Mauerreste
Gerade hatte ich wieder einmal nachgedacht über all diese Gespräche über die Mauer und den hier parallel laufenden Artikel “Die Mauer bleibt!”
Ein sehr kontroverses Thema mit ebenso vielen eigenen Ideen wie Meinungen darüber…
Nun dachte ich an die vielen Reisen, seitdem die Mauer fiel…
Bulgarien - was auch zu DDR - Zeiten möglich war zu bereisen, allerdings nur über Rumänien zu erreichen war - und ich viele fürchterliche Geschichten hörte von Reisenden durch Rumänien, wie gefährlich es sei - und mein Onkel schliesslich seinen Lada mit einem größeren Tank ausstattete, um bis zu einem bestimmten Ziel durchfahren zu können, ohne unterwegs anhalten zu müssen. Die Bekannten öffneten schon vorsorglich vor der Ankunft meines Onkels das Tor, damit er nur noch hineinfahren müsse, um anschliessend schnell das Tor wieder zu verschliessen, bevor es dunkel war.
Stromsperren, Armut, keine Freiheit waren da meine Ergebniseindrücke seiner Erzählungen von seinen Reisen nach Bulgarien bzw. Rumänien…
Soweit zu meiner hier ersten kleinen Erzählung einer kleinen Erinnerungsblase aus dem Osten…
Ich möchte Euch einladen auf einen Spaziergang mit mir durch die Welt. Erzählt von Erinnerungsfetzen und Erlebnissen, die sich als Mauerreste verstehen könnten…
Ich möchte diese Eindrücke gern sammeln und anschliessend mit Euch gemeinsam zu einem Kunstwerk werden lassen…
Es entstehen hier im Verborgenen bereits kleine Räume, Zellen der Erinnerung, Seifenblasen, Träume und Visionen - Mauerreste, die überwunden wurden und Mauern, die sich immer wieder vor einem auftürmen - die manchmal schier unüberwindbar scheinen - und plötzlich reisst man sie ein und ist wieder für einen Moment frei.
Besinnliche Grüße des Abends von Grit
Mauerrest am 15.01.2010:
Meer der Kindheit
Plötzlich verschleiert der Himmel.
Ein zartes Bild von langer Zeit der Vergangenheit gibt den Blick auf Wasser frei. Ölig fliessendes kühles Wasser, in das ich hineinsehe - und während meine Gedanken in die Tiefe schweifen, wärmt die Sonne, die hoch am Himmel steht, das Bild auf jenes Foto, welches mein Vater machte.
Mutti und ich stehen in Bademäntel gewickelt auf einem typischen großen Ostseestein im Wasser - jener Stein, an den ich mich noch sehr gut erinnern kann. Er liegt in Dranske auf Rügen im Wasser - und ich wette, er befindet sich heute noch an dieser Stelle im Wasser nahe dem Ufer, auf den die Sonne schon unzählige Male hinabschaute und dutzende von Kindern mit ihren Müttern und Vätern und Freunden bereits auf ihm verweilten und weit auf die Ostsee hinschauten.
Ich habe mich immer wohl gefühlt an jenem Ort - wenn mich das Wasser umgab.
Den ganzen Tag spielte ich ohne Scheu vor dem Ertrinken in der See bei Wind und Wetter und bei Ostseesonne.
Eines Tages erzählten wir uns die Geschichte.
Der kleine Junge befand sich auf Mallorca in der Wärme, die man an der Ostsee nur sehr selten hatte.
Er turnte und tollte im Wasser umher und versuchte, die Wellen zu fangen, tauchte durch sie hindurch - wie ein frischer kleiner Fisch im warmen, klaren, türkis - blauen Wasser.
Er sprang wie wild geworden vom Stein - hinein in das Meer - kletterte zurück auf den Stein - sprang wieder in eine Welle - um irgendwann fast schon erschöpft sich auf diesem Lieblingsstein auszuruhen, bis er wieder die nötige Kraft gesammelt hatte, um das gleiche Spiel erneut von vorn zu beginnen.
Eine Welle erfasste ihn unbemerkt - und verschlang ihn - fegte und peitschte ihn hinab - von seinem Stein.
Der kraftvolle Wellengeist zerrte an ihm und machte ihm Angst - und flößte ihm schliesslich Respekt ein, der langsam nötig wurde.
So erinnert auch er sich an jenen Stein, den wir als Kinder erklommen hatten.
Wir reisen.
Mallorca oder Dranske auf Rügen?
(Text: Grit Höhn; Titel: Tobias Netzbandt)
Mauerrest am 15.01.2010:
Stadtpflanze
Die Blume neigte ihr Köpfchen tief.
Sie bekam keinen Schatten.
Nur tief unten an den tiefsten Spitzen ihrer Wurzeln fühlte sie die Kühle des Wassers und trank einen kleinen winzigen Schluck davon.
Klares Wasser.
Der Beton um sie herum engte sie ein und verwehrte ihr diejenige Freiheit, die die meisten Blumen, von denen sie schon gehört hatte, von vorbeilaufenden Fußgängern, die sie wenigstens manchmal anschauten und sich an dieser Seltenheit inmitten der Stadt erfreuten.
Das Blümchen neigte in der Mittagshitze den Kopf weit hinunter zum Beton und hoffte auf einen Richter, der es bald pflücken würde, um es schliesslich mit nach haus zu nehmen, um es zum Zeichen seiner Liebe in einer Vase auf den Tisch zu stellen, wo es strahlen könne, wie es ihm nie vergönnt war auf dem Beton in mitten der Stadt.
Der Traum wurde nie wahr.
Das arme Mauerblümchen.
(Text: Grit Höhn; Titel: Tobias Netzbandt)



Nach dem Tod des Künstlers Alfred Hrdlicka herrscht tiefe Trauer. “Österreich verliert eine große Künstlerpersönlichkeit”, würdigte Bundespräsident Heinz Fischer den Bildhauer.

Hrdlickas “Mahnmal gegen Krieg und Faschismus” wurde am 24. November 1988 enthüllt. Dem Kunstwerk war ein jahrelanger Streit vorangegangen.


Im Mai wurde eine Skulptur der 1998 seliggesprochenen Ordensfrau Restituta Kafka in der Barbarakapelle des Stephansdoms enthüllt. Dompfarrer Toni Faber bezeichnete das Kunstwerk als ein “starkes Mahnmal gegen den NS-Terror”.



