35 Uhr

  2. *Ich habe mich Materials bedient, daß von anderen gemacht worden ist, und das , wie hier in Form von Videos, bereits von vielen Internetusern verfremdet und parodiert worden ist. Was passiert mit einem Werk, wenn es den eigentlichen, klassischen Betrachter in den Prozess des Werkes ganz bewußt einbezieht? Eine Frage , die ich sehr bewußt bezüglich der Hobbiisten-Diskussion einmal fragen möchte.*

    Kunst hat sich schon seit langem auch vorhandener Materialien bedient. Beispielhaft hierfür ist die Collage. Auch der klassische Betrachter war häufig genug am Werkprozess beteiligt. So tritt auch heute noch ein zu Portraitierender ja in Interaktion mit dem Portraitierenden. Alles also garnicht sooooo neu. Dennoch finde ich deinen Ansatz überaus interessant und ich hoffe, dass du viel und gutes “Arbeitsmaterial” gewinnen kannst.

    Michael Weber - 19. Juli 2010 um 17:42 Uhr

  3. Hallo Michael

    Ups stimmt. Wusste doch, da war noch was :-P

    Es ist sicherlich nicht neu, Materialien von anderen zu verarbeiten. Es geht mir auch nicht darum, neu zu sein.
    Mir ist es wichtig in Kommunikation zu stehen mit denen, derer Bilder ich mich bediene.
    Kommunikation entwickelt über die Social Networks gerade völlig neue Formen, und ich finde es spannend, diese Erfahrungen auch auf die Kunst zu übertragen.

    Und das Hobbiistendenken eigentlich aufzulösen . An dieser Stelle vielleicht eher das Bild zu sehen, aus einer kommunikativen Einbahnstrasse eine Interaktion im Sinne der Netwerke aufzubauen.

    Schöne Grüsse aus dem wunderschönen Wismar.

    Michael Strogies - 22. Juli 2010 um 00:03 Uhr

  4. Mit hinlänglich bekannten Mitteln neue Blickwinkel zu schaffen ist ja eine der hervorragenden Aufgaben bildender Kunst und die Einbindung so wesentlicher Entwicklungen wie dem Social Network ist unumgänglich.

    Ob es machbar ist das “Bild” als Artefakt aus einer “kommunikativen Einbahnstrasse” zu holen bezweifle ich. Den Prozess der Kunstschaffung kommunikativer zu gestalten halte ich hingegen für möglich.

    Die Hobbiistendiskussion ist für mich, wie Du ja weisst,hinfällig und zunehmend uninteressant. Es gibt massenhaft Kunstschrott vom sog. Profi und nicht selten entstehen grossartige Arbeiten von Menschen, die sich mit grossem Ernst in ihrer freien Zeit der Malerei widmen.
    So what?
    Als Künstler muss ich mich an jeder konkurrenzfähigen Arbeit messen und messen lassen. Der des ausgebildeten Profis, wie auch der des autodidaktischen Freizeitkünstlers.
    Nur um das klar zu stellen! Handwerkliche Grundausbildung und theoretische Vorkenntnisse können nie schaden! ;) Ob sie an der Akademie, der VHS, aus durch lesen der einschlägigen Literatur gewonnen wurden/ werden ist mir total “Latte”.

    Michael Weber - 22. Juli 2010 um 09:18 Uhr

  5. Ok - Leute… gern lass ich mich mal mit ein auf eine solche Diskussion hier bei Euch ;o) Ich kann mir schon vorstellen, dass sich aus einer solchen Arbeitsidee interessante neue Positionen entwickeln lassen. Ich finde auch, dass es sehr interessant sein kann, wenn ich absolute Laien hier mit in die Arbeiten einbezogen sehe. Es steht zur Diskussion, ob sich nicht durch ein künstlerisches Filtern vollkommen scharf und grenzwertige Aussagen des Fremdmaterials entnehmen lassen. Natürlich ist auch immer die Frage nach Urheberschaft ein Thema - gerade bei einem solchen Konzept. Allerdings lassen sich auf diese Weise beiderseitig Scheuklappen abbauen und ich könnte mir vorstellen, es erweitert den Begriff von Kunst zeitgemäß. Nur sollte man tatsächlich die Frage nach Zusammenarbeit stellen, denn auch ohne Absicht entstehen sehr häufig sogenannte “Würfe” in der Kunstwelt - und - ich muss recht geben, wenn man sich von der Ausbildung vorerst überhaupt nicht beeindrucken lässt… denn das alleine macht eine Arbeit noch lange nicht qualitativ aus. Also sollte man doch nach dem Thema von Aneignung in der Kunst fragen - oder nicht? Ich fände gerade diesen Zusammenhang bei einem solchen Kunstkonzept sehr spannend - wenn wir schon das Mauerthema als Headline haben… denn da gibt es doch tatsächlich Kontroversen, oder? Ich erhebe hiermit Anspruch auf Teilhaberschaft in der konzeptuellen Gestaltung dieser Arbeit! Ist das ein provokatives und gutes Angebot? Stellt Eure Meinung bitte mal vor dazu. Ich würde mich freuen…
    Viele Grüße aus Jena, Grit

    Grit Höhn - 25. Juli 2010 um 12:53 Uhr

  6. “Ich erhebe hiermit Anspruch auf Teilhaberschaft in der konzeptuellen Gestaltung dieser Arbeit! Ist das ein provokatives und gutes Angebot?”

    Das ist ein sehr gutes Angebot :-)
    Es gibt in der Kunst immer Entwicklungen, die ja keinen “Erfinder” im urheberrechtlichen Sinne haben. Nimm den Expressionismus oder den Kubismus. Hier haben sich Künstler einfach aufgrund technologischer Entwicklungen , in diesem Fall die Fotografie, neu orientiert. Schlicht und ergreifend auch deshalb, weil die Fotografie ihnen das Geschäftsfeld “Portraitmalerei” strittig gemacht hat. Kunst mußt sich neue Präsentationsformen entwickeln, sich neu aufstellen, um letztlich auch nicht ihre Existenzberechtigung zu verlieren.
    Die künstlerische Entwicklung wurde ja von verschiedenen Künstlern parallel vorgenommen. Van Gogh, Gauguin, Cezanne, dann Picasso und Braque. Keiner von denen kann einen Anspruch auf Urheberschaft der klassischen Moderne erheben, und dennoch hat jeder auf seine sehr eigene Weise diese moderne geprägt.

    Ich denke die Kunst heute steht in einem ähnlichen Prozess. Das Internet, und hier besonders die sozialen Netzwerke, verändert unser Kommunikationsverhalten komplett. Der Rezipient wird gleichzeitig zum Sender.
    Nimm die tragischen Geschehnisse von der Loveparade gestern hier in Duisburg. Wo sind die Redakteure, die früher klassisch über solche Geschehnisse berichtet haben. Es sind mittlerweile die Betroffenen selber, die die Berichterstattung übernommen haben. In allen Nachrichtensendungen werden Fotos und Videos aus Plattformenwie youtube und Facebook eingebunden.

    Michael Strogies - 25. Juli 2010 um 17:16 Uhr

  7. Im Moment überlege ich ernsthaft, das Thema “Menschenmauer” für die Ausstellung in Duisburg den aktuellen Geschehnissen anzupassen.
    Am Samstag kamen wir gerade von der Ostsee zurück, waren gerade auf der Tour mit Monrose, als ein Anruf vom Tourmanager von Queensberry kam. Die Band hatte mit der BILD einen Termin auf der Loveparade gehabt, ein Teil der Band war auf dem Weg zurück nach Hamburg, eine der Sängerinnen mußte nach Frankfurt, und ist deswegen mit dem ICE gefahren. Genau in dem Moment, als dort die Katastrophe geschah.
    Wir hatten sie dann abgeholt. Es herrschte totales Chaos. Wir versuchten sie zum Düsseldorfer HBF zu fahren, aber auch dort war Chaos, weil Duisburg als Bahnhof komplett ausgefallen war. Wir sind dann weiter nach Köln gefahren.
    Am Sonntag war dann die Pressekonferenz in Duisburg. Für jeden, der ein wenig mit Veranstaltungen zu tun hat eine absolute Zumutung von Feigheit und Inkompetenz.
    Ich kenne den Tunnel sehr gut,da Duisburg für meine ICE-Anbindung ist. Das Ganze hängt mir ziemlich nach
    Im Moment kann ich mir eigentlich nicht wirklich vorstellen, in Duisburg eine Ausstellung zu machen, ohne das Thema aufzubringen.
    Michael Weber hatte hier schon von Mauern gesprochen, die fallen können. Ich habe hier das Wortspiel Mauermenschen-Menschenmauern eingebracht. Und hier waren Menschenmauern, die gefallen sind und die Menschen unter sich begraben haben. Und Mauern, die Menschen zu Mauern werden liessen. Menschen wurden getötet, nachweislich zu Tode getreten. Gibt es einen grausameren Tod für jemanden, der schlichtweg feiern wollte? Und was mit denen, die von der Masse und den Mauern gezwungen wurden, über die am Boden liegenden Menschen zu treten? Zu Tode zu treten…!!!??? Die gegen ihren Willen zu Tätern wurden, und nicht die Kraft hatten, sich dagegen zu wehren.

    Michael Strogies - 29. Juli 2010 um 03:06 Uhr

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